Können Persönlichkeitstests sagen, wie du wirklich bist?

Sadhbh O'Sullivan

Auch wenn mein Horoskop was anderes sagt, kann ich gar kein Wassermann sein. Egal, wie sehr ich auch versuche, mich mit meinem kosmisch zugeordneten Sternzeichen zu identifizieren, ich finde einfach nicht, dass seine typischen Eigenschaften zu mir passen. Sei es im Monatshoroskop, in Meme-Form oder auf speziellen Internetseiten über Sternzeichen – der Wassermann (20. Januar bis 18. Februar) gilt immer als der originelle, unabhängige und emotional distanzierte Typ Mensch. Ich aber weine sogar bei einem Foto von süßen Hundewelpen und als gefühlskalt würde ich mich auch nicht bezeichnen. Im Gegenteil, ich neige eher dazu, selbst fremden Leuten meine gesamte Lebensgeschichte zu erzählen. Meine Sensibilität und Offenheit machen mich aus und genau deshalb kann ich mein Sternzeichen einfach nicht ernst nehmen. 

Obwohl ich Horoskope schon abgeschrieben habe, bin ich trotzdem neidisch auf diejenigen, die mit ihrem Sternzeichen vollkommen glücklich sind. Sie haben nämlich immer etwas parat, womit sie sich und ihre Identität anderen gegenüber erklären können. Da ich unter Angstzuständen leide, glaube ich, mir würde es sehr helfen, meine Sorgen und Ängste einfach in einer Box mit der Aufschrift „klassischer Wassermann“ verpacken zu können.

Deshalb beschloss ich, mir ein nicht-kosmisches Label zu suchen. Und so stieß ich auf Persönlichkeitstests. Seit Jahrhunderten ordnen sich Menschen in psychologische Typen ein. Das systematische Testen der Persönlichkeit ist aber ein Phänomen des 20. Jahrhunderts und hat sich heute zu einer der beliebtesten Formen der Selbstfindung entwickelt. Kostenlose Online-Persönlichkeitstests sind das Rückgrat der Internet-Kultur. Mittlerweile gibt es unzählige Tests, die für alle möglichen Bereiche deines Lebens greifen – egal, ob es nun ein Freundschaftsquiz, der sprechenden Hut von Pottermore oder sogar wissenschaftlich gestützte Tests sind. Sich selbst in eine Schublade zu stecken, ist so einfach wie nie. Immerhin entsprechen diese Tests unserem innersten Wunsch, uns besonders und normal zugleich zu fühlen.

Vier Tage später habe ich den Test wiederholt und siehe da: Ich wurde zum INFP-T umkategorisiert.

Der beliebteste Persönlichkeitstest ist wahrscheinlich der Myers-Brigg-Typenindikator (MBTI). Dieser Test zerlegt Persönlichkeiten in einzelne Typen. Laut MBTI können alle Menschen in vier Entweder-Oder-Kategorien eingeteilt werden. Du bist entweder extrovertiert (E) oder introvertiert (I), realistisch (S) oder intuitiv (N), logik-fokussiert (T) oder prinzipien-fokussiert (F), planend (J) oder suchend (P). In einigen Versionen des Tests gibt es noch eine fünfte Kategorie, in der zwischen durchsetzungsfähigen (A) und stürmischen (T) Charakteren unterschieden wird. Die Buchstaben stehen dabei für die jeweiligen englischen Begriffe der Eigenschaften. Durch den Test soll herausgefunden werden, welche Kombination aus diesen vier Faktoren deine Persönlichkeit beschreibt. Während der offizielle MBTI mehr als 40 Euro kostet, gibt es viele kostenlose Online-Versionen, die sich auf das Grundprinzip des Modells beziehen. Ich habe mich für den Test von 16Personalities entschieden. Er ist bei Weitem der bekannteste unter den MBTI-Seiten im Internet.

Als ich den Test beim ersten Mal gemacht habe, wurde mir gesagt, ich sei ein INFJ-T. Das bedeutet, ich bin eine motivierte Person , die „eine dauerhaft positive Wirkung in der Welt erzielen will“, sich aber leicht aus der Fassung bringen lässt. So weit, so gut. Vier Tage später habe ich den Test wiederholt und siehe da: Ich wurde zum INFP-T umkategorisiert. Jetzt gehöre ich also zu den „wahren Idealist*innen, die immer auf der Suche nach dem Guten sind und versuchen, die Welt besser zu machen“. Interessanterweise bin ich laut beiden Versuchen eher introvertiert. Doch beim zweiten Mal ist meine Intuition um drei Prozent schwächer geworden und außerdem bin ich jetzt zwei Prozent weniger gefühlsorientiert. Dafür handle ich anscheinend etwas analytischer als vorher.

Zwei verschiedene Ergebnisse beim selben Test zu bekommen, ist dabei nicht so untypisch, wie du vielleicht glauben magst: Verschiedene Studien zeigen, dass beim MBTI bis zu 50 Prozent der Menschen ein anderes Ergebnis erhalten, wenn sie den Test nochmal machen.

Beide Persönlichkeitstypen fühlten sich für mich „richtig“ an, was die Genauigkeit des Tests für mich bestätigt. Doch das kann auch an dem sogenannten Barnum-Effekt liegen. Dieses Phänomen ist nach einem Experiment benannt, indem festgestellt wurde, dass Menschen vage Persönlichkeitsbeschreibungen direkt auf sich beziehen, ohne zu verstehen, dass sie auch auf andere zutreffen könnten. Vielleicht ist das ja der Grund, warum Horoskope und Persönlichkeitstest oft wie die Faust aufs Auge zu dir passen. Aber was bedeutet das für mich und was hat es mit den beiden Ergebnisse auf sich?

Meistens bedeuten verschiedene Ergebnisse nur, der Test ist nicht gut konzipiert

Jennifer Fayard

Jennifer Fayard, eine Autorin und Assistenzprofessorin für Psychologie an der Ouachita Baptist Universität, hat eine gute Nachricht für mich: Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass sich meine Persönlichkeit grundlegend verändert hat, denn das dauert länger als nur ein paar Tage. „Dein Ich sollte sich im Normalfall nicht von dem einen auf den anderen Tag so drastisch verändern. Meistens bedeuten verschiedene Ergebnisse nur, der Test ist nicht gut konzipiert“, erklärt sie mir.

Außerdem sagt sie, das Ergebnis hängt im Grunde nur von der Art, wie die Fragen ausgewertet werden, ab. Wenn du bei einer Frage zum Beispiel etwas unsicher warst und beim zweiten Mal diese anders beantwortest, reicht das schon, damit das Programm dir einen anderen Persönlichkeitstyp zuordnet. Und so entsteht bei dir der Eindruck, du hättest dich verändert, obwohl das gar nicht stimmt. Kleine Stimmungsschwankungen sollten dich in der Regel nicht so stark beeinflussen können, meint die Expertin.

Deswegen bietet 16Personalities gleichzeitig zum Ergebnis eine detaillierte Analyse deines Typen und zeigt dir in abgestufter Form, zu wie viel Prozent die einzelnen Buchstaben auf dich zutreffen. Schließlich macht es einen großen Unterschied, ob du zu 50 oder zu 90 Prozent introvertiert bist.

Wenn du aber, wie ich anscheinend, zwischen zwei verschiedenen Buchstaben stehst, wird das bei der Auswertung ignoriert. Und das verfälscht das Ergebnis, wodurch du dich selbst und andere nicht genau definieren kannst.

Das soll die persönliche Bedeutung dieser Tests aber nicht herunterstufen. Nichtsdestotrotz sind sie nämlich ein gutes Mittel, um dich selbst zu finden. Ein Quäntchen Wahrheit steckt in ihnen allemal und vielleicht schaffst du es, dich und andere durch sie besser zu verstehen.

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