Kommentar: Auf Rechtspopulismus wirkt Corona besonders toxisch

US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz über den Virus (Bild: REUTERS/Joshua Roberts)

Gerade wächst ein Gemeinschaftsgefühl – im Gegensatz zum „Völkischen“ ist es real.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Schlechte Zeiten für die Rechtspopulisten dieser Erde: Sie blamieren sich am allermeisten. Donald Trump wiegelte die Gefahren durch den Corona-Virus erst ab und beschrieb sie dann als etwas von „außen“ – dabei ist unser Planet rund, ein Virus ist oft globaler Passagier der Ersten Klasse. Währenddessen offenbaren sich die Folgen einer seit Jahren von den konservativen Republikanern gedrosselten US-Gesundheitspolitik. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro spottet über Corona, bis er selbst zum Test muss.

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Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán erklärt das staatliche Pandemie-Krisenmanagement zur Flanke einer Antimigrationspolitik; ähnlich wie in Italien, wo es Politiker der Lega und der Forza Italia waren, die anfangs dummes Zeug über den Corona-Virus laberten, schlicht ihre Inkompetenzen offenbarten, was kein Problem wäre, hörte man dann auf die Experten aus der Wissenschaft. Und in Großbritannien hat die Regierung von Boris Johnson anfangs gar versucht, zum Wohle des Bruttoinlandsprodukts eine „Herdenimmunisierung“ durchzusetzen – also alle anstecken zu lassen, und „gut ist“; wer dann daran stirbt, also alte Menschen und Risikoträger durch ein geschwächtes Immunsystem, nun, reden wir darüber besser nicht.

Es ist ein flächengreifendes Regierungsversagen auf Seiten der Rechten.

In Deutschland erwischt es die AfD. Es gibt eine Westfraktion, die von Beginn an es mit einem scharfen Ton versuchte, eine Untergangsstimmung ansang und alles „Merkel“ in die Schuhe schieben wollte, weil man die Frau eben für alles Schlechte verantwortlich zu machen hat; Alice Weidel und Jörg Meuthen standen hier federführend.

Der Schein tritt zurück

Interessant ist, dass zahlreiche AfD-Politiker aus der Ostfraktion diesem Ton nicht folgten. Funktionäre wie Tino Chrupalla setzten bei ihren Äußerungen nicht auf Spaltendes, sondern auf Besonnenheit, auf ein „Zusammenstehen“. Vielleicht ist ihnen ein Sinn für Gemeinschaftliches nicht abhanden gekommen, einer, den es in der DDR durchaus gab. Mit dem schrillen Sound aus dem Westen hat sich die AfD jedenfalls verrannt.

Was die Leute heute wollen, ist das Gefühl klarer und ruhiger Ansagen, eine Orientierung. Sie wollen wissen, was sie nun tun können. Und weniger, wer hätte oder sollte. Nur dagegen sein strengt an, wenn die Sorge ums Elementare um sich greift. Denn nun wird es real.

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Dieses Gemeinschaftsgefühl (außer beim Kampf in den Supermärkten um das letzte Klopapier) ist manifest, man spürt es. In dieser besonderen Situation haben wir ja nichts anderes. Die Konzepte eines „völkischen“ Aufbaus unseres Landes bleiben hingegen Luftnummern. Corona geht halt alle an. Ausnahmen und Abgrenzungen tragen dem nicht Rechnung, und daher schwimmen dem globalen Rechtspopulismus gerade einige Felle weg, für den Moment zumindest.

Führung, aber sanft

Was gerade indes gut ankommt, ist Technokratisches, das eher Blasse. Rigide Vorsichtsmaßnahmen, welche die Verbreitung des Virus einzugrenzen versuchen und nicht „Ausländer“ oder „Multikulti“.

In Italien macht Premier Guiseppe Conte es vor, auch mit einer echten Transparenz in der Kommunikation. Kanzlerin Angela Merkel könnte in diese Position hineinwachsen, technokratisch genug ist sie ja. Aber in der Kommunikation ist noch einiges verbesserbar: Warum werden eigentlich so wenige Tests gemacht? Warum wird nicht offensiv und rasch kommuniziert, wie viele Menschen wo infiziert sind? Warum sind die Telefone der Gesundheitsämter chronisch unterbesetzt, also quasi unerreichbar?

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Noch sind die Leute in Deutschland erstaunlich ruhig, dabei werden sie zu sehr alleingelassen. Unser Föderalismus erweist sich gerade als Nachteil, da sollte die Bundesregierung bestimmter auftreten. Denn die Notlage ist längst da.

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