Kaffee, Donuts, Freibier: In den USA locken Unternehmen mit Impfprämien

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In den USA sind im Eiltempo große Teile der Bevölkerung geimpft worden. Doch jetzt geht es darum, die ungeimpften US-Amerikaner zu motivieren. Dafür winken teils skurrile Belohnungen.

Impfung vor dem Eishockey-Spiel: Dieser Philadelphia Flyers Fan kriegt seine Spritze direkt im Stadion vor dem Spiel gegen die New Jersey Devils. (Bild: Eric Hartline-USA TODAY Sports)
Impfung vor dem Eishockey-Spiel: Dieser Philadelphia Flyers Fan kriegt seine Spritze direkt im Stadion vor dem Spiel gegen die New Jersey Devils. (Bild: Eric Hartline-USA TODAY Sports)

Über 250 Millionen Dosen der Anti-Covid Impfstoffe sind in den USA dank einer beispiellosen Impfkampagne der Biden-Regierung inzwischen gespritzt worden. Immerhin gut 35 Prozent aller US-Amerikaner haben sogar schon eine vollständige Impfung erhalten, das sind in absoluten Zahlen 118 Millionen Menschen. Dafür wurde in Krankenhäusern geimpft, eigens eingerichteten Impfzentren aber auch in Sportstadien, Drive-Thru Restaurants oder Coffeeshops. Nach den rasanten ersten Monaten aber gerät die Kampagne nun etwas in Stocken. Es mehren sich auch die Berichte von Erstgeimpften, die ihren zweiten Impftermin nicht wahrnehmen. In typischer US-amerikanischer Unternehmer-Kultur sollen jetzt Anreize geschaffen werden, um noch mehr Menschen zu einer Impfung zu motivieren. Dabei gibt es mancherorts vielversprechende Angebote.

Freibier in New Jersey

Mit einem interessanten Versprechen geht zum Beispiel der Gouverneur von New Jersey voran. Phil Murphy verspricht den Einwohnern seines Bundesstaates nämlich bei jeder Erstimpfung ein Freibier. Gemeinsam mit der Brauerei-Gilde New Jersey hat seine Gesundheitsbehörde den Deal eingefädelt. Murphy erhofft sich höhere Impfraten. Dabei steht der "Garden State" mit immerhin schon 42 Prozent vollständig Geimpften ziemlich gut da.

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Auf seinem offiziellen Twitter-Account bewarb Murphy seine Idee unter dem Namen "Shot and a Beer", sozusagen ein klassisches Herrengedeck mit einer Impfdosis statt eines Schnaps. Einschränkend gilt das Angebot allerdings nur für Leute ab 21, denn darunter darf man in New Jersey noch keinen Alkohol trinken.

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Gegenüber dem TV-Sender NBC sagte Murphy: "Wir haben keine Angst davor, neue Dinge auszuprobieren." Die Kosten der Kampagne tragen die Brauereien, die damit die Impfung und die einhergehende Öffnung der Gastronomie unterstützen.

Gras für Geimpfte

Doch nicht nur in New Jersey lockt man Menschen mit besonderen Angeboten zur Impfung. Bereits im Februar versprach ein Marihuana-Laden in Michigan die Ausgabe eines (dort legalen) Joints als Belohnung für Geimpfte. Beim "Greenhouse of Walled Lake" fand diese "Pot for Shots"-Kampagne so großen Anklang, dass das Angebot sogar noch verlängert wurde. Dem TV-Sender CNN sagte Besitzer Jerry Millen: "Wenn ich damit helfen kann, die Pandemie auch nur in kleinster Weise zu stoppen und das meine Möglichkeit ist, dann mache ich das auch."

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Auch in West Virginia hofft der republikanische Gouverneur besonders jüngere Einwohner in die Impfzentren zu holen. Dafür bietet er ihnen einhundert Dollar Sparprämie an. Anders, als die Bier-Offerte gilt die Sparprämie auch schon für Impfwillige ab 16. Dafür ist die Altersgrenze nach oben bei 35 gesetzt. Im Bundesstaat Connecticut schließt man sich eher dem Modell aus New Jersey an. Die Kampagne "Drinks On Us" verspricht Geimpften ein Freigetränk in verschiedenen Restaurants bei Vorlage eines Impfnachweises.

Donuts oder eine Millionen US-Dollar

Die Donut-Kette Krispy Kreme bot Geimpften einen glasierten Donut und eine Tasse Kaffee an, wenn sie ihren Impfausweis in einer der Filialen vorzeigen. Was sich erstmal nicht so spektakulär anhört, ist allerdings in Wahrheit ein ziemlich großzügiges Angebot. Denn der Impfausweis berechtigt für den Rest des Jahres zu einem täglichen Donut und einem Kaffee. In Chicago erhalten Geimpfte Tickets für ein lokales Musikfestival, Privatunternehmen oder Prominente bieten ebenfalls Gutscheine an. So gibt es von dem sozial-engagierten Chefkoch José Andrés 50 US-Dollar für seine Restaurants pro Impfnachweis. In Maryland bekommen Beamte ebenfalls einen hundert Dollar-Bonus, wenn sie sich impfen lassen. In Ohio hat Gouverneur Mike DeWine eine Lotterie für Geimpfte einrichten lassen, deren Jackpot eine Millionen US-Dollar beträgt. 

So witzig die Angebote aus den US-Bundesstaaten klingen mögen, so ernsthaft ist doch der Hintergrund. Denn immer noch zeigen Umfragen, dass einer von fünf US-Amerikanern sich nicht impfen lassen möchte. Die Lock-Angebote sollen Unentschlossene überzeugen, um so doch die etwa 70 Prozent Geimpfter zu erreichen, ab denen Wissenschaftler sich die sogenannte Herden-Immunität erhoffen.

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