Instagram löscht Tausende Accounts von Porno-Stars

Nach der Löschung von Tausenden von Accounts protestieren Porno-Darstellerinnen und Sexarbeiterinnen gegen Instagram. Behandelt das Unternehmen sie strenger als andere User?

Pornodarstellerin und Aktivistin Ginger Banks im Januar 2019 bei einer Preisverleihung in Las Vegas (Bild: Getty Images)

Die Entscheidung von Instagram, Tausende Accounts von Porno-Darstellerinnen und Sexarbeiterinnen zu löschen, sorgt für Proteste. Die Klage der Betroffenen: Ihr Accounts verstießen meist gar nicht gegen die Instagram-Richtlinien gegen explizite Inhalte oder zu viel nackte Haut. Geht Instagram unfair vor gegen Frauen, die Pornos drehen oder Sexarbeit machen?

Ja, glaubt Alana Evans, Vorsitzende der “Adult Performers Actors Guild”, einer Gewerkschaft für Porno-Darstellerinnen und -Darsteller. Für sie gelten anscheinend andere Regeln als für berühmte Filmschauspielerinnen, Models oder andere Stars und Sternchen, die ungestraft freizügige Bilder posten. “Ich sollte mein Instagram auf die gleiche Art und Weise betreiben dürfen wie Sharon Stone oder ein anderer verifizierter Account. Die Realität ist aber, dass ich sofort gelöscht würde, wenn ich mich dort so zeigte.”

Diskriminiert Instagram gezielt Sexarbeiterinnen?

Die Gewerkschaft hat eine Liste von mehr als 1300 Accounts zusammengestellt, die Instagram wegen Verstoß gegen die Community-Richtlinien gelöscht haben soll – obwohl sie weder Sex noch Nacktheit gezeigt hätten. Selbst die harmlosesten Freizeit-Bilder würden massenhaft gemeldet und gelöscht. “Sie diskriminieren uns, weil ihnen nicht gefällt, was wir beruflich machen”, glaubt Evans.

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Das Thema beschäftigt die Sex-Performer/innen schon seit einem Jahr. Nach der ersten Löschwelle hatten Aktivistinnen im Mai vor der Zentrale des Unternehmens demonstriert.

Unglaubliche Szenen vor der Instagram-Zentrale in London heute Nachmittag. Sexarbeiterinnen verlangen ein Treffen mit dem Unternehmen, klare Richtlinien und ein Ende der Account-Löschungen.

Instagram hatte zunächst eingewilligt, sich mit den Aktivistinnen an einen Tisch zu setzen und ein Widerspruchssystem gegen Löschungen eingerichtet. Nachdem die Gespräche ins Stocken gerieten, wurden jedoch weiter massenweise Accounts gelöscht.

Löschung nach dem Tod einer Performerin

Besonders erschüttert hat Evans die Löschung des Accounts der Porno-Darstellerin Jessica Jaymes, nachdem diese im September mit nur 40 Jahren tot in ihrem Haus aufgefunden worden war.

Jessica Jaymes im Januar 2019 in bei einer Preisverleihung in Los Angeles, California. (Bild: Getty Images)

“Als ich das gesehen hab, ist mir das Herz schwer geworden. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat”, sagt Evans. Instagram machte seine Entscheidung rückgängig, doch tausende andere Accounts bleiben gelöscht.

Ein treibender Faktor scheint eine Gruppe anonymer Accounts zu sein, die systematisch die Accounts von Porno-Darstellerinnen und Sex-Arbeiterinnen meldet und ihnen nach der Löschung Beleidigungen und Drohungen schickt.

Eines ihrer ersten Opfer: Webcam-Girl und Aktivistin für Sexarbeiter-Rechte Ginger Banks (rechts im Bild, links Alana Evans). Sie ist inzwischen bei ihrem sechsten Instagram-Account angelangt, obwohl sie die Regeln immer befolgt habe. “Wenn du Zeit und Mühe investierst, um einen Account mit 300.000 Followern aufzubauen, der dann einfach gelöscht wird, dann fühlst du dich hilflos”, sagt sie.

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Instagram ist eine wichtige Werbeplattform für Porno-Darstellerinnen und Sexarbeiterinnen, auch ohne explizite Bilder. “Die Leute, die uns melden, verstehen nicht, dass sie unser Einkommen gefährden, oder es ist ihnen egal”, sagt Banks. “Sie denken, dass wir diese Arbeit nicht machen sollten, dass solche Jobs nicht existieren sollten.”

Ein Sprecher von Facebook, zu dem Instagram gehört, sagte zum Thema der Proteste: “Mit so einer global diversen Community brauchen wir Regeln zum Thema Nacktheit und sexuellen Anreizen, um sicherzustellen, dass die Inhalte für jeden angemessen sind, besonders junge Leute.” Man gebe allerdings die Möglichkeit, die Entscheidungen anzufechten und mache sie rückgängig, wenn es Fehler gemacht worden seien. Evans und ihren Kolleginnen dürfte diese Antwort wenig Hoffnung machen.

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