Kinderloses Paar beschwert sich über Babygeschrei – und entzündet eine hitzige Debatte

Antonia Wallner
Freie Autorin

Ein kinderloses Paar aus Großbritannien startet mit einem Beschwerdebrief auf Facebook eine virale Debatte. Der Grund: das schreiende Baby der Nachbarn.

Ein Baby sorgte für eine hitzige Debatte. (Symbolbild: Getty)

Babys und Kinder weinen aus vielen Gründen. Wenn sie klein sind, ist das ihr einziger Weg der Kommunikation mit den Eltern. In der Regel haben die meisten Menschen Verständnis für weinenden Nachwuchs, da es eben Kinder sind. Doch so mancher Nachbar, der neben einer Familie mit kleinen Kindern wohnt, wünscht sie sich manchmal in die Hölle.

So wie ein Paar aus Großbritannien, das sich bewusst gegen Kinder entschieden hat. Der Mann nutzte den anonymen Service “Wem ich schon immer mal einen Brief schreiben wollte“ der britischen Zeitung “The Guardian“ und verfasste eine Beschwerde, die sich gewaschen hat.

“Es hat unsere Beziehung beeinträchtigt“

“Meine Frau und ich wollten nie Kinder. Aber wir haben nie jemanden für seine Entscheidung verurteilt, Kinder zu bekommen. Das änderte sich an dem Tag, als wir neben euch einzogen, kurz bevor eure Tochter geboren wurde.“

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Der größte Kritikpunkt des Ehemanns war wohl die Entscheidung der Nachbarn, die Tochter im elterlichen Schlafzimmer zu behalten, das direkt an ihres angrenzte:

“Ihr ständiges nächtliches Geschrei kostete uns unzählige Stunden Schlaf zu einer Zeit, als unsere Karrieren enorm stressig und fordernd waren. Es hat unsere Beziehung beeinträchtigt und die Freude unseres neuen Hauses getrübt.“

Bei Babys ist es allerdings die Norm, dass sie bis ins Kleinkindalter meistens noch bei den Eltern schlafen. Das war dem kinderlosen Paar wohl nicht bewusst, denn der Brief ging weiter:

“Ihr habt euch nie entschuldigt oder den Lärm überhaupt erwähnt. Ich habe keinerlei Anzeichen gesehen, dass ihr irgendetwas getan hättet, um es für uns als Nachbarn angenehmer zu gestalten, etwa die Tochter in einen anderen Raum zu verlegen.“

Am Ende des Briefes ließ der Ehemann noch einmal seinen ganzen Frust raus:

“So gefühllos das vielleicht klingen mag, aber die Welt hört nicht auf, sich zu drehen, nur weil ihr ein Kind habt. Die Menschen um euch herum haben ihre eigenen Leben mit eigenen Problemen, die sie lösen, ohne dabei andere zu belästigen. Von euch zu erwarten, dass sie euren Frust und eure Probleme einfach so teilen, ist unfassbar egoistisch.“

Über 3.000 Kommentare auf Facebook

Wie nicht anders zu erwarten, bekam der Brief auf der Facebookseite des “Guardian“ eine Menge Reaktionen. Über 3.000 Menschen kommentierten die Beschwerde. Es bildeten sich zwei Lager: die Beschwerde-Befürworter und die Nachbarseltern-Verteidiger.

“Stell dir doch mal vor, wie sich die Eltern gefühlt haben... Ihr hättet als Nachbarn ohne Kind euer Schlafzimmer verlegen können, ihr hättet Ohrstöpsel benutzen können oder euch um eine Beziehung mit euren Nachbarn bemühen können, die wesentlich mehr gelitten haben als ihr. Gott sei Dank werdet ihr niemals Kinder haben“, heißt es etwa in einem Kommentar.

Oder auch: “Das ist einfach lächerlich! Babys schreien, weil sie kommunizieren wollen. Wie könnt ihr euch darüber beschweren? Warum sollen eure Nachbarn ihr Kind in ein anderes Zimmer verlegen, nur wegen euch? Kauft euch Ohrenstöpsel und stellt euch nicht so an.“

Andere können den schlafgeplagten Ehemann durchaus verstehen: “Schlaflosigkeit ist furchtbar, ich kann durchaus nachfühlen, wie sich jemand in einer solchen Situation fühlen muss, vor allem, wenn das über Jahre geht“.

Kommunikation kann helfen

Egal ob Baby oder nicht: Der Schlüssel zu mehr gegenseitigem Verständnis ist ganz einfach: Kommunikation. Dann klappt’s auch mit den Nachbarn – ohne böses Blut und anonyme Beschwerdebriefe.