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Interne Dokumente der Deutschen Bahn zeigen: Der Stellenabbau bei DB Cargo fällt wohl noch größer aus als bisher bekannt

Business Insider berichtete exklusiv über den Abbau von 1800 Stellen bei DB Cargo, doch es werden noch mehr Stellen folgen. - Copyright: picture alliance / Caro | Heinrich
Business Insider berichtete exklusiv über den Abbau von 1800 Stellen bei DB Cargo, doch es werden noch mehr Stellen folgen. - Copyright: picture alliance / Caro | Heinrich

Bahnvorständin Sigrid Nikutta ist bei der Konzern-Tochter DB Cargo als Chefin angetreten, um die Firma wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Doch nach mehr als drei Jahren Amtszeit schreibt DB Cargo weiter rote Zahlen, im vergangenen Jahr gab es einen Verlust von 665 Millionen Euro.

Nikutta hat deswegen in diesem Jahr die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, ein sogenanntes „Weißbuch“ für die angeschlagene Bahntochter zu erstellen. Einen Plan also, wie die Firma profitabel wird. Roland Berger hat schließlich im August ein 82-seitiges Dokument abgeliefert – ein striktes Sparprogramm. Demnach schlagen die Berater einen Stellenabbau von 1800 Mitarbeitern vor. Nikutta plant nun auf Grundlage dieser Pläne.

Neue Recherchen von Business Insider zeigen jetzt: Das Sparprogramm von Roland Berger ist unvollständig. Es bezieht sich lediglich auf weniger als ein Drittel des Geschäfts der DB Cargo, und senkt viel weniger Kosten, als nach Anforderungen des Bahnvorstandes nötig wären, um die Bahn-Tochter profitabel zu machen.

Der Sparplan der Berger-Berater bezieht sich demnach lediglich auf den Teilbereich des „kombinierten Verkehrs“ und auf sogenannte „Overheadprozesse“ in der Firma. Laut Bahnvorstand sollen in diesem Bereich dauerhaft 200 Millionen Euro Kosten gesenkt werden. Selbst wenn das durch die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen der Berger-Berater gelänge, wäre das bei weitem nicht genug, um die Bahntochter profitabel zu machen.

DB Cargo muss nämlich dauerhaft 850 Millionen Euro Kosten senken, prognostizierte der Bahnvorstand im Frühling. Damit ist offen, in welchem Bereich und auf welche Weise die restlichen 650 Millionen Euro Kosten eingespart werden sollen. Das räumt der Bahnvorstand in einem internen Sprechzettel an seine Top-Manager ein.

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG.
Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG.

Ausgespart von der Berger-Betrachtung ist der Bereich des Einzelwagenverkehrs, in dem die Bahntochter 300 Millionen Euro sparen soll, und der Ganzzugverkehr, wo die Kosten um 350 Millionen Euro pro Jahr gesenkt werden müssen.

Stellenabbau bei DB Cargo könnte um ein Vielfaches höher ausfallen

Bahn-Insider befürchten, dass damit der Stellenabbau für die gesamte DB Cargo mit ihren aktuell 30.000 Mitarbeitern um ein Vielfaches höher ausfällt als die 1800 Stellen.

Der Sprechzettel bestätigt anscheinend entsprechende Befürchtungen. So heißt es wörtlich in dem Dokument: „Im aktuellen Weißbuch sind drei Bereiche nicht adressiert, der Bereich Bahnlogistiker sowie die europäischen und nationalen Tochtergesellschaften. Im Bereich Bahnlogistiker werden separat Maßnahmen entwickelt, die bei möglichen resultierenden Betriebsänderungen separat den Mitbestimmungsgremien vorgelegt werden.“

Der Begriff der „Bahnlogistiker“ meint hier das Personal vom Einzelwagen- und Ganzzugverkehr, sagen uns Bahn-Manager übereinstimmend.

Wie viele Stellen am Ende wirklich abgebaut werden, ist aber noch unklar. Angesichts der offenen 650 Millionen Euro, die pro Jahr eingespart werden müssen, fürchten Bahnmanager, dass es sich um deutlich mehr als die 1800 Stellen handeln wird.

IT Jobs Deutsche Bahn
IT Jobs Deutsche Bahn

Die Brisanz des Vorgangs scheint dem Bahnvorstand bewusst zu sein. Im Sprechzettel an das Top-Management ist nämlich eine Aufforderung an das Führungspersonal enthalten: „Wichtig für diese Runde: Bis zum Abschluss der Verhandlungen mit den Gremien können noch keine konkreten Inhalte an die Belegschaft kommuniziert werden.“

Bahn-Manager sprechen von einem Sprechverbot. Dieses gilt offenbar nicht nur gegenüber der Belegschaft, sondern auch gegenüber der Öffentlichkeit. Die Bahn wollte sich zu den Details des Sparprogramms auf Anfrage von Business Insider bisher nicht äußern und verwies auf laufende Gespräche mit den Kontrollgremien.