Kein Signal, kein Durchkommen: Das passiert bei einem Blackout mit dem Handynetz

Ein Techniker arbeitet an einem hohen Telekommunikationsmast. - Copyright: Kitawit Jitaton/Shutterstock
Ein Techniker arbeitet an einem hohen Telekommunikationsmast. - Copyright: Kitawit Jitaton/Shutterstock

Geschehen große Unglücke wie Hochwasser oder Erdbeben, denken die meisten Menschen zuallererst daran, bei ihren Liebsten anzurufen. Im besten Fall, um mitzuteilen, dass es ihnen gut geht. Doch wenn Deutschland von einem flächendeckenden Stromausfall betroffen wäre, fiele das schwer. Denn der Blackout hätte Auswirkungen auf die Handy-Verbindungen.

Die Mobilfunkkonzerne versuchen deshalb bereits, sich auf eine solche Situation vorzubereiten. Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 190.595 sogenannte Funkbasisstationen (Stand: 2019). Die Deutsche Telekom betreibt zum Beispiel gut 30.000 Sendemasten, um möglichst viele Kunden mit Mobilfunk-Abdeckung zu versorgen. Diese Stationen benötigen natürlich Strom. Fällt dieser aus, stehen an den Masten Batterien bereit, die sofort anspringen. Die großen Batterien sind aber nur eine Notlösung und können den Mast nicht auf Dauer versorgen.

Batterien verschaffen kurzzeitig Empfang

Brancheninformationen zufolge bekommen wir dadurch für etwa eine halbe Stunde die Möglichkeit, mobil zu telefonieren, dann ist Schluss. Vodafone-Sprecher Volker Petendorf schätzt, die Batteriekapazität sei nach „zwei bis vier Stunden“ ohne Strom aufgebraucht. Wie lange die jeweiligen Handy-Netze bei einem Stromausfall überhaupt am Laufen gehalten werden könnten, dazu machen die Mobilfunk-Konzerne keine Angaben.

Die zweite Notlösung bilden mobile Sendestationen. Hier werden die Antennen auf einen Anhänger geladen und ins Gebiet gebracht, das von Stromausfall betroffen ist. Die Deutsche Telekom hat davon ein paar hundert. Bei Telefonica Deutschland sind 60 im Einsatz. Das könnte reichen, um kleinere lokale Ausfälle abzufedern. Bei einem landes- oder sogar bundesweiten Blackout wären die Handynutzer damit aber trotzdem kaum erreichbar. Es kommt hinzu, dass die mobilen Stationen über Dieselaggregate mit Energie versorgt werden. Bei Stromausfällen kann häufig auch kein Diesel gezapft werden. Es ist also nicht klar, ob ausreichend Diesel für die Aggregate bereitstünde.

Eine mobile Sendestation auf einem Anhänger. - Copyright: Igor Shoshin/Shutterstock
Eine mobile Sendestation auf einem Anhänger. - Copyright: Igor Shoshin/Shutterstock

Ältere Bewohner wären vielleicht erreichbar

Kommt es zum Stromausfall, wäre das Festnetz nicht zwingend betroffen. Man könnte also mit dem heimischen Apparat noch Anrufe tätigen. Doch die meisten Telefone würden trotzdem nicht funktionieren, weil die moderneren Geräte mit Ladestationen eine Stromversorgung benötigen, um ans Netz zu gehen. Ein bayerischer Telekom-Sprecher erklärte bei einem kurzzeitigen Blackout in München vor neun Jahren: „Wer ein Analogtelefon hat, konnte telefonieren.“

Mobilfunk-Betreiber wollen priorisiert werden

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass europäische Mobilfunkkonzerne befürchten, dass es in diesem Winter bei der Handy-Netzabdeckung eng werden könnte. Die Unternehmen stehen in vielen Ländern nicht auf der Priorisierungsliste bei der Notversorgung mit Strom. In anderen europäischen Ländern wie etwa Frankreich hat die Mobilfunkbranche deshalb gefordert, in diese Liste aufgenommen zu werden. In Deutschland werden die Telekommunikationsnetzbetreiber durchaus genannt und stehen auf einer Liste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Sie würden also voraussichtlich bei der Verteilung von Treibstoff berücksichtigt werden.