Kit(t)chen Impossible: Berliner Insassen twittern über ihr Essen

Trostlos ist meist nicht nur Aussicht aus dem Gefängnis, sondern auch das Essen. Foto: Symbolbild / gettyimages / Darrin Klimek

Aus dem Berliner Gefängnis Heidering publizieren Insassen Bilder der oft trostlosen Mahlzeiten. Das Ganze offenbart aber – abgesehen vom Essen – ein größeres Problem: Insassen haben offensichtlich kein Problem, an Handys zu kommen und nach draußen zu kommunizieren.

Zwei weiße Brötchen, dazu Konfitüre aus schwarzer Johannisbeere. Fotografiert auf blauem Grund. So sah das trostlose Frühstück am Wochenende im Berliner Gefängnis Heidering aus. Dass das Bild – und viele weitere – momentan durch die deutschen Medien geht und große Aufmerksamkeit bekommt, dafür ist der Twitter-Account @Gefngniscuisin1 verantwortlich. Denn der dokumentiert seit dem 3. August dieses Jahres immer wieder die wenig abwechslungsreichen Knast-Menüs in Heidering.

Manchmal beschwert sich der Verfasser über die „Kindergrößen“ seiner Portionen, mal geht es um die mangelnde Abwechslung auf der Speisekarte, dann wieder um die lustlosen „Rezepte“. So sind die Tweets auch oft ironisch mit Hashtags versehen, wie etwa #HappySunday oder #foodporn.

Das Beste ist nicht gut genug

Wer hinter dem Account steckt, ist nicht bekannt. In der „Morgenpost“ aber bezweifelt die Berliner Justizverwaltung die Echtheit der Posts nicht. Behörden-Sprecher Sebastian Brux zeigt sich im Interview in erster Linie genervt darüber, dass wieder einmal die Vorschriften – es gilt absolutes Handyverbot im Gefängnis – nicht eingehalten werden. Doch er gibt auch zu: „Das ist schwer zu unterbinden.“

Brux ist aber auch überrascht von der Kritik, die der Twitter-Kanal @Gefngniscuisin1 regelmäßig formuliert. Denn das Essen in Heidering gelte, da sei er sich sicher, als das Beste aller Berliner Haftanstalten. Doch das Beste muss noch lange nicht gut sein, denkt sich wohl der eifrige Twitter-User und hat vor kurzem sogar seine Mit-Insassen zum Teilnehmen animiert: „Unser Thema ist die Ernährung in Gefängnissen, deshalb rufen wir dazu auf, schickt uns Bilder von euren Mahlzeiten aus euren Haftanstalten #Foodie #foodporn.“

Über zu wenig Handys scheinen Inhaftierte nicht zu verfügen. Dabei würden immer wieder, so Brux, verbotene Geräte bei Kontrollen eingezogen. Doch diese gänzlich zu verhindern, da seien die Möglichkeiten begrenzt, denn vor allem im Gefängnis müssten die Sanktionen verhältnismäßig sein.

Wie schwierig es ist, ein Handyverbot durchzusetzen, zeigt auch das Beispiel eines YouTubers, der über Monate hinweg seine Online-Karriere aus dem Gefängnis Heidering heraus fortsetzte und munter Videos über den Alltag hinter Gittern drehte und von dort auch publizierte. Laut der Morgenpost habe der Mann sogar schon eine ganze Staffel an weiteren Videos vorproduziert. Mittlerweile wird dessen Haftraum täglich überprüft, vor sein Fenster wurde ein feinmaschiger Draht gespannt, „damit ihm keiner von draußen was reinreichen kann“, sagt Brux.

1.300 verbotene Handys sichergestellt

Bereits Anfang des Jahres hatte der Bund der Strafvollzugsbediensteten Handys als bundesweites Problem erkannt. Damals hatte der Vorsitzende René Müller der Deutschen Presseagentur gesagt: „Wir tun alles, dass sie gar nicht erst reinkommen. Aber wir haben viel zu wenig Manpower und zu wenig Technik.“ So würden Handys auch mal per Drohne abgeworfen, oder klassisch über Besucher, Lieferanten oder Pakete in die Sicherheitsbereiche geschmuggelt. „Mancher Gefangener hat zwei, drei Geräte“, sagt Müller. So seien im Jahr 2017 allein in Berliner Gefängnissen 1.300 verbotene Handys gefunden und eingesammelt worden.

Wieso dann aber nicht einfach erlauben, wenn man der Situation kaum Herr werden kann? Die Morgenpost schreibt, dass Handys verboten sind, damit keine Straftaten geplant oder verabredet werden können. Ebenfalls soll so unterbunden werden, dass Zeugen beeinflusst oder Opfer bedroht werden. Bilder und Videos aus den sicherheitssensiblen Bereichen der Gefängnisse gelten zudem als Risiko.

Das Essen reicht einfach nicht aus

Doch um all das scheint es @Gefngniscuisin1 nicht zu gehen. Der unbekannte Verfasser will einfach nur auf die traurige Essens-Situation hinweisen.