Kaufsucht: Ab wann Shopping krankhaft wird

·Freie Autorin
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"Shopaholic" ist ein Wort, das meist spaßeshalber für Menschen angewendet wird, die von jedem Einkaufsbummel mit einem halben Dutzend Tüten nach Hause kommen und sich von Sales-Schilden magisch angezogen fühlen. Doch Kaufsucht ist ein ernstzunehmendes Problem, das sich auf ganz andere Weise äußert. Wie? Das haben Forscher nun festgelegt.

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Ab wann wird Shopping krankhaft? Forscher haben es satt, auf offizielle Diagnosekriterien zu warten und definierten diese nun selbst (Symbolbild: Getty Images)

Denn obwohl seit über 100 Jahren als erwiesen gilt, dass auch Einkaufen zu einer echten Sucht werden kann, ist Kaufsucht bisher nicht offiziell als Krankheit klassifiziert worden. Damit fehlen auch anerkannte Kriterien für eine Diagnose und konkret formulierte Symptome, anhand deren sich sowohl Ärzte und Psychologen sowie auch mögliche Betroffene orientieren können. 

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Dabei sind bis zu fünf Prozent der weltweiten Bevölkerung von zwanghaftem Kaufverhalten betroffen, wie eine Gruppe von Forschern in einer Studie vorlegten. Sie kritisieren stark, dass es keine offiziellen Diagnose-Tools für die Störung gibt. Stattdessen wird Kaufzwang wie auch Spielsucht oder Arbeitszwang ohne nähere Details zu den nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten oder Zwangsstörungen sortiert. Damit sich das endlich ändert, haben die Wissenschaftler die Sache selbst in die Hand genommen und in ihrer im "Journal of Behavioral Addictions" veröffentlichten Studie einen "Vorschlag für Diagnosekriterien" vorgelegt. 

Daran erkennt man eine Kaufsucht

Demnach wird der sogenannte Kaufzwang als "anhaltendes und wiederkehrendes Gefühl" von "störendem" und "unwiderstehlichem" Verlangen, wenn es um einen Kauf geht, definiert. 

Fehlende Selbstkontrolle und "ausschweifendes Einkaufen von Dingen, ohne diese zu benutzen" wurden ebenfalls genannt. Wer Shopping dazu nutzt, um eine innere Unruhe oder schlechte Gefühle zu "regulieren", sei ebenfalls gefährdet. 

Typisch für Kaufzwang könne außerdem sein, nach dem Shopping vorübergehend besonders gute Laune oder Euphorie zu verspüren, doch nach einiger Zeit würden sich negative Folgen und Auswirkungen auf wichtige Aspekte des Lebens einstellen. "Patienten mit Kaufzwang haben häufig Probleme, ihre Gefühle zu kontrollieren, also nutzen sie Shopping, um sich besser zu fühlen", heißt es in der Studie. "Paradoxerweise wird eine Einkaufstour bei einer Person mit Kaufzwang kurzfristig die schlechte Laune heben, doch schon bald werden sich Scham und Schuldgefühle einstellen." 

Daraus entstehe nicht selten ein Teufelskreis: Um diese negativen Emotionen auszugleichen, würde immer mehr weitergeshoppt. Das wirkt sich nicht nur auf die Psyche und den Alltag aus, sondern auch auf die Finanzen - nicht selten sind Menschen mit Kaufzwang verschuldet. 

Was Betroffene tun können

Die Behandlung umfasst oft also nicht nur Verhaltenstherapie, sondern auch eine Finanzberatung. Der erste Schritt ist wie bei vielen psychischen Störung jedoch zunächst die Erkenntnis, dass der oder die Betroffene ein Problem hat. Wer es bei sich selbst erkennt, kann beispielsweise seine Kreditkarten zerstören und ausschließlich mit einer Begleitperson zum Einkaufen gehen. Wichtig sei auch, weitere erfüllende Hobbies zu finden, die das krankhafte Shopping ersetzen können. 

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Wieder betonen die Forscher der Studie jedoch, wie wichtig offizielle Diagnosekriterien sind. Deshalb haben die für ihre Ergebnisse mehr als 138 Experten aus 35 Ländern befragt - genug für ein sogenanntes Delphi-Verfahren, bei dem ein ein allgemeiner Konsens für eine offene wissenschaftliche Frage gefunden werden soll, der stellvertretend für eine anerkannte Definition stehen kann. 

Zumindest können die Symptome der Studie als Orientierung dienen. Wer vermutet, selbst von Kaufzwang betroffen zu sein, sollte sich an einen Arzt oder Psychologen wenden. 

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