Kahlschlag durch die Karriere: Was Überstunden mit der Glatze zu tun haben

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Wer regelmäßig mehr als 52 Stunden pro Woche arbeitet, verdoppelt das Risiko, seine Haarpracht zu verlieren. Schuld am Kahlschlag sind Stresshormone, die sich auf das Wachstum der Haare auswirken.

Der Zusammenhang zwischen Stress und Haarausfall ist schon länger bekannt – nun wurde er bewiesen. (Bild: Getty Images)

Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche liegt in Deutschland laut Bundesarbeitsministerium bei 34,9 Stunden. Das ist nicht nur gut für die viel gefeierte Work-Life-Balance, sondern anscheinend auch für die Haare. Einer neuen Studie zufolge steigt das Risiko, eine Glatze zu bekommen, mit einer Arbeitszeit von über 52 Stunden pro Woche nämlich um das Doppelte an.

Die Studie wurde von der Sungkyunkwan-Universität in Südkorea durchgeführt. Dass Wissenschaftler ausgerechnet dort die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Kahlschlag und Karriere umtreibt, ist freilich kein Zufall: Erst im Jahr 2018 wurde die Arbeitszeit vom südkoreanischen Parlament von unmenschlichen 68 Stunden auf immer noch stolze 52 Stunden pro Woche gesenkt.

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Ob es in Südkorea ungewöhnlich viele Männer gibt, die unter Haarausfall leiden, lässt sich derzeit nicht belegen. Sicher ist aber, dass die Forscher einen direkten Zusammenhang zwischen einer langen Arbeitswoche und dem leidigen Haarausfall herstellen konnten. An der Studie nahmen von 2013 bis 2017 insgesamt 13.000 Männer im Alter zwischen 20 und 59 Jahren teil. Die Studienteilnehmer wurden je nach durchschnittlicher Arbeitszeit in verschiedene Gruppen eingeteilt. Andere Faktoren wie Familienstand, Einkommen und Gesundheit wurden ebenfalls berücksichtigt. "Die Ergebnisse zeigen eindeutig auf, dass eine lange Arbeitszeit bei Männern im direkten Zusammenhang mit Haarausfall steht", so Studien-Autor Kyung-Hun Son.

Um eine Glatze zu verhindern, sei es vor allem bei jungen Männern zwischen 20 und 30 Jahren – bei denen sich erste Anzeichen des Haarausfalls zeigten – wichtig, die Wochenstunde zu verkürzen. Als schlimmsten Feind der Haarpracht nennt Son den Stress. "Schon viele Studien haben bewiesen, dass Stress den Haarausfall fördert." Die Forschungen der Sungkyunkwan-Universität hätten ebenfalls ergeben, dass Stress einen Einfluss auf das Haarwachstum und den Wachstumszyklus hat und zudem die Haarfollikel beschädigt.

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Stressbedingter Haarausfall ist umkehrbar

Verschiedenen Studien zufolge ist Haarausfall, der durch anhaltenden Stress verursacht wird – anders als der hormonell bedingte Haarausfall – wieder umkehrbar. Das bedeutet: Sobald der Stress nachlässt, wachsen auch die Haare wieder nach. Zwar ist die genaue Ursache, warum Stresshormone den Haaren so zu schaffen machen, noch nicht geklärt. Forscher vermuten allerdings, dass ein erhöhtes Stress-Level die Konzentration von Botenstoffen wie etwa Noradrenalin am Haarfollikel steigert und für Entzündungsherde sorgt. Als Folge wird die Wachstumsphase des Haares vorzeitig beendet, es kommt zum programmierten Zelltod im Gewebe des Haarbalgs und letztendlich zu Haarausfall.

Auch dass Menschen, die längerfristig unter Stress leiden, schlechter oder weniger schlafen, wirkt sich direkt auf die Haare aus: Da sich die Haarwurzeln normalerweise in der Nacht regenerieren, hemmt Schlaflosigkeit diese Erholungsphase.

Erfolgreicher im Job mit Glatze?

Ist der Haarausfall nun hormonell bedingt und lässt sich nicht rückgängig machen, sollten Männer zumindest aus beruflicher Sicht zu ihrem Kahlschlag stehen. Einer Studie der Wharton Universität in Pennsylvania zufolge werden Glatzenträger von ihren Mitmenschen als dominanter und athletischer wahrgenommen und gelten als besonders führungsstark. Männer, die versuchen, ihre kahlen Stellen zu verbergen, indem sie beispielsweise die Haare darüber kämmen, galten wiederum als schwächer und weniger einflussreich.