Ist es in Ordnung, im Büro Leggins statt einer Hose anzuziehen?

Leggings können in einigen Arbeitsumfeldern passend sein, in anderen nicht. (Bild: Getty Images)

Wenn es um Arbeitskleidung geht, gibt es in vielen Branchen einige universell gültige Standards. Bei der Angemessenheit von Leggings und der Absatzhöhe im Büro gehen die Meinungen allerdings oft auseinander.

In der neuesten „Ask a Manager“-Kolumne im The Business Journal von Autorin Allison Green mit dem Titel „Managing: My intern is wearing leggings as pants“ (Managing: Meine Praktikantin trägt statt Hosen Leggins) fragt eine Leserin, wie sie das unangebrachte Arbeitsoutfit ihrer Praktikantin ansprechen soll.

Die Leserin schrieb, dass sie die Praktikantin zu Beginn des Praktikums darauf hingewiesen hatte, den Dress Code – „business casual“ (legere Bürokleidung) – zu befolgen, doch mittlerweile trage die Praktikantin oft „hautenge Leggins und Oberteile, die Po und Hüften nicht bedecken“. Die Leserin fragt sich, ob sie die Praktikantin darauf ansprechen solle, obwohl das Ende des Praktikums kurz bevor stehe.

Green teilte ihrer Leserin mit, sie solle das Kleiderthema ansprechen – aber auf taktvolle Weise. „Ihr das ganz am Ende ihres Praktikums zu sagen, ist, als würde man jemandem am Ende einer großen Präsentation sagen, dass er Essensreste zwischen den Zähne hat, anstatt es ihm vorher zu sagen. Es wird ihr wahrscheinlich peinlich sein, dass sie die ganze Zeit etwas Falsches an hatte und niemand sie darauf angesprochen hat“, schrieb Green.

Sie riet der Frau, ihre Praktikantin darauf anzusprechen, um ihr für künftige Arbeitsplätze zu helfen. „Leggins, die nicht mit Oberteilen kombiniert werden, die den Po bedecken, sind in den meisten Büros nicht angemessen und Sie tun ihr einen Gefallen, ihr das zu sagen, bevor sie ihren nächsten Job antritt“, sagte Green der Leserin.

Tatsächlich stecken Arbeitgeber ziemlich häufig in diesem Dilemma. Vage Dress Codes können bei den Mitarbeitern zu Verwirrung darüber führen, welche Kleidung angemessen ist – besonders in Unternehmen mit lockerer Unternehmenskultur. Die Grenze zwischen dem, was angemessen ist und was nicht, kann von Mitarbeitern oft sehr ausgereizt werden.

Die Dress Codes am Arbeitsplatz sind unterschiedlich. (Bild: Getty Images)

„Nicht viele Unternehmen nehmen sich die Zeit zu erklären, was sie sich unter ‚casual’ vorstellen“, erzählt Sylvie di Giusto, Gründerin von Executive Image Consulting gegenüber Yahoo Style. „Es gibt eine große Bandbreite von Kleidung, die unter ‚business casual’ fällt – je nach Branche, Position, Kultur, Geschlecht, Alter – und es ist sehr schwierig für Arbeitnehmer, die Erwartungen ihres Unternehmens zu erfüllen, wenn sie nicht im Detail erklärt werden.“

Die Bezeichnung business casual (legere Bürokleidung) scheint Arbeitgeber zu entzweien: „Das ist das Schwammigste für unsere Kunden und auch für andere Menschen“, verriet Dorie Smith von Of/Mercer, einer Firma für Arbeitskleidung, gegenüber Business Insider. „Ein Teil des Problems liegt darin, dass es so viele Trends gibt, die als casual/leger gelten. Wir haben sogar E-Mails von den Personalabteilungen einiger Unternehmen erhalten, in denen steht: ‚Helft unseren Analystinnen zu verstehen, dass es nicht OK ist, im Büro Leggins zu tragen.’ Die Leute übertreiben es mit dem Legeren.“

Die Frage, ob es OK ist, bei der Arbeit Leggins zu tragen, hängt es von Ihrem Arbeitsumfeld ab. „Leggins können als casual wear durchgehen, wenn die Praktikanten in einer sehr lockeren Branche oder in einer Firma mit sehr entspannter Unternehmenskultur arbeiten, während sie es in einem sehr traditionellen Umfeld nicht sind“, sagte Smith.

Di Giusto ist der Meinung, dass man vier wichtige Faktoren berücksichtigen sollte, wenn man die Angemessenheit seiner Arbeitskleidung beurteilen möchte: Das Arbeitsumfeld; die Frage, wie man sich anderen präsentieren will; die Tatsache, dass die Kleidung nicht mehr Aufmerksamkeit erregen sollte als das eigene Können; und man sollte sich gemäß der Position anziehen, die man eines Tages erreichen möchte. Di Giusto hat außerdem das Gefühl, dass im speziellen Fall der Praktikantin im Sinne ihres künftigen Erfolges das Beste wäre, sie auf die Arbeitskleidung anzusprechen.

„Auf lange Sicht wird die Praktikantin dankbar für den Rat sein“, schrieb Di Giusto. „Das mag nicht sofort der Fall sein. Wenn die Führungskraft allerdings mit dem aufrichtigen Wunsch zu helfen in das Gespräch geht, mit Respekt, Empathie und Ehrlichkeit und daran denkt, dass die Praktikantin sich des Problems womöglich nicht bewusst ist, dann ist es möglich, dass die Führungskraft soeben den beruflichen Weg und das Leben der Praktikantin zum Besseren verändert hat. Eines Tages wird die Praktikantin zurückblicken und wirklich dankbar für den Rat sein.“

Di Giusto gibt auch den Rat, vor dem Gespräch über die Arbeitskleidung mit einem Profi aus der Personalabteilung Rücksprache zu halten, um Aussagen zu vermeiden, die als beleidigend oder unangebracht ausgelegt werden könnten.

Hayley FitzPatrick
Yahoo Style