Kann das Coronavirus auf Oberflächen überleben?

Ein Mediziner beim Fiebermessen an der Polnisch-Deutschenn Grenze zwischen Frankfurt und Slubice am 16. März. (Bild: Getty Images)

Der sich im Umlauf befindende Virusstamm mit dem Namen Covid-19 macht gerade auf der ganzen Welt Schlagzeilen und dabei war er zu Beginn des Jahres den meisten Menschen noch nicht bekannt. Obwohl das Virus durch Husten und Niesen übertragen werden soll, war bisher noch wenig darüber bekannt, ob das Virus auch in der Luft oder auf Oberflächen „lauert“. Laut Wissenschaft kann es sein, dass das Coronavirus mehrere Tage lang auf Oberflächen überlebt.

Um mehr darüber zu erfahren, haben Wissenschaftler der National Institutes of Health in den USA das Virus mit einem Vernebler in die Luft befördert, um ein Husten oder Niesen nachzustellen. Die Ergebnisse zeigten, dass „lebensfähige Viren“ noch drei Stunden später in der Luft, und bis zu drei Stunden später auf Plastik und Chirurgenstahl festgestellt werden konnten. Man muss die Ergebnisse noch genauer analysieren, aber Experten haben sie bereits als „wissenschaftlich verlässlich“ bezeichnet.

Die wichtigsten Unterschiede bei Symptomen (Bild: Yahoo)

Man nimmt an, dass das Coronavirus Ende letzten Jahres in einem Markt in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen ist, auf dem lebendige Tiere und Meeresfrüchte verkauft wurden. Seitdem hat es das Virus über die Grenzen in mehr als 140 Länder und auf jeden Kontinent geschafft. Seit Bekanntwerden des Ausbruchs wurde bereits bei 169.000 Patienten weltweit eine Infektion festgestellt, von der laut Daten der John Hopkins Universität mehr als 77.000 Patienten genesen sind.

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China war zunächst das Epizentrum der Epidemie und es gab mehr als 81.000 bestätigte Fälle. Mittlerweile wurde es jedoch von Europa überholt. Die EU hat jetzt „mehr bestätigte Fälle und Todesfälle als der Rest der Welt zusammengenommen mit Ausnahme von China.“ In Deutschland wurden bereits über 9.200 Menschen positiv mit dem Coronavirus getestet. Bisher sind in Deutschland 24 Menschen an dem Virus gestorben. Weltweit hat es mittlerweile über 6.500 Tote gegeben.

Eine Frau küsst ihr Kind zum Abschied. Daneben ein Polizist mit Gesichtsschutz, als polnische Menschen über die polnisch-deutsche Grenze von Frankfurt nach Slubice am 16. März zurückkehren. (Bild: Getty Images)

Kann das Coronavirus auf Oberflächen überleben?

Bei Covid-19 handelt es sich um einen Stamm der Coronavirus-Klasse. Wir kennen bisher sieben Stämme, die Menschen infizieren können. Andere Viren dieser Art können Erkältungen und das „Severe Acute Respiratory Syndrome“ (SARS) auslösen. Man nimmt an, dass Covid-19 dem SARS-Virus genetisch ähnlicher ist als die anderen Stämme, nämlich so sehr dass das International Committee on Taxonomy of Viruses es als „Severe Acute Respiratory Syndrom Coronavirus 2“ (SARS-CoV-2) bezeichnet.

Trotz der Ähnlichkeiten hat sich Covid-19 als sehr viel schwerwiegender herausgestellt. Im Verlauf der andauernden Pandemie wurden bereits 6.500 Todesfälle gemeldet – das sind mehr als die 774 Todesfälle, zu denen es während des Ausbruchs von SARS 2002/2003 kam.

Zu der Frage, ob Covid-19 auf glatten Oberflächen überlebt, sagen die US Centers for Disease Control and Prevention: „Es ist möglich, dass eine Person mit dem Virus in Berührung kommt, indem es eine Oberfläche oder einen Gegenstand anfasst, der mit dem Virus verunreinigt ist, und dann Mund, Nase oder vielleicht die Augen berührt.“ Sie fügen allerdings hinzu, dass sie “nicht davon ausgehen, dass dies der Hauptübertragungsweg ist, über den sich das Virus verbreitet.”

Bei Forschung des National Institues of Health konnte der Virus noch bis zu drei Stunden später in der Luft festgestellt werden, bis zu vier Stunden später auf Kupfer, bis zu 24 Stunden später auf Pappe und bis zu drei Tage später auf Plastik oder Chirurgenstahl. Die Wissenschaftler betonen, dass das „verlängerte Überleben in der Umgebung” nicht dafür verantwortlich ist, dass Covid-19 gefährlicher ist als SARS.

Sie wiesen außerdem schnell darauf hin, dass ihre Ergebnisse nicht darauf schließen lassen, dass die Patienten sich mit dem Virus über die Luft oder über verunreinigte Oberflächen anstecken. Husten und Niesen bleiben also weiterhin die Hauptübertragungswege. “Wir wollen damit wirklich nicht sagen, dass das Virus durch die Luft übertragen wird, aber diese Arbeit zeigt, dass das Virus unter diesen Konditionen für längere Zeit überleben kann, so dass es theoretisch möglich ist“, sagt Leitautorin Dr. Neeltje van Doremalen.

Ein Mediziner misst die Temparatur eines Autofahrers am Eingang der Stadt Vagharshapat in Armenien am 16. März (Bild: Getty Images)

Die Ergebnisse wurden „vorläufig“ online bei Medrix anstatt in einer Peer-Review-Zeitschrift veröffentlicht. Bei einem Peer-Review kommt ein Ausschuss von Wissenschaftler zusammen, die nicht an der Forschungsarbeit beteiligt waren, und diskutieren über ihre Stärken und Schwächen. Dennoch sagen diverse Experten, dass die Ergebnisse von Wert sind.

„Das sind wirklich wertvolle Beweise“, sagt Professor Jimmy Whitworth von der London School of Hygiene & Tropical Medicine. “Sie liefern uns Zahlen und bestätigen, was viele von uns bereits vermutet haben – nämlich dass die Übertragung durch die Luft eine Rolle spielt. Es stammt von jemandem, der niest oder hustet, und verbleibt für eine Weile in der Luft.

„Der Rat, Oberflächen abzuwischen, ist sehr wichtig.“ Professor Willem van Schaik von der Universität Birmingham stimmt dem zu. Er fügt hinzu: „Die Vorabveröffentlichung zum Überleben des Coronavirus auf Oberflächen ist aus meiner Sicht wichtig. „Es scheint, als ob Coronaviren länger als Grippeviren auf Oberflächen überleben, was zu der schnell wachsenden Zahl von Neuinfektionen führt. “Die Implikationen sind hier sehr eindeutig: Die Leute sollten ihre Hände sehr regelmäßig waschen (wann immer sie nach oder von zu Hause, ins oder aus dem Büro etc. kommen) und sollten versuchen, möglichst nicht ihr Gesicht zu berühren (was übrigens extrem schwierig ist).“

Professor William Keevil von der Universität Southampton merkte an, dass man viele Oberflächen wie Türklinken und Touchscreens an öffentlichen Orten nur sehr schwer meiden kann. “Die Studie betont erneut, wie wichtig die persönliche Hygiene wie das rigorose Händewaschen im Verlauf des Tages und die Nutzung eines alkoholhaltigen Handdesinfektionsmittels ist. Dazu kommt, dass man versuchen sollte, nicht seine Augen, Nase oder Mund zu berühren“, sagte er.

Dr. Simon Clarke von der Universität Reading merkte allerdings an, dass sich die Forschung nur mit „künstlich in die Luft gegebenen“ Viren befasst habe. Es sei daher also nicht das gleiche wie „echte Menschen, die niesen oder husten.“

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Was ist Covid-19?

Die meisten Menschen, die sich anfangs mit Covid-19 ansteckten, besuchten oder arbeiteten auf einem Markt in Wuhan. Das Virus verbreitet sich hauptsächlich durch infizierte Tröpfchen, die von einem Patienten ausgehustet oder –geniest werden. Es gibt auch Hinweise darauf, dass es durch Fäkalien und Urin übertragen werden kann. Frühe Daten zeigen, dass vier von fünf Fällen nur leicht sind. Das Immunsystem des Patienten kann das Virus auf natürliche Weise bekämpfen.

In schweren Fällen kann die Infektion jedoch dazu führen, dass die Lungenbläschen sich entzünden und sich mit Flüssigkeit oder Eiter füllen. In diesen Fällen kommt es zu einer Lungenentzündung. Es gelangt dann nicht genügend Blut in die Lungen, wodurch weniger Sauerstoff in den Blutkreislauf gelangt. Diejenigen, die ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, werden an intensivmedizinische Geräte wie Beatmungsgeräte angeschlossen, während ihr Immunsystem seine Arbeit verrichtet.

Der Großteil der Todesfälle tritt unter älteren Patienten oder Patienten auf, die gesundheitlich vorbelastet sind. Um einer Infektion vorzubeugen, raten die Behörden dringend dazu, dass Menschen sich regelmäßig die Hände waschen und soziale Kontakte vermeiden.

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Alexandra Thompson