Kein Halloween-Gag: Unheimliches Wesen hat kein Gehirn, kann aber denken

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Mysterium der Natur: Blob sieht aus wie ein Pilz, verhält sich wie ein Tier und hat seinen Namen einem Horror-Film zu verdanken. Derzeit wird der faszinierende Einzeller im Pariser Zoo ausgestellt.

Das faszinierende Wesen ist weder der Tier- noch der Pflanzenwelt zuzuordnen. (Bild: Getty Images)

Der Pariser Zoo hat einen neuen Superstar. Nein, es ist kein Braunbär-Baby, um das sich derzeit die Besucher und Fotografen scharen. Es ist Blob – ein rätselhaftes Wesen, das Forschung und Wissenschaft schon seit Jahrzehnten fasziniert. Denn: Der Blob zeigt ein intelligentes Verhalten und das, obwohl er weder Pflanze noch Tier ist, sondern (zumindest vorerst) zur Familie der Schleimpilze gezählt wird. Blob kann sich pro Stunde bis zu vier Zentimeter fortbewegen und Nahrung wie Haferflocken und Pilze mithilfe eines Enzyms verdauen, obwohl er weder Mund noch Magen hat.

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Der Blob verfügt über faszinierende Selbstheilungskräfte

Faszinierend: Wird ein Blob mit einem anderen vermischt, wird das Wissen des einen Wesens automatisch auf das andere übertragen. "Es verhält sich wie ein Tier und entwickelt sich weiter", so Bruno David, Direktor des Pariser Naturkundemuseums, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Eine 2016 veröffentliche Studie beschreibt, dass Blobs, obwohl sie kein zentrales Nervensystem besitzen, aus Erfahrung lernen und ihr Verhalten entsprechend ändern können. Im Labor hatten Wissenschaftler beobachtet, wie sich der Schleim einen neuen Weg zu seiner Nahrung über eine schmale Brücke suchte, nachdem sie ihm den gewohnten Weg durch ein Hindernis versperrt hatten.

Zudem verfügt das unheimliche Wesen über faszinierende Selbstheilungskräfte: Wird es in der Mitte durchgeschnitten, kann es sich innerhalb von nur zwei Minuten selbst heilen. Der Blob hat insgesamt 720 Geschlechter, viele sind Zwischenformen von männlich und weiblich.

Vorerst wird der Blob die Welt wohl nicht erobern

Der wissenschaftlich korrekte Name lautet übrigens Physarum Polycephalum. Und obwohl der Spitzname Blob auf einen Horrorfilm aus den 50er-Jahren zurückzuführen ist – in dem ein außerirdisches, gleichnamiges Wesen alles auffrisst, was ihm in die Quere kommt – wird der Blob die Welt wohl nicht erobern. Dafür wird er viel zu gerne selbst aufgefressen, beispielsweise von Schnecken.

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Zoo-Direktor Pierre-Yves Bureau sagt: "Der Pariser Zoo ist einer der 13 Standorte des nationalen Naturkundemuseums. Es ist unsere Aufgabe, das Faszinierende des Lebens und die ungeahnten Möglichkeiten zu zeigen. Etwa Intelligenz bei Lebewesen ohne Gehirn. Dazu passt der Blob, der interagieren und sogar Rätsel lösen kann." Welcher Tag würde sich besser eignen, einen Ausflug zu einem gehirnlosen Wesen (das dazu auch noch unheimlich ist und viel frisst) zu planen als Halloween?