Iranerin durfte nicht ins Stadion - Protest kostete sie das Leben

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Die Iranerin Sahar Khodayari ist ihren schweren Verletzungen erlegen, nachdem sie sich vor dem Gerichtsgebäude in Teheran angezündet hat. Als “Blue Girl” wurde sie bekannt, weil sie versuchte, als Mann verkleidet in ein Fußball-Stadion zu gelangen.

Im Iran wird Frauen der Zutritt zu Fußball-Stadien verwehrt. (Bild: Getty Images)

Beim einem erneuten Versuch im März wurde Khodayari trotz Verkleidung erkannt und verhaftet. Im Iran ist Frauen der Zutritt in Fußball-Stadien untersagt. Ihr wurde zudem Widerstand gegen die Ordnungskräfte vorgeworfen.

Khodayari sollte zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt werden. Nach einem Gerichtstermin griff sie zu einer dramatischen Maßnahme und zündete sich vor dem Gebäude selbst an. Wie ihre Schwester mitteilte, litt sie unter einer bipolaren Störung, die sich durch das Verfahren merklich verschlimmerte. Die kommenden Tagen verbrachte Khodayari in einem Krankenhaus.

Dort verstarb die schwer verletzte 30-Jährige am Dienstag. Die Nachricht ihres Todes verbreitete sich schnell und löste einen großen Aufschrei in der Sportwelt aus. Khodayari hat dem Protest der iranischen Frauen ein Gesicht verliehen.

Debatte um Stadionverbot für Frauen nimmt Fahrt auf

So meldete sich der Verein Esteghlal, in dessen Stadion Khodavari gelangen wollte, per Twitter zu Wort: “Sie hat uns unterstützt, obwohl die Politik dies illegal gemacht hat. Was tun wir dafür, sie zu unterstützen? Absolut gar nichts. Wir sind Feiglinge.” Der Vereinsfarbe ist vorrangig blau, daher rührte der Spitzname des “Blue Girl”

Während einige iranische Medien nicht vom Tod Khodayaris berichteten, sammelt sich Widerstand gegen die Unterdrückung der Frauen. So forderte etwa Ali Karimi, in Deutschland als ehemaliger Spieler des FC Bayern bekannt, zum Stadionboykott auf.

“Die Selbstverbrennung einer Frau, die angeklagt wurde, weil sie ein Fußballspiel gucken wollte - das Resultat scheußlichen und widerwärtigen Denkens - wird für zukünftige Generationen völlig unverständlich sein”, schrieb Irans Kapitän Masoud Shojaei.

Ex-Nationalspieler Andranik Teymourian regte an, dass das Stadion Esteghlal eines Tages nach Khodayari benannt werden könnte. Die Politik ist derweil uneins: Konservative Gruppen sehen im Betrachten “halbnackter Männer” im Stadion weiterhin eine Sünde.

AS Rom setzt Statement nach Tod von Khodayari ab

Jene Debatte hat die Landesgrenzen derweil schon lange überschritten. In den sozialen Netzwerken sammeln sich unter dem Hashtag #BlueGirl zahlreiche Beiträge. Unter anderem gab der AS Rom ein Statement ab.

“Der AS Rom ist normalerweise Gelb und Rot, aber heute blutet unser Herz für Sahar Khodayari. Dieses wunderbare Spiel soll uns zusammenbringen, nicht teilen. [...] Es ist Zeit dafür, dass im Iran jeder gemeinsam Fußballspiele erleben darf”, wurde über den englischen Accounts mitgeteilt.

Diese Meinung vertritt auch die FIFA, die in ihren eigenen Statuten die Diskriminierung von Frauen “strikt verbietet”, bisher aber nie Initiative ergriff. Der Iran konnte den Weltverband stets mit einzelnen Ausnahmen zufrieden stellen - nächster Versuch: 10. Oktober, Iran gegen Kambodscha. Mit Frauen, aber ohne Khodayari im Stadion.

Wir haben uns in diesem Fall entschieden, über ein Suizid-Thema zu berichten. Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und sogar geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie etwa bei der Telefonseelsorge unter der Rufnummer 0800 – 1110111 und 0800 – 1110222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym und kostenlos.