Kein Essen, Trinken, Fluchen – 5 Frauen erzählen, wie sie den Ramadan erleben

Rea Mahrous

Mit acht oder neun habe sie sich laut Angabe ihrer Mutter zum ersten Mal selbst am Ramadan versucht, so Anja Saleh, genau erinnern kann sie sich nicht mehr. Damals fiel der Fastenmonat auf den Winter, was es einfacher machte, da die Anzahl der Sonnenstunden und somit die Zeitspanne, in der man ohne Wasser und Essen zurechtkommen muss, leichter zu überbrücken war.

Die islamische Fastenzeit neigt sich dem Ende zu. Jedes Jahr fällt der Ramadan anders. Das liegt darin begründet, dass er nach islamischer Rechnung der neunte Monat eines Jahres ist, welches elf Tage weniger hat als das gregorianische Kalenderjahr. Vom 26. Mai bis zum 24. Juni fasten in diesem Jahr Muslime weltweit. Auch in Deutschland leben laut amtlichen Hochrechnungen zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Menschen muslimischen Glaubens, darunter zum größten Teil türkischstämmige und Menschen aus dem nahen und mittleren Osten – keine unwesentliche Zahl.

Wir haben junge muslimische Frauen gefragt, was für sie den Ramadan ausmacht und wie sie ihren Alltag in dieser Zeit gestalten. Da der Fastenmonat häufig eine Zeit ist, in der Menschen zusammenkommen, wollten wir vor allem wissen, wie es ist, der Familie gegebenenfalls zum ersten Mal fern und auf sich selbst gestellt zu sein. Wie schwer oder leicht es ist, sich unter nicht-Fastenden zurechtzufinden, etwa in der neuen Uni-Stadt. Wir wollten wissen, ob es auch nach Jahren des Praktizierens noch etwas gibt, das ihnen schwerfällt und wie sie dagegen ankommen, sich vorbereiten, sich konzentrieren – und warum es das alles immer wieder wert ist.

Hibat-Ullah Khelifi, 19, Wien, Studentin der Kultur-und Sozialanthropologie und Politikwissenschaften

Wann hast du zum ersten Mal den Ramadan gehalten?
Meinen ersten Ramadan in seiner vollen Länge habe ich das erste Mal vor zwei Jahren gehalten, als ich etwa 16/17 war. Natürlich hatte ich die Jahre davor schon hie und da versucht zu fasten, doch konnte ich mich dem Essen nicht ganz enthalten.

Wie bereitest du dich darauf vor?
Also mental bereite ich mich vor, indem ich mir gewisse Ziele oder Mini-Meilensteine setze, sodass ich das Beste aus dem Ramadan oder noch besser aus mir herausholen kann. Außerdem versuche ich mein Ego zu trainieren, indem ich mir sage: „Hey, du solltest diesen Döner hier vor dir schätzen. Nächste Woche wird er nicht mehr sein.“ Der Ramadan ist für mich nicht ein Monat, in den ich unabsichtlich hineinfalle, sondern auf den ich mich eine gewisse, wenn auch oft zu kurze Zeit lang vorbereite. Wichtig ist für mich vor allem Disziplin, sich ein Bewusstsein zu schaffen und den Tag nach den Uhrzeiten zu planen.

Physisch passiert da eher weniger, da ich mir oft vornehme, die letzten zehn Tage vor dem Ramadan gesund und reichhaltig zu leben, aber meist nicht wirklich etwas daraus wird.

Was schätzt du am Ramadan besonders?
Das eigene Reflektieren. Sich ein Bewusstsein zu schaffen. Nachzusinnen. Seine Handlungen, Gedanken und Wörter vorher durch kritische Siebe sickern zu lassen, bevor man sie in die Weiten des Universums entsendet. Und außerdem die Kraft des Einfachen. Mir schwirrt da immer folgendes Zitat durch den Kopf: „Der Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“ (Martin Heidegger)

Gibt es etwas, das dir jedes Jahr aufs Neue schwerfällt während des Fastenmonats?
Es ist immer wieder eine neue Herausforderung, meine Routine im Leben zu finden. Das heißt, ich muss mein Leben etwas umgestalten, indem ich nicht nachmittags für Klausuren anfange zu lernen, sondern direkt nach dem Fajr-Gebet, sodass ich den Nachmittag und den Abend für das Spirituelle oder einfach nur zum Ausruhen nutzen kann. Daher kann es einige Tage dauern, bis ich einen richtigen Zugang zu diesem System gefunden habe.

Änderst du in der Zeit auch deine Beautyroutine?
Ja. Ich setze bewusst weniger Make-up auf. Auch hier versuche ich minimal zu sein.

Kernziele des Ramadan sollen Nähe zu Allah und zu sich selbst sein, das Reflektieren, sowie das Üben der eigenen Bescheidenheit & Güte. Wie würdest du das Gefühl beschreiben, das du in den schönsten Momenten des Fastens oder nach dem Ramadan empfindest?
Ein Gefühl der tiefen Liebe und Verbundenheit. Aber auch der Dankbarkeit gegenüber Gott. Jene Momente verbinden mich mit Ihm zutiefst und es scheint für einige Sekunden oder gar Minuten, als ob nur Er und ich existieren würden. Genauer kann ich es leider nicht beschreiben. Denn es sind meist die schönsten Momente oder Gefühle, die man nicht in Worte fassen kann.

Mit wem brichst du das Fasten am Abend?
Hauptsächlich mit meiner Familie (Mutter, Vater, Schwester, Bruder), aber manchmal auch mit Verwandten oder Freunden.

Hast du ein Go-To-Gericht, das du isst/zubereitest?
Ganz typisch wäre da die traditionelle tunesische Suppe (L'sen asfur; Übersetzung: die Zunge des Vogels): eine etwas dickflüssigere Tomatensuppe mit mini-ovalen Suppeneinlagen (wie bei der Nudelsuppe) oder einfach Hummus oder Baba Ganoush. Super einfach zum Machen und eine leichte Speise, die oft sehr satt macht.

Wenn du Menschen, die nichts über den Fastenmonat wissen, eine Sache darüber erzählen könntest, was würdest du ihnen sagen?
Näherrücken und „Askese“ zuflüstern. Haha. Da versuche ich dann meist Parallelen zum Hier und Jetzt zu ziehen, indem ich ihnen sage, dass die Muslime einen Monat lang versuchen minimalistisch zu leben. Eher weniger zu konsumieren, dafür aber mehr spirituell unterwegs zu sein. 30 Tage lang bewusst über ALLES zu reflektieren.

Foto: Hibat Khelifi.

Maria Al-Sadek, 25, New York City, Social Media & Digital Project Manager, Styleblogger

Wann hast du zum ersten Mal den Ramadan gehalten?
Ich bin in einem muslimischen Haushalt aufgewachsen, deshalb war der Ramadan schon immer ein ganz besonderer Monat. Ich glaube, zum ersten Mal so richtig mitgemacht, habe ich mit 10.

Wie bereitest du dich darauf vor?
Ramadan überrascht mich jedes Jahr, ich weiß nicht warum. Ich vergesse es oft, bis er quasi vor der Tür steht. Unmittelbar davor versuche ich dann zum Beispiel kleinere Portionen zu essen.

Was schätzt du am Ramadan besonders?
Wie er Menschen auf die einfachste Art und Weise zusammenbringt, ganz ungefragt. Ich liebe es, vor allem Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen, die ich länger nicht gesehen habe.

Gibt es etwas, das dir jedes Jahr aufs Neue schwerfällt während des Fastenmonats?
Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, nicht zu fluchen. Das ist eine meiner schlechtesten Gewohnheiten, die nicht unbedingt besser wird, wenn ich „hangry “ bin. [lacht]

Änderst du in der Zeit auch deine Beautyroutine?
Ich trage nur ein sehr leichtes und natürliches Make-up, eher in Richtung No-Make-up-Look.

Wie würdest du das Gefühl nach dem Ramadan beschreiben?
Ich fühle mich danach immer sehr erfrischt, von innen und außen. Es fühlt sich an wie eine spirituelle Reinigung, die meine Beziehung zu Gott erfrischt und meinen Fokus im Alltag neu setzt.

In deinem Ramadan-Feature auf Far Fetch hast du bereits geäußert, dass du das Fasten abends oft mit deiner Familie und deinen Freunden brichst. Hast du ein Lieblingsgericht, das beim Iftar nie fehlen darf?
Mein Iftar-Lieblingsgericht ist definitiv Maqluba, ein typisch palästinensisches Gericht. Zum Sahur esse ich besonders gerne einen Mix aus unterschiedlichen Kleinigkeiten, wir nennen es oft „arabische Tapas“: Eier mit Zaatar, Labneh, Gurken, Käse, Foul-Bohnen, Tomaten und viel, viel Wasser!

Wenn du Menschen, die nichts über den Fastenmonat wissen, eine Sache darüber erzählen könntest, was würdest du ihnen sagen?
Es ist ein Monat der spirituellen Reflektion, des Friedens, der Liebe und soll ultimativ dazu dienen, sich von den irdischen Besitztümern und von allem Vergänglichen zu distanzieren und Gott näher zu kommen.

Foto: Maria Alia.

Nilgün Akıncı, 28, Berlin, Visuelle Künstlerin

Wann hast du zum ersten Mal den Ramadan gehalten?
Mit zehn oder zwölf Jahren. Ich erinnere mich nicht wirklich. Da war es noch Winter und zu fasten war kein großer Einschnitt im Leben. Es fiel mit Weihnachten zusammen, so war das parallel Feiern ganz charmant.

Wie bereitest du dich mental und physisch darauf vor?
Normalerweise durch einen Hausputz, Reduzierung unseres Besitzes und das Aufbrauchen von Lebensmitteln. Diese Dinge reinigen auch seelisch und machen uns bewusst, in was für einem Überfluss wir gelebt haben.

Was schätzt du am Ramadan besonders?
Die innere Klarheit und den Fokus, den ich durch das Fasten erlange und das Zusammenkommen mit Familie, Freunden und anderen Fastenden. Die emotionalen Weichen der Herzen sind beim Fasten viel niedriger, weshalb es einfacher ist, zwischenmenschlich in Kontakt zu treten.

Gibt es etwas, das dir jedes Jahr aufs Neue schwerfällt während des Fastenmonats?
Zu Fasten. Der Sommer ist echt hart, das braucht man gar nicht zu leugnen. Ich bin vor dem Ramadan nervös wie vor einer herannahenden Welle. Werde ich es schaffen? Wie viel Wasser läuft mir dabei in die Nase? Aber dann fängt es wieder an Spaß zu machen. Außerdem fiel es mir bis vor Kurzem schwer, überhaupt in festliche Stimmung zu kommen, so ganz ohne einen großen Kreis von Mitfastenden, und ich konnte die digitale Vorfreude der anderen gar nicht nachvollziehen.

Änderst du in der Zeit auch deine Beautyroutine?
Nicht bedeutend. Die Produkte, die ich verwende, und das Aussehen, das ich anstrebe, sind ohnehin sehr natürlich, weshalb es sich nicht mit dem Ramadan widerspricht.

Fällt es dir schwerer zu fasten, seit du Mutter bist?
Jaaa! Und nein. Früher als Studentin konnte ich einfach stundenlang am PC zocken oder schlafen, um den Hunger zu vergessen. Jetzt muss ich natürlich mit meinem Mann die drei Mahlzeiten für unser Kind zubereiten und das Betreuungsprogramm weiter aufrechterhalten. Aber durch das Muttersein habe ich auch eine dauerhafte Form der „Undercover-Enthaltung“ kennengelernt, die einen taffer macht. Das macht es mir noch viel deutlicher, dass es nicht immer um meine eigenen Bedürfnisse geht.

Weiß dein Kind schon, was Ramadan bedeutet?
Ich denke, sie ist zu jung dafür, und Iftar und Sahur liegen leider innerhalb ihrer normalen Schlafenszeit. Trotzdem versuchen wir jetzt schon, ihr eine schöne Zeit zu bescheren mit gegenseitigen Besuchen von Freunden, dem Besuch von Dhikrkreisen und Moscheen. So nimmt sie das alles auch schon als etwas Schönes und Aufregendes wahr.

Kernziele des Ramadan sollen Nähe zu Allah und zu sich selbst sein, das Reflektieren, sowie das Üben der eigenen Bescheidenheit & Güte. Was bedeutet er ganz persönlich für dich?
Rührung über das Sein und die Gnade Allahs, Rahma auf Arabisch. Manchmal weiß man alles um einen herum und die eigene Existenz erst vollständig zu schätzen, wenn man mehr oder minder darauf reduziert ist. Und merkt, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht. Der Monat Ramadan hilft uns, einen Schritt zurückzutreten und die Schöpfung im Ganzen zu betrachten.

Mit wem brichst du das Fasten am Abend? Hast du ein Go-To-Gericht, das du isst oder selbst zubereitest?
An einem normalen Abend mit meinem Mann. Wir versuchen leichte und nahrhafte Mahlzeiten zuzubereiten, auch wenn der Duft von Pommes Frittes tagsüber doch sehr verführerisch ist.
Was an Sahur vor dem Fasten gegessen wird, ist aber eigentlich viel interessanter, da es für den Tag reichen muss. Ich mache seit Jahren eine Bananen-Dattelmilch, die ich inzwischen um Kokoswasser, Kurkuma, Zimt, Chia, Gurke oder andere Energie- und Nährstoffspender erweitere. Die [Milch] kann man auch vorher zubereiten (Mixer) und an Sahur im Halbschlaf trinken.

Wenn du Menschen, die nichts über den Fastenmonat wissen, eine Sache darüber erzählen könntest, was würdest du ihnen sagen?
Es ist die Zeit der weichen Herzen. Es klingt alles schnulzig und überbewertet, wenn man von außen die ganze Begeisterung nur digital vernimmt, aber wenn man ungefähr 28 Tage lang Enthaltsamkeit mit den Grundbedürfnissen und Achtsamkeit in seinen Beziehungen geübt hat, verändert das einen meist zum Guten.

Foto: Nilgün Akıncı.

Agnieszka (musl. Safiya), 32, Recklinghausen, Assistentin (Kauffrau für Bürokommunikation)

Du hast erwähnt, dass du erst vor drei Jahren zum Islam konvertiert bist. Hast du somit auch vor drei Jahren zum ersten Mal am Ramadan teilgenommen?
Ja, das ist der dritte Ramadan, den ich komplett mitmache. Zuvor habe ich den einen oder anderen Tag aus Solidarität zu meiner Freundin, die gebürtige Muslima ist, mitgefastet, wenn wir uns zum Iftar verabredet hatten.

Hattest du zuvor bereits Erfahrung mit ähnlichen religiösen Bräuchen, gegebenenfalls anderer Religionen gemacht?
Ja, ich bin gebürtige Katholikin und habe regelmäßig in der Zeit vor Ostern gefastet. Bewusst auf alltägliche Dinge zu verzichten, die ich sonst als selbstverständlich betrachte, empfand ich schon immer als eine sehr wichtige Lektion fürs Leben.

Bereitest du dich auf den Ramadan mental oder physisch vor?
Ich bereite mich mental vor, indem ich bereits vorab gewisse Vorsätze gedanklich vorsortiere, die ich während des Ramadans und natürlich auch dauerhaft umsetzen möchte. Seien es gewisse Charakterzüge oder Verhaltensweisen, an denen ich arbeiten möchte, oder Wissen, das ich mir aneignen möchte. Bereits zuvor werde ich innerlich ruhiger und konzentrierter. Physisch versuche ich im Voraus meinen Hunger zu mäßigen und weniger zu essen, um mir einen einfachen Start zu ermöglichen.

Was schätzt du am Ramadan besonders?
Ich schätze besonders die innere Einkehr und spirituelle Besinnung. Man beschäftigt sich in dieser Zeit viel intensiver mit seinem eigenen Leben und Glauben. Man wird durch die Abstinenz von Nahrung und Flüssigkeiten daran erinnert, wie es Menschen ergeht, die diesen Kampf tagtäglich austragen müssen. Wir spüren es am eigenen Leibe und entwickeln eine viel höhere Empathie für Hungerleidende. Ramadan reinigt unsere Herzen und Seelen. Zu keiner Zeit des Jahres hat Nächstenliebe und Solidarität so einen hohen Stellenwert für Muslime. Ich werde durchgehend daran erinnert, wie dankbar ich für die alltäglichen Dinge sein sollte, die uns Allah geschenkt hat. Wir leben in einer Welt, in der ein Teil nicht mal Zugang zum Grundnahrungsmittel Wasser hat, während der andere Teil mit Ressourcen umgeht, als seien sie unbegrenzt verfügbar. Ramadan ist ein Reminder an mich, auch meinen Umgang mit diesen Ressourcen zu überdenken. Auch ich vergesse oft, wie selbstverständlich vieles für mich ist.

Was ich ebenfalls sehr schätze ist, dass wir nicht nur nachempfinden sollen, wie es unseren Schwestern und Brüdern in Not geht, sondern auch unseren Beitrag dazu zu leisten, dieses Leid zu verringern, indem wir unserer Pflicht nachgehen und einen Betrag spenden.

Gibt es etwas, das dir jedes Jahr aufs Neue schwerfällt?
Die Abstinenz von Nahrung und Flüssigkeiten während des Tages, gerade in den Sommermonaten, ist selbstverständlich auch für mich immer wieder eine neue Herausforderung. Ich merke oftmals, dass es wirklich nicht einfach ist, die Vorsätze, die das eigene Wesen angehen, umzusetzen. Immer wieder verfalle ich in alte Verhaltensmuster. Ich denke dennoch, dass alleine die bewusste Wahrnehmung dieses Verhaltens der erste Schritt zu einer Veränderung ist. Das Leben ist ein Prozess und man sollte niemals erwarten, gewisse Ziele sofort umzusetzen.

Änderst du in der Zeit auch deine Beautyroutine?
Nein :)

Was sind die schönsten Momente, die den Ramadan für dich ausmachen?
Das Gefühl, das ich in den schönsten Momenten empfinde, ist eins von Glückseligkeit und Dankbarkeit. Ich fühle mich in diesen Momenten sehr verbunden zu Allah und meiner Religion. Ich bin in diesen Momenten voller Liebe und Barmherzigkeit.

Mit wem brichst du das Fasten am Abend? Hast du Lieblingsgerichte, die du zum Iftar oder Suhar isst?
Ich breche das Fasten oftmals mit meinem Freund, meinen muslimischen, aber auch nicht-muslimischen Freundinnen, gelegentlich auch alleine. Wraps sind immer einfache und schnellgemachte Gerichte, die man auch gut auf die Hand nehmen kann. Zum Sahur esse ich in der Regel einen Shake aus Soja- oder Kokosmilch, Bananen, Datteln und anderen unterschiedlichen Obstsorten, der ebenfalls schnell zubereitet wird und lange satt hält.

Hattest du Erwartungen an den Ramadan, die durch das Fasten erfüllt oder nicht erfüllt wurden oder Dinge, die dich überrascht haben?
Eine Sache, die mich immer wieder auf Neue überrascht, ist wie stark der eigene Wille sein kann, wenn man wirklich an sich selbst glaubt.

Ich persönlich finde es falsch, bestimmte Erwartungen an den Ramadan zu haben, weil sie mich zu sehr unter Druck setzen und mir die Besinnung dieser Zeit nehmen. Selbst, wenn ich bestimmte Vorsätze habe, habe ich keine Erwartungshaltung an sie. Selbstverständlich versuche ich, sie bestmöglich umzusetzen, kann aber durchaus akzeptieren, wenn es nicht funktioniert. Genauso steht es übrigens geschrieben.

Foto: Safiya Filistin.

Anja Saleh, Stuttgart, Studentin, Aktivistin, Künstlerin

Wann hast du zum ersten Mal den Ramadan gehalten?
Das weiß ich so genau ehrlich gesagt gar nicht mehr. Meine Mama antwortete mir auf die Frage mit „8 oder 9, weil Ramadan um die Zeit im Winter war und die Tage kurz waren“.

Wie bereitest du dich mental und physisch darauf vor?
Da mir das Fasten glücklicherweise überhaupt nicht schwerfällt, bedarf es keiner wirklichen physischen Vorbereitung. Mental jedoch umso mehr. Natürlich ist das von Jahr zu Jahr unterschiedlich und je nach Lebenssituation, Umständen und mentaler Verfassung unterschiedlich und so auch die Art und Weise der Vorbereitung darauf. Meistens jedoch versuche ich mir einen groben Plan über meine Ziele für den anstehenden Ramadan zu machen. Welche Gewohnheiten möchte ich ändern, womit habe ich mich selbst in den letzten Monaten enttäuscht, womit hab ich womöglich andere verletzt - hier beginnt die Vorbereitung, mit Selbstreflexion. Während diese mir auch im Alltag wichtig ist, fokussiere ich mich vor Ramadan nochmal besonders darauf mich, mein Verhalten und mein Handeln zu reflektieren. Das geht im Alltag natürlich auch schnell im Stress unter, also nutze ich die Zeit vor Ramadan dafür um an Ramadan daran zu arbeiten.

Was schätzt du am Ramadan besonders?
Durch das Fasten, so meine Wahrnehmung, ist man weniger abgelenkt. Mein Kopf fühlt sich klarer an, freier als sonst. Das Teilen und Zusammenkommen mit Fremden und Bekannten gleichermaßen. Den Fokus auf das was man bewegen kann, in dem man teilt. Die Hoffnung und innere Ruhe, die Ramadan mir und vielen gibt und bringt. Das Gefühl eines Neuanfangs und das Auffrischen des Bewusstseins für die großen kleinen Dinge. Dinge, die für uns so alltäglich sind, dass wir sie kaum mehr als besonders wahrnehmen gewinnen wieder an Wert, weil unser Blick auf diese ein anderer ist.

Gibt es etwas, das dir jedes Jahr aufs Neue schwerfällt während des Fastenmonats?
Klar! Meinen Plan einhalten! Ich lese immer viel weniger als beabsichtigt im Quran. Ich muss lernen meinen Plan einfach besser an meinen Alltag anzupassen. Ich scheine manchmal zu vergessen, dass dieser weiterhin so verläuft wie vor Ramadan, auch wenn meine innere Welt eine ganz andere ist, ist es meine äußere nicht unbedingt.

Änderst du in der Zeit auch deine Beautyroutine?
Nicht unbedingt. Ich verzichte gerne zusätzlich auf ein oder zwei Dinge, die ich kurz vorher bestimme. Dieses Jahr gehört Make-Up dazu, eine bewusst veränderte Beauty Routine jedoch ist das nicht.

Wie würdest du die schönsten Momenten des Fastens beschreiben?
Ich glaube es ist genau diese innere Ruhe, die ich eben erwähnte. Eine innere Zufriedenheit, die ich für das Resultat erhöhter Dankbarkeit (durch Verzicht und das damit einhergehende Bewusstsein) halte. Dankbarkeit ist magisch und lässt, zumindest mich, vieles ganz anders angehen. Sie erinnert mich immer wieder daran wie privilegiert ich bin und das Sorgen temporär sind, wie alles andere auch. Es zählen unsere Absichten und was wir mit diesen mache. Man wird umsichtiger, achtet eher auf seine Worte, überlegt nochmal bevor man unnötige Worte spricht usw., das hilft der Selbstreflexion in vielen Aspekten, denn man bemerkt, wie viel unnötiges man sagt und tut. Das sind besonders Dinge mir während des Fastens auffallen und durch den Kopf gehen. Ich würde das Gefühl mit dem Wort „Reinigung“ beschreiben, ein Ablegen von Lasten, die man zu lange mit sich trug. Parallel dazu oder nach Ramadan ist es das Gefühl von mehr Nähe - zu Gott und Seiner Schöpfung, in all ihrer Vielfalt und Differenzen. Sie ist ein Abbild Gottes, nicht unserer Gedanken und Gefühle. Und dieses Abbild ist etwas viel größeres als wir fassen und verstehen können aber auch nicht fassen und verstehen müssen. Das führt zur erneutenErkenntnis darüber, dass wir uns nicht einig sein müssen, um vereint zu sein.

Mit wem brichst du das Fasten am Abend? Hast du ein Go-To-Gericht, das du isst/zubereitest?
Ich bin die meiste Zeit zuhause bei meiner Mama und meiner Schwester. Wir versuchen eigentlich jeden Tag Suppe zu trinken und frisches Gemüse und/oder Salat zu uns zu nehmen. Speisen, die leicht sind und Energie spenden. Ein Go-To nicht unbedingt, aber Hummus und Gemüse gehen immer - und schnell! (Ja, ich hau Hummus auf mein Gemüse :D)

Wenn du Menschen, die nichts über den Fastenmonat wissen, eine Sache darüber erzählen könntest, was würdest du ihnen sagen?
Dieser Monat ist wie eine alte Liebe, die man jedes Jahr aufs Neue kennenlernt und vertieft, um sie im kommenden Jahr sehnsüchtig zu empfangen und ihr ungeduldig von all den Entwicklungen im vergangenen Jahr zu erzählen. Eine Liebe, wie eine gute Freundin, die Hoffnung schenkt und einem die Augen für die kleinen Dinge und vor allem für das eigene Potential, die eigene Stärken und Schönheiten öffnet. So, dass man sich ungeduldig und neugierig selbst reflektiert und kennenlernt, um all dieses Potential auszuschöpfen. Und so wie das mit Liebe oft ist; man kann sie nur kennenlernen, wenn man sich ihr öffnet und sie erlebt, so verschreckend und beängstigend sie zunächst wirken mag. Sie ist es wert.

Foto: Anja Saleh/Ambrosia May.

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