Ist dein Hund ein Genie? So kannst du es herausfinden

·Lesedauer: 7 Min.
„Ich teste nur die chemische Zusammensetzung dieses Tennisballs und werde dann Bericht erstatten.“ (Getty Images)
„Ich teste nur die chemische Zusammensetzung dieses Tennisballs und werde dann Bericht erstatten.“ (Getty Images)

Die meisten Hundebesitzer sind überzeugt, dass ihr Tier ein unentdecktes Genie ist. Egal ob ein Yorkshire Terrier, der den Kühlschrank öffnen kann, ein Cockerspaniel, der die Melodie einer Oper mit heult oder ein Spitz, der Pirouetten dreht – wir mögen die Vorstellung, dass unser Begleiter das tierische Pendant zu Professor Stephen Hawking ist.

Doch obwohl alle Hunde gute Hunde sind, sind nicht alle gleich schlau.

Es wird allgemein angenommen, dass Collies die Rasse mit der größten Lernfähigkeit sind – ihre Entwicklung als arbeitende Hütehunde hat dazu geführt, dass sie schnell denken und sich schnell anpassen, insbesondere wenn es um Belohnungen geht. Außerdem sind sie loyal und wollen Menschen glücklich machen.

Eine neue Studie legt nun nahe, dass einige Collies nicht nur schlau, sondern Hunde-Genies sind. Angeblich haben sie die erstaunliche Fähigkeit, bestimmte menschliche Wörter zu lernen und diese mindestens zwei Monate lang zu behalten.

„Kann das warten? Ich muss noch einen Essay schreiben.“ (Getty Images)
„Kann das warten? Ich muss noch einen Essay schreiben.“ (Getty Images)

Wissenschaftler untersuchten die Fähigkeit von sechs Collies, die im Rahmen der Genius Dog Challenge ermittelt wurden, die Namen von Spielzeugen zu lernen. Sie fanden heraus, dass die meisten von ihnen in einer Woche zwölf neue Spielzeugnamen lernten und sich diese zwei Monate lang merken konnten.

Die Forscher vermuten, dass diese Hunde ein eindrucksvolles Modell für die Untersuchung „mentaler Mechanismen im Zusammenhang mit dem Worterwerb bei Nicht-Menschen“ sind.

Shany Dror, die leitende Forscherin des Family Dog Project an der Eotvos Lorand University in Ungarn, sagte: „Wir wissen, dass Hunde leicht Wörter lernen können, die mit Handlungen verbunden sind, wie ‚Sitz‘ oder ‚Platz‘, aber nur sehr wenige Hunde können Namen von Objekten lernen.“

„Mehr als zwei Jahre lang haben wir auf der ganzen Welt nach Hunden gesucht, die die Namen ihrer Spielzeuge gelernt haben, und wir haben sechs gefunden.“

Die Hunde, – Max aus Ungarn, Gaia aus Brasilien, Nalani aus den Niederlanden, Squall aus den USA, Whisky aus Norwegen und Rico aus Spanien – qualifizierten sich alle für die Teilnahme an der Challenge.

Dafür mussten die Hunde beweisen, dass sie die Namen von über 28 Spielzeugen kennen, einige konnten sich sogar mehr als 100 merken.

Claudia Fugazza, Leiterin des Forschungsteams, sagte: „Diese begabten Hunde können mit einer bemerkenswerten Geschwindigkeit neue Namen von Spielzeugen lernen. In unserer früheren Studie haben wir festgestellt, dass sie bereits nach viermaligem Hören einen neuen Spielzeugnamen lernen können. Aber bei einer so kurzen Zeitspanne konnten sie sich den Namen nicht langfristig merken.“

In der neuen Studie forderten die Forscher die Hundebesitzer auf, ihren Lieblingen zunächst die Namen von sechs Spielzeugen beizubringen, und dann in nur einer Woche zwölf neue Spielzeuge.

Die Forscher waren erstaunt, dass die Hunde problemlos die Namen von elf bis zwölf Spielzeugen lernen konnten.

Ein und zwei Monate, nachdem sie die Namen der neuen Spielzeuge gelernt hatten, wurden die Hunde getestet und konnten sich immer noch an die Namen erinnern.

Die Daten wurden während des Covid-19-Lockdowns gesammelt und die Besitzer wurden gebeten, zwei Videokameras zu Hause aufzustellen und live zu streamen, damit das Verhalten der Hunde und ihrer Besitzer vollständig überwacht werden konnte.

Die Forscher haben eine Webseite eingerichtet, auf der die Besitzer ihre Hunde registrieren können, wenn diese sich eine außergewöhnliche Anzahl von Wörtern und Namen merken können.

„Dank der Genius Dog Challenge ist es uns gelungen, Hunde anderer Rassen zu finden, darunter einen Deutschen Schäferhund, einen Pekinesen, einen Mini-Australischen Schäferhund und einige Hunde gemischter Rassen“, so Dror.

„Hunde sind gute Modelle, um menschliches Verhalten zu studieren, da sie sich in der menschlichen Umgebung entwickelt haben“, sagte einer der Co-Autoren der Studie, Prof. Ádám Miklósi von der Eötvös Loránd University.

„Mit diesen talentierten Hunden haben wir die einmalige Gelegenheit zu untersuchen, wie eine andere Spezies die menschliche Sprache versteht und wie das Lernen von Wörtern die Art und Weise beeinflusst, wie wir über die Welt denken.“

„Kannst du das bitte wiederholen? Mandarin ist ganz schön schwierig.“ (Getty Images)
„Kannst du das bitte wiederholen? Mandarin ist ganz schön schwierig.“ (Getty Images)

Während sich der geniale Hund auf seinem Spezialkissen ausruht und im Geiste alle Wörter durchgeht, die er kennt, haben da unsere normalen Vierbeiner überhaupt eine Chance? Und ist es möglich, einem eher ... normalen Hund beizubringen, sich Wörter zu merken?

„Laut dem Verhaltensforscher Stanley Coren kann der durchschnittliche Hund 165 Wörter verstehen“, sagt die Hundetrainerin Niki French von puptalk.co.uk. „Aber die Bedeutung zu verstehen und eine Handlung auszuführen, ist etwas ganz anderes.“

„Einige Hunderassen wie Collies und Pudel sind dafür bekannt, dass sie besonders ‚schlau‘ sind, aber alle Hunde können in jedem Alter lernen – man kann einem alten Hund durchaus neue Tricks und Wörter beibringen.“

„Sie lernen viel durch Zuhören und Beobachten. Das heißt aber nicht, dass sie ein Wort oder einen Namen unbedingt mit einer bestimmten Handlung verknüpfen.“

Niki fügt hinzu: „Ich weiß, dass mein Hund die einzelnen Wörter ‚Käse‘, ‚Hotdog‘, ‚Huhn‘ und ‚Wurst‘ kennt. Aber sie führen alle zu einer ähnlichen Aktion oder Reaktion – melde dich bei mir und du wirst gut belohnt!“

Unseren Hunden menschliche Wörter beizubringen, kann jedoch nützlich sein, sagt sie.

„Wir verknüpfen lediglich ein Geräusch mit der gewünschten Reaktion – Sitz, Bleib, Geh und Such deinen Ball. Damit kann man sie geistig beschäftigen, und das ist eine tolle Sache.“

„Das ist ziemlich langweilig, Susan, können wir jetzt Mathe machen?“ (Getty Images)
„Das ist ziemlich langweilig, Susan, können wir jetzt Mathe machen?“ (Getty Images)

Wenn du die geistigen Fähigkeiten deines Hundes fördern möchtest, schlägt sie vor, mit einfachen Dingen anzufangen.

„Es ist recht einfach, ihnen die Namen ihrer Spielzeuge beizubringen, eins nach dem anderen. Und dann schicken Sie sie los, um es mit dem Namen zu finden.“

„Es ist auch ganz einfach, ein Wort oder einen kurzen Satz zu sagen, wenn etwas passiert. Ich sage ‚Halsband an‘. Das habe ich inzwischen so oft gesagt, dass er weiß, dass es bedeutet: ‚Bleib stehen, und ich ziehe dir das Halsband an‘.“

„Wenn wir unseren Hunden regelmäßig neue Dinge beibringen, kann das sehr nützlich sein. Es ist viel einfacher, sie geistig auszulasten als körperlich“, fügt sie hinzu.

„Menschen, deren Hunde Verhaltensprobleme haben, versuchen vielleicht, sie mit mehr Bewegung auszulasten. Aber das führt nur dazu, dass der Hund fitter wird. Für mich ist das Training mit Denkspielen der absolute Renner für einen ruhigen und glücklichen Hund.“

Zoe Wilmington, Hunde-Verhaltensforscherin und -trainerin, sagt: „Meiner Erfahrung nach bringt der durchschnittliche Tierhalter seinem Hund die Namen von etwa sechs Spielzeugen bei, aber wir wissen, dass wir noch viel mehr trainieren können, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen.“

„Rassen, bei denen diese Art von Training besonders gut funktioniert, sind Collies und Arbeitsrassen wie Spaniels, Retriever und Jagdhunde, aber jeder Hund kann die Namen von Spielzeugen lernen, wenn er die nötige Zeit und das richtige Training hat.“

„Mein eigener Mops-Welpe namens Noodle kann etwa zwölf Spielzeuge erkennen und auf Zuruf auswählen, also lassen Sie sich niemals von der Rasse abhalten, das Training zu absolvieren!“

„Wir wissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen und aus der Erfahrung mit der Ausbildung von Hunderten von Welpen und Hunden, dass die Neuronen im Gehirn umso mehr angeregt werden, je abwechslungsreicher das Training und die Umgebungsanreicherung für Welpen sind, was wiederum dazu führt, dass die Welpen empfänglicher für das Erlernen neuer Fähigkeiten und das Lösen von Problemen sind.“

Tierärztin Joanna Woodnutt fügt hinzu: „Zwar sind alle Hunde auf ihre eigene Weise intelligent, aber manche Hunde haben eine Intelligenz, die für uns Menschen leichter zu erkennen ist.“

„Bestimmte Rassen gelten als intelligenter als andere, wobei Border Collies in der Regel die meisten Intelligenzlisten anführen. Das liegt zum Teil an der Art und Weise, wie sie gezüchtet wurden – diese Hunde müssen in der Lage sein, viele Befehle zu erlernen, aber da sie oft auf Distanz zu ihren Besitzern arbeiten, müssen sie auch intelligent genug sein, um gelegentlich ihre eigenen Entscheidungen zu treffen“, erklärt sie.

„Ja, den Witz mit dem Labrador habe ich schon mal gehört, danke.“ (Getty Images)
„Ja, den Witz mit dem Labrador habe ich schon mal gehört, danke.“ (Getty Images)

„Intelligenztests für Hunde werden immer häufiger durchgeführt und sie können eine unterhaltsame Art der Interaktion mit Ihrem Hund sein. Aber vieles von dem, was wir Menschen als ‚Intelligenz‘ ansehen, ist eigentlich erlerntes Verhalten“, sagt sie.

„Mit anderen Worten: Wenn Ihr Hund durchfällt, bedeutet das nicht, dass er nicht intelligent ist, sondern nur, dass er nicht die richtigen Fähigkeiten erlernt hat.“

„Vergleichen Sie Ihren Hund nicht mit anderen – alle Hunde sind einzigartig!“

Seht ihr, liebe Hundebesitzer. Little Muffin ist doch ein Genie.

Flic Everett

VIDEO: Spion in der Mauer: Neugieriger Hund zwängt Kopf durch Rohr

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.