Kaffeesatz nachhaltig verwerten – so geht's

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Für viele Menschen ist sie essentiell für einen guten Start in den Tag: die morgendliche Tasse Kaffee. Genüsslich schlürfen wir das schwarze Gold Schluck für Schluck, lassen uns von ihm wärmen und hoffentlich auch ein wenig Energie verleihen. Kein Wunder, dass Kaffee das beliebteste Heißgetränk der Deutschen ist: Laut dem Deutschen Kaffeeverband konsumiert jeder Bundesbürger durchschnittlich rund 164 Liter Kaffee pro Jahr. Doch sobald wir unser Morgenritual beendet haben, landet der Kaffeesatz meist im Abfall – dabei trägt das Pulver noch viele wertvolle Inhaltsstoffe in sich.

Kaffeesatz lässt sich weiterverwerten (Symbolbild: Getty Images)

Rund sechs Millionen Tonnen Kaffeesatz erzeugen die Menschen weltweit pro Jahr. Ein Großteil davon entsteht bei der Herstellung von löslichem Kaffee. Wie man diesen Rohstoff in der Industrie weiterhin sinnvoll einsetzen kann, untersuchen die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT).

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Bioplastik aus Kaffeesatz

Für die Weiterverwendung wird der Kaffeesatz in seine einzelnen Bestandteile zerlegt. Im ersten Schritt werden die darin enthaltenen Öle extrahiert. Zwar ist dieses nicht für den Verzehr geeignet, doch es lässt sich durch Zugabe von Alkohol in ein chemisches Zwischenprodukt umwandeln. Dieses wiederum legt den Grundstein für die Herstellung von biobasierenden Kunstoffen und dient als Rohstoff für weitere chemische Prozesse. Auch das Biogas Methan lässt sich aus Kaffeesatz herstellen, wie ein Versuch des Schweizer Paul Scherrer Instituts in Kooperation mit Nestlé 2017 ergab.

Papierherstellung

Weitere Rohstoffe können aus dem entölten Kaffeesatz gewonnen werden. Beispielsweise kann er bei der Herstellung spezieller Papier- und Kartonsorten zum Einsatz kommen, denn er enthält den Stoff Cellulose, welcher auch in der Papiergewinnung verwendet wird.

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Tipps für den Haushalt

Auch im Haushalt lässt sich Kaffeesatz vielfältig einsetzen; aufgrund seines hohen Stickstoffanteils eignet er sich etwa als Dünger für den Garten oder für die Kompostierung. Außerdem ist er ein tolles Mittel, um üble Gerüche zu vertreiben: Einfach eine Schale davon in den Kühlschrank stellen oder den Abfluss damit durchspülen.

Auch lassen sich Kaffeereste aufgelöst in lauwarmem Wasser zum Färben von Ostereiern und Stoffen nutzen. Wer kleine Kratzer in dunklen Holzmöbeln hat, kann diese mit einem Wattestäbchen und etwas feuchtem Kaffeesatz kaschieren. Noch ein kleiner Tipp: Kaffeesatz wirkt wie Scheuermilch – allerdings ganz ohne Chemie. Aufgebracht auf einen Schwamm lassen sich damit hartnäckige Verschmutzungen aus Pfannen oder vom Grill entfernen.

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