Warum der Jeanskauf für dicke Frauen ein Albtraum ist

Eliza Huber
·Lesedauer: 5 Min.

Plus-Size-Jeans zu finden, die nicht nur gut sitzen, sondern auch noch bequem sind und länger halten als ein paar Monate, ist ungefähr so schwierig wie die Suche nach Stiefeln, die über fülligere Waden passen – sprich: beinahe unmöglich. In allen Ecken des Plus-Size-Markts haben viele Brands noch überhaupt keine Ahnung davon, wie eine schöne Jeans für Frauen mit Kleidergröße 44 und aufwärts aussehen sollte. „Ich bin schon immer dick gewesen, und der Jeanskauf war für mich deswegen auch schon immer ein Albtraum“, erzählt Meghan Germek, eine Sozialarbeiterin aus den USA.

Vor allem auf Twitter häufen sich Kommentare dazu schon seit Jahren. Von „Können wir bitte damit anfangen, Plus-Size-Jeans an den Oberschenkeln zu verstärken?“ bis hin zu „Warum sind alle Plus-Size-Jeans, egal von welcher Brand, an der Taille immer so superweit geschnitten?“ – die Liste an Beschwerden ist lang, und in einigen Punkten sind sich alle einig: Der Plus-Size-Denim-Markt bietet keine einheitlichen Größen, eine beschränkte Auswahl und zu hohe Preise für die häufig minderwertige Qualität.

Ich würde mir wünschen, dass Plus-Size-Skinny-Jeans genauso skinny wären wie die für ‚normale‘ Größen.

Meghan Germek

Doch trotz der offensichtlichen (und lauten) Nachfrage nach besseren und mehr Optionen sind viele Frauen immer noch dazu gezwungen, sich Jeans zu kaufen, die entweder von vornherein nicht passen oder schon nach ein paar Wochen reißen. Aber warum? Germek vermutet, dass die meisten Brands beim Designen von Plus-Size-Produkten die große Vielfalt der dazugehörigen Körper überhaupt nicht berücksichtigt – und das gilt übrigens nicht nur für Jeans. „Ich trage den Großteil meines Gewichts an meinen Hüften, im unteren Bauch und meinen Oberschenkeln“, erklärt sie, „aber meine Waden, Füße und Fußgelenke sind nicht sonderlich dick.“ Deswegen sind die meisten Skinny Jeans, die sie anprobiert, untenrum häufig zu weit – und machen es ihr damit unmöglich, echte Skinny Jeans zu tragen. „Ich bin mir sicher, dass die Designer:innen das so machen, um Frauen mit kräftigeren Waden und Gelenken zu berücksichtigen, und das verstehe ich auch. Ich würde mir aber trotzdem wünschen, dass Plus-Size-Skinny-Jeans genauso skinny wären wie die für ‚normale‘ Größen.“

@remibader

Reply to @i.just.came.for.the.cake so yeah don’t by these madewell curvy high rise skinny jeans 😩

♬ original sound – Remi Jo

Da stimmt ihr auch die TikTokerin Remi Bader zu. „Denim Brands mit einem Curvy-Angebot sollten dabei an ALLE Körperformen denken, ansonsten passen die Größen nie genug Leuten.“ Sie erzählt, dass sie genau das gegenteilige Problem hat wie Germek: „Mir fällt bei ‚Plus Size‘- oder ‚Curvy‘-Jeans immer auf, dass sie auf Bauchhöhe besonders weit sind, weil die Brands davon ausgehen, dickere Menschen müssten automatisch einen größeren Bauch haben“, meint sie. „Ich zum Beispiel habe einen dicken Po und kräftige Oberschenkel, aber keinen so dicken Bauch. Deswegen passen mir viele Plus-Size-Jeans überhaupt nicht.“ Dagegen hilft vor allem eins: deine Maße genau zu kennen, rät Bader, damit du sie online mit den Maßen der Hosen vergleichen kannst, anstatt dich nur auf die Kleidergrößen zu verlassen. „Vor allem deine Taillen- und unteren Hüftmaße solltest du dazu kennen“, meint sie.

Bader und Germek sind sich auch darin einig, dass Plus-Size-Jeans eindeutig mehr Style-Optionen brauchen. „Es ist unglaublich schwer für mich, in einem Laden ein Paar Jeans zu finden, das nicht entweder ganz gerade geschnitten oder halbwegs skinny, und weder mittel- noch dunkelblau ist“, sagt Germek. „Wenn ich mir jetzt aber eine helle Jeans im Destroyed-Look wünschen würde, wäre die fast unmöglich zu finden.“

Das geht auch der Freelance-Redakteurin Jess Sims so – noch dazu ist sie schon froh darüber, überhaupt Plus-Size-Klamotten im Laden zu finden. „Viele Marken, die behaupten, größenmäßig total inklusiv zu sein, scheinen sich zu weigern, diese großen Größen dann auch im Laden, nicht bloß online zu verkaufen. So kann ich nie was anprobieren.“ Und das Anprobieren ist häufig entscheidend, meint auch Bader: Als Plus-Size-Frau spielen dabei so viele Variablen eine Rolle, die online einfach nicht ersichtlich sind – wie zum Beispiel die Länge, die Dehnbarkeit des Stoffes und die Verschlussmethode, die sich auf den Tragekomfort beim Sitzen auswirken kann. „Alleine die Option zu haben, die Jeans im Laden anziehen zu können, würde alles schon zehnmal besser machen“, findet Sims.

Ich wünsche mir einfach mehr Jeans, die nicht nur bequem sind, sondern in denen ich mich auch selbstbewusst fühle.

Remi Bader

„Viele Brands auf dem Plus-Size-Markt sind faul und täuschen ihre Kund:innen“, meint auch Brooke Cundiff, Mitbegründerin der Plus-Size-Marke CoEdition, die Mode von Größe 44 aufwärts führt. „Die designen dann eine Plus-Size-Jeans, indem sie eine Größe 36 einfach weiter schneiden.“ Und dieses Problem gibt’s nicht nur im Denim-Bereich. Viele Brands mit einem Plus-Size-Sortiment verwenden dieses System, bei dem sie „normal“ große Kleidungsstücke einfach proportional vergrößern. Laut Lauren Chan, Gründerin der Plus-Size-Brand Henning, sorgt das Überspringen des Plus-Size-Neudesigns für Klamotten, die niemandem passen. Damit diese Marken Plus-Size-Jeans anbieten können, die sowohl bequem als auch schmeichelhaft geschnitten sind, müssen sie sie für „enorm verschiedene Figuren“ designen.

Jeder Körper ist anders – deswegen ist die Suche nach der richtigen Jeans natürlich prinzipiell für jede Kleidungsgröße schwierig, für dickere Menschen aber umso mehr. „Ich wünsche mir einfach mehr Jeans, die nicht nur bequem sind, sondern in denen ich mich auch selbstbewusst fühle“, meint Bader. Und das ist wohl kaum zu viel verlangt.

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