Instagram-Star spricht über die „Schattenseiten“ des Influencer-Daseins

·Lesedauer: 9 Min.

Eine beliebte Influencerin hat über die Beschimpfungen gesprochen, mit denen sie zu tun hat, seit sie eine prominente Social-Media-Präsenz aufgebaut und diese zu ihrer Karriere gemacht hat.

Die Influencerin Em Sheldon  (Bild: Darren Gerrish/WireImage)
Die Influencerin Em Sheldon (Bild: Darren Gerrish/WireImage)

Em Sheldon hat über 118.00 Follower bei Instagram und über 88.000 bei YouTube. Dennoch hat sie jetzt darüber gesprochen, wie schwer es sein kann, Influencerin zu sein und welche falschen Vorstellungen manche davon haben.

"Das, was mir andere Leute am häufigsten sagen, wenn ich ihnen sage, was ich mache, ist: 'Du machst also nur den ganzen Tag lang Selfies'. Ich glaube nicht, dass ihnen klar ist, dass es tatsächlich 20 Stunden Arbeit am Tag sind", sagte sie kürzlich bei einer Untersuchung des Ausschusses für Digitales, Kultur, Medien und Sport in Großbritannien über das Wachstum der Influencer-Kultur.

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Sheldon hatte 2012 mit einem Blog begonnen. Sie sagt, bis etwa 2015 habe sie damit kein Geld verdient und sah es anfangs nur als Hobby aus Leidenschaft an. Nach einer "langen Durststrecke" wurde sie schließlich für ihre Arbeit bezahlt.

Die Influencerin Em Sheldon hat vor dem britischen Ausschuss für Digitales, Kultur, Medien und Sport ausgesagt. (Quelle: parliamentlive.tv)
Die Influencerin Em Sheldon hat vor dem britischen Ausschuss für Digitales, Kultur, Medien und Sport ausgesagt. (Quelle: parliamentlive.tv)

Doch das hatte auch seine Schattenseiten, denn mit dem Geld kamen auch schnell die Beschimpfungen.

"In welcher anderen Branche wird man dafür beschimpft, dass man Geld und seinen Lebensunterhalt verdient? Ich habe das Gefühl, es ist so eine Karriere, bei der sie einen nur bis zu dem Zeitpunkt mögen, an dem sich der Erfolg einstellt“, so Sheldon.

Influencer sollten als normale arbeitende Menschen angesehen werden

Für die Untersuchung wurde auch Dr. Crystal Abidin, eine digitale Anthropologin und Ethnografin der landestypischen Internetkulturen befragt.

Am Donnerstag sprach sie mit Yahoo Nachrichten Australien und sagte, wir sollten Influencer so betrachten wie die Angestellten der Dienstleistungsbranche in Australien.

„Wir müssen über die Arbeitsbedingungen auf die gleiche Art sprechen, wie wir hier über die Dienstleistungsbranche in Australien sprechen“, sagte sie.

„Wenn wir sagen: ‚Nein, du bist eine wichtige Arbeitskraft, du arbeitest in einem Supermarkt, du arbeitest in einem Café‘, heißt das nicht, dass wir nicht den Arbeitsschutz berücksichtigen. Wir müssen verschiedene Parameter der Arbeitssicherheit aufstellen, um sicherzustellen, dass sie ihre Arbeit gut machen können.“

Dr. Crystal Abidin ist digitale Anthropologin und sagt, dass wir so über Influencer sprechen sollten, als seien sie Angestellte. (Quelle: parliemantlive.tv)
Dr. Crystal Abidin ist digitale Anthropologin und sagt, dass wir so über Influencer sprechen sollten, als seien sie Angestellte. (Quelle: parliemantlive.tv)

Dr. Crystal sagte, es sei ein Mythos, dass alle Influencer Multimillionäre seien. Tatsächlich komme die Mehrheit gerade so eben über die Runden.

Einige der Influencer, mit denen Dr. Crystal gesprochen hat, mussten längere Social-Media-Auszeiten nehmen, nachdem sie nicht mehr mit den Beschimpfungen zurechtkamen oder an Burnout erkrankten.

Während der Befragung durch den Ausschuss, bestätigte sie, dass es mittlerweile mehr Menschen gebe, die sich selbst als professionelle Influencer sehen, obwohl sie monatlich nur ein paar tausend Dollar verdienen und Vollzeit arbeiten.

Mobbing innerhalb der Influencer-Branche

Während ihrer Laufbahn hat Dr. Crystal Tausende von Influencern auf der ganzen Welt interviewt, um mehr über die Influencer-Kultur zu erfahren und darüber, wie sich diese entwickelt.

Sie sagt, Influencer seien der Inbegriff von Internet-Stars, die sowohl professionell sind, als es auch bewusst als berufliche Laufbahn verfolgen. Sie treffen permanent strategische Entscheidungen zu ihrer Sichtbarkeit und machen ihre Plattform zu ihrem Beruf.

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Wir haben zwar die Vorstellung, dass es sich bei Influencern meist um attraktive junge Frauen handelt, die ein glamouröses, privilegiertes Leben haben. Allerdings gibt es jenseits der Instagram-Filter auch Schattenseiten.

Sheldon erklärte, dass es eine "dunkle Seite" des Internets gebe, wo erwachsene Frauen sehr viel Energie darauf verwenden, herablassend über andere Influencer zu schreiben. Andere gingen sogar noch weiter.

Sie sagt, diese Frauen, die in der Regel mittleren Alters sind, hinterließen nicht nur fiese Kommentare unter ihren Beiträgen. Einige ihrer Kolleginnen hätten sogar Stalking erlebt.

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"Ich habe mit einigen Kolleginnen hierüber gesprochen. Sie mussten die Polizei einschalten, weil diese Menschen alles daransetzen, ihre Adressen herauszufinden oder wie viel die Leute für ihre Häuser bezahlen", sagte sie. "Das ist nicht in Ordnung und in keiner anderen Branche wäre das okay."

Sheldon fügte hinzu, sie habe kein Problem damit, wenn Leute schreckliche Sachen über ihr Aussehen schreiben, aber sie habe sehr wohl ein Problem damit, wenn es das "einzige" Ziel bestimmter Personen ist, jemand anderem die Geschäfte zu verderben.

Die verborgenen Probleme, mit denen Influencer zu kämpfen haben

Der Begriff "Influencer" wurde sehr verweiblicht, denn er ist das Erbe der Lifestyle-Blogger, die ihr Leben durch ein Online-Medium ihrer Wahl dokumentierten.

Allerdings kann die Nische eines Influencers über Lifestyle, Mode und Beauty Content hinausgehen. Gaming, Wissenschaft und Experimente sind nur einige der Themen, mit denen sich Influencer intensiv befassen können, erklärte Dr. Crystal.

Es ist allerdings sehr viel einfacher für Männer, das Influencer-Label abzulegen, um einige der schädlichen Nebenwirkungen der Branche zu umgehen.

Wenn wir an die Beschimpfungen denken, die sich gegen Influencer richten, denken wir zuerst an Kritik des Körperbildes und Hass im Internet. Aber die bestehende Trivialisierung von Influencern kann bleibende Folgen für ihre psychische Gesundheit haben.

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„Frauen dürfen nicht erfolgreich sein, besonders nicht in meiner Branche“, erzählt @emshelx @julianknight15, nachdem sie über die „Schattenseiten“ des Influencer-Daseins und den Umgang mit Beschimpfungen im Internet gesprochen hat. Sie fordert die Regierung dazu auf, sich damit zu befassen, wie Influencer gezielt angegriffen werden.

Die Influencer-Kultur steht in engem Zusammenhang mit der Arbeit von Frauen. Es ist also wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, wie Sexismus und Frauenfeindlichkeit dazu beitragen können, dass die Arbeit von Influencern trivialisiert und als eine Form ‚niederer Kultur‘ (wenn überhaupt als Kultur) abgestempelt wird, wie Dr. Francesca Sobande @Chess_Ess uns erzählt.

"Es ist wichtig bei dieser Untersuchung, dass wir uns darüber im Klaren sind, wie Sexismus und Frauenfeindlichkeit dazu beitragen können, dass die Arbeit von Influencern trivialisiert und als eine Form 'niederer Kultur', wenn überhaupt als Kultur, abgestempelt wird“, sagte Dr. Francesa Sobande von der Cardiff University gegenüber dem Ausschuss.

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"Vorstellungen von Influencern und der Influencer-Kultur sind im Allgemeinen nicht nur vom Gender geprägt, sondern auch von miteinander verbundenen Formen der Unterdrückung, einschließlich, aber nicht beschränkt auf, Rassismus, Sexismus, Homophobie, Transphobie, Fremdenfeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit. Wer als Influencer arbeitet, sollte als solcher anerkannt und angemessen gewürdigt werden."

Wenige Tage vor der Anhörung des Ausschusses waren drei Fußballspieler der englischen Nationalmannschaft in den sozialen Medien schlimmsten rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt, nachdem England im Finale der Europameisterschaft gegen Italien verloren hatte.

"Wir wissen, dass Rassismus nicht durch die sozialen Medien ausgelöst wird, Rassismus gab es schon vorher", sagte Sobande.

"Es gibt Influencer, die von dieser Art von Rassismus im Internet betroffen sind, und dann gibt es leider auch Influencer, die dazu beitragen."

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Dr. Francesca Sobande @Chess_Ess fährt fort, indem sie hervorhebt, dass die Vorstellungen der Menschen über Influencer, einschließlich der Frage, ob sie für ihre "Arbeit" anerkannt und gewürdigt werden, durch miteinander verbundene Formen der Unterdrückung wie Rassismus, Sexismus, Homophobie und Behindertenfeindlichkeit geprägt sind.

@wishcry macht auf den Unterschied zwischen ‚Influencern‘, die Lifestyle-Content schaffen und ‚Content Creators‘, deren Material auf externe Produkte, wie Games oder DIY bezogen sind, deutlich und reflektiert über die extrem gegenderte Sprache in dieser Art von Kultur.

Es gibt zudem Aspekte, die der durchschnittliche Social-Media-User möglicherweise nicht bedenkt, wenn er an Influencer und insbesondere Influencer, die zur LGBTQ+ Community gehören, denkt.

Dr. Crystal sagte, es gebe Influencer, die unter dem Schleier der Anonymität handeln und aufgrund der Gesellschaft, in der sie leben, versuchten, die „Illusion der Heterosexualität“ mit falschen Partnern aufrechtzuerhalten.

Sie sagte, andere Influencer würden ihre Ehen mit Partnern außerhalb ihrer eigenen Rasse oder kulturellen Gruppe in den sozialen Medien geheim halten, wenn sie in bestimmten Teilen der Welt lebten.

Sorge wegen "Kinderarbeit" in den sozialen Medien

Ein Problem der Influencer-Branche, das Dr. Crystal besondere Sorge bereitet, hat mit Kindern zu tun.

Es gibt einen Unterschied zwischen Eltern, die die Leistungen ihrer Kinder mit ihrem engsten Freundeskreis in den sozialen Medien teilen, und Eltern, die ihr Kind zu bezahltem Content machen oder Kindern, die selbst Influencer sind.

„Bei Letzterem arbeiten diese Kinder und es wird nicht nur ihre Arbeit online geteilt“, sagte Dr. Crystal gegenüber Yahoo Nachrichten Australien.

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@Chess_Ess erklärt uns, dass neben der Gesetzgebung zur Bekämpfung von Belästigung im Internet auch umfassendere Fragen der Ungleichheit angegangen werden müssen: „Online ist immer mit Offline verbunden“ und Menschen sollten sich in keiner Umgebung dazu ermutigt fühlen, verbalen Missbrauch zu betreiben.

„Es gibt keine Obergrenze, was das Alter von Influencern angeht, aber es sollte eine Untergrenze geben. Wir sprechen immer noch nicht wirklich darüber, wie alt man sein sollte, um in dieser Branche zu arbeiten“, so Dr. Crystal Abidin @wishcrys über Kinder-Influencer

"Sie arbeiten, werden kommerziell vermarktet und ihre Bilder werden zu Geld gemacht."

"Sie sind unter Umständen unfairen Arbeitsbedingungen ausgesetzt, aber wir können es nicht regulieren, da der Arbeitsplatz das Zuhause ist."

Aus diesem Grund glaubt Dr. Abidin, dass die Menschen damit beginnen sollten, Influencer als arbeitende Personen anzusehen und nicht nur als Menschen, die das "zum Spaß tun".

"Wenn wir es als Arbeit ansehen, können wir auch über Kinder und Arbeit sprechen", sagte sie.

Influencerin sieht sich nach Aussage mit heftigen Gegenreaktionen konfrontiert

Dr. Abidin sagte, sie könne bereits eine bessere Regulierung innerhalb der Branche erkennen. Es gebe noch viele Probleme, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, außer nur Influencer als arbeitende Personen anzusehen.

Zum Beispiel die Anonymität im Internet: Für einige bietet sie die Möglichkeit, Hasskommentare ohne Folgen im Netz zu verbreiten, für andere hingegen ist es die einzige Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.

"Besonders im asiatisch-pazifischen Raum in einigen autoritären Regimen benötigt man dieses Maß an Schutz, denn oftmals ist das Internet der einzige Ort, wo sie ihre Bedürfnisse und Probleme ansprechen können", erklärte Dr. Abidin.

"Um also die Vielfalt marginalisierter Stimmen zu erhalten, ist ein gewisses Maß an Anonymität wichtig."

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Es ist dazu wichtig zu hinterfragen, ob der Algorithmus seinen Zweck erfüllt, oder ob bestimmter Content unterdrückt werde oder User "Shadow Banning" erfahren.

Die Anhörung ging sehr tief. Ein Schwerpunkt lag auf Kommerzialisierung der Influencer-Branche und den notwendigen Regelungen, aber Dr. Crystal sagt, es sei wichtig, sich ebenfalls mit dem individuellen Schaden zu beschäftigen, der Influencern zugefügt werde.

Sheldon sagt, sie habe im Internet diverse beleidigende Nachrichten erhalten, nachdem sie bei der Anhörung vor dem Ausschuss gesprochen hatte.

Am Morgen nach der Anhörung erhielt Em Sheldon eine Reihe beleidigender Nachrichten. (Bild: SOPA Images/Light Rocket über Getty Images)
Am Morgen nach der Anhörung erhielt Em Sheldon eine Reihe beleidigender Nachrichten. (Bild: SOPA Images/Light Rocket über Getty Images)

"Es sieht so aus, als ob Leute Artikel darüber lesen, wie schlimm die Beschimpfungen sind und dann denken 'Oh super, dann werde ich sie direkt mal beschimpfen!'. Es ist verrückt“, sagte sie gegenüber der Sunday Times.

"Ich wusste, dass ich mich hierfür angreifbar machen würde, aber mir war nicht klar, wie schlimm die Menschen wirklich sind."

Ash Cant

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