Jahresrückblick 2019: 10 Alltagshelden, deren Einsatz uns bewegt hat

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Blutige Ausschreitungen in Chile und Hongkong, verheerende Brände in Brasilien, Kalifornien und Australien und ein zunehmender gewaltsamer Rassismus und Antisemitismus: Das Jahr 2019 war von schlimmen Nachrichten geprägt. Zum Glück gibt es aber auch Menschen, die sich für andere einsetzen, die Zivilcourage und Mitgefühl zeigen und die Welt dadurch besser und schöner machen. In unserem Jahresrückblick wollen wir uns an diese Alltagshelden erinnern und hoffen, dass sich viele andere von ihnen inspirieren lassen.

Der Opa, der als Abschlussball-Date einsprang

Der Schulabschluss ist einer der ersten großen Meilensteine im Leben eines jungen Menschen. An die Feierlichkeiten, wie die Zeugnisvergabe und den Abschlussball, erinnern sich viele Menschen ein Leben lang. Die 17-jährige Kaylah Bell aus Los Angeles wollte deshalb sichergehen, dass der Abend perfekt wird – und ging in Begleitung ihres Opas zum Ball. "Mein Opa war der Einzige, von dem ich wusste, dass er mich nicht hängenlassen und dazu noch fantastisch aussehen würde“, sagt Bell gegenüber Yahoo Lifestyle.

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Die Gemeinde, die ihr Dorf vor dem Aussterben rettete

Weil immer mehr Menschen aus dem niedersächsischen Oberndorf wegzogen, ließen sich die verbleibenden Bewohner etwas einfallen: Mit ehrenamtlichem Engagement eröffneten sie eine neue Dorfkneipe, hauchten der geschlossenen Schule neues Leben ein – finanziert durch Spenden und Schulgebühren – und richteten einen Mitfahrservice ein, um den Mangel einer ÖPNV-Anbindung auszugleichen. Mit Erfolg: Die Einwohnerzahl wächst, kürzlich sind drei junge Familien zugezogen. 

Sportler, die sich ausziehen, um mit Gender-Stereotypen aufzuräumen

Angefangen hat alles mit einem Nacktkalender. Vor gut zehn Jahren zogen Ruderer der Universität Warwick in England erstmals blank, um ein Zeichen gegen Homophobie im Sport zu setzen. Manche der Athleten sind heterosexuell, andere nicht – in der Kabine sollte das jedoch ebenso wenig eine Rolle spielen wie auf dem Wasser. Daraus stand die Organisation Sport Allies, die seit ihrer Gründung rund 250.000 Pfund für wohltätige Zwecke gesammelt hat. Vor kurzem haben die Ruderer ihre Charity auch für andere Sportarten geöffnet – und wollen in Zukunft auch vermehrt gegen das toxische Bild des alles dominierenden athletischen Männerkörpers angehen. "Wir stehen für eine Gleichstellung der Geschlechter, für die Rechte von anderssexuellen Menschen und wir setzen uns für eine bessere psychische Gesundheit aller Männer ein“, heißt es auf der Webseite von "Worldwide Roar“, wie die Initiative inzwischen heißt.

Hilfskräfte, die ein Kätzchen aus dem Gulli retteten

Dass das Silicon Valley keine seelenlose Hochburg der Technologie ist, beweist eine Rettungsaktion, die sich in der kleinen Ortschaft Cupertinos ereignete: beim Spazieren vernahm eine Frau ein leises Miauen aus einem Abflussschacht. Sie wählte den Notruf und siehe da: Polizei und Feuerwehr rückten an, um das kleine Fellknäuel zu befreien. Das sechswöchige Kätzlein konnte gesund geborgen werden und wurde anschließend zur Vermittlung in ein Tierheim gebracht.

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Der Mann, der einen Elfjährigen von den Gleisen rettete

Als ehemaliger Soldat ist Matthew Mellis darauf trainiert, sein Leben für andere zu riskieren. Und auch wenn der 31-jährige Brite nicht mehr in der Armee dient, sondern inzwischen mit seiner Frau im bayrischen Sauerlach wohnt, folgt er dieser Berufung noch immer. So auch diesen Sommer: als das junge Paar am S-Bahnhof auf den Zug wartete, sah Mellis plötzlich einen Jungen im Gleisbett liegen. Er Ex-Soldat zögerte nicht lange und sprang hinab, um das Kind herauszuziehen. Er hob den Jungen auf den Bahnsteig, erst dann kletterte er selbst wieder hinaus. Wenig später sei ein Zug mit Höchstgeschwindigkeit durch den Bahnhof gerast, heißt es in lokalen Medienberichten. Retter und Gerettetem ist nichts passiert. Offenbar hatte sich der 11-Jährige in seinem Turnbeutel verhak, war gestolpert und auf die Gleise gestürzt.

Der Vater, der den Mitschülern seiner Tochter Essen kauft

In der Kleinstadt Cudahy im US-Bundesstaat Wisconsin gibt es einen großen Missstand: Weil sie Schulden auf ihrer Mensakarte haben, können einige Schüler nicht das essen, was sie wollen. Als Shawn Baumgardner, dessen Tochter die Cudahy Middle School ebenfalls besucht, davon Wind bekam, nahm er die Sache selbst in die Hand: Baumgardner beglich sämtliche Schulden bei der Mensa und stellte somit sicher, dass die Kinder wieder eine warme Mahlzeit bekamen.

Die Elfjährige, die alles tut, um ihrem toten Bruder zu gedenken

Der kleine Hamish wurde nur acht Jahre alt. Schon als er ganz klein war, wurde bei ihm Krebs festgestellt; sein ganzes Leben lang kämpfte der Junge gegen die schlimme Krankheit. Um sich bei der Gemeinde für ihre Unterstützung und ihr Mitgefühl über die Jahre zu bedanken, gründete seine Familie die Organisation #TeamHamish. Sie wollen in Hamishs Namen einen großen Park am Strand errichten für Menschen aller Altersgruppen und Befindlichkeiten. Besonders Hamishs Schwester Lily ist sehr aktiv, wenn es um Spendenaufrufe geht: 110.000 Pfund hat #TeamHamish dank ihr bereits gesammelt; im Januar soll der Bau eines Wasserspielplatzes beginnen. Für ihren Einsatz wurde Lily mit einer ganz besonderen Ehre belohnt: Prinz Harry und Meghan Markle luden die 11-Jährige zu ihrer Hochzeit ein.

Die Dame, die der Einsamkeit im Alter den Kampf ansagt

Dass sich niemand kümmert, niemand sich mit einem unterhält und womöglich auch niemand merkt, wenn wir nicht mehr da sind – für viele Menschen ist das wohl eine der schlimmsten Ängste vor dem Altern. Das muss nicht sein, findet Elke Schilling und hat deshalb die Einsamkeits-Hotline "Silbernetz“ gegründet. "Was wir geben, ist Zeit, ist Zuhören, ist Teilhabe, ist Wertschätzung“, beschreibt die 74-Jährige ihre Arbeit. Zudem agieren die Telefonisten auch als Vermittler: für professionelle Hilfe von Pflegern oder Therapeuten, aber auch Unternehmungen in der Umgebung. Wer möchte, kann sich auch einen festen "Silbernetz"- Freund zuteilen lassen, der sich einmal die Woche zu einem vereinbarten Zeitpunkt meldet. Anrufen kann man die kostenfreie Nummer 0800-47 08 090 zurzeit allerdings nur aus dem Berliner Festnetz.

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Diese Schwestern, die ihrem Schulbezirk aus den Schulden helfen wollen

Weil ihre Schulkantinen hoch verschuldet sind, beschließen die 13-jährige Hailey und ihre 11-jährige Schwester Hannah aus dem US-Bundesstaat North Carolina zu handeln: Um die 40.000 Dollar Schulden ihres Bezirks zu begleichen, eröffnen die Mädchen einen Limonade-Stand. Nach einer Woche konnten die beiden der Behörde schon einen Scheck von 460 Euro präsentieren. Innerhalb eines Monats hatten die beiden genug Geld zusammen, um die Schulen, die sie besuchen, aus den Schulden zu holen.

Der Polizist, der mit Kindern spielt, um ihnen die Angst zu nehmen

“Der Batman von South Hill“, so beschreiben Anwohner einer kleinen Ortschaft im US-Bundesstaat Virginia den Polizisten Brandon Fleming. Im Februar war der Beamte wegen eines Gaslecks zum Großeinsatz in die Wohnsiedlung angerückt. Der 42-Jährige wollte sich vergewissern, dass alle Anwohner wohlauf sind und kam mit einer Frau ins Gespräch. "Ich erzählte ihm, dass meine Tochter und meine Nichte und einige der anderen Kinder hier Angst vor Polizisten haben“, berichtet Lesha Roper-Boswell aus South Hill gegenüber dem Regional-Sender WTVR. Das Leck stellte sich glücklicherweise als ungefährlich heraus, doch Flemings Einsatz war damit nicht beendet: Als er Kinder auf der Straße entdeckte, ging er zu ihnen, malte mit den Jungs Kreide und spielte später mit den Mädchen Puppen.