Kommentar: Beim Corona-Virus blicken alle auf Angela Merkel

Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn bei ihrer Pressekonferenz zum Corona-Virus in Berlin. (Bild: Getty Images)

Die Kanzlerin sprach, und alle hörten hin – bei der Corona-Pandemie ist jetzt Angela Merkels Krisenmanagement gefragt.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Für eine, die eigentlich bald weg sein soll, verschafft sich Angela Merkel erstaunlich viel Gehör. Die Kanzlerin gab mit ihrem jungen Widerpart, Gesundheitsminister Jens Spahn, eine Pressekonferenz. Und auf einmal herrscht Klarheit: über die Gefahr der Pandemie und darüber, was zu tun ist. Zum Beispiel nicht in Panik verfallen.

Merkel ist nicht bekannt für Temperamentausbrüche. Es gab einmal Machtworte, die pure Führung ausdrückten, wie bei der Finanzkrise 2008 – als Merkel in die Kameras sprach, dass die Konten sicher bleiben würden, man ihr das glaubte und so ein Run auf die Banken sowie ein Finanzzusammenbruch verhindert wurde.

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In den vergangenen Tagen machte sich laute Sehnsucht nach dieser Führung breit. Unruhe und Angst wegen Corona nehmen zu, damit auch die Gewissheit, dass wir mit diesem Virus nicht nur die nächsten Tage und Wochen zu leben haben, sondern zumindest die kommenden Monate hinweg. Es brauchte also eine Einordnung, jenseits der erregten Talkshowformate.

Realitätssinn, von oben verordnet

Die Kanzlerin redete die Lage nicht schön. Merkel ist Naturwissenschaftlerin und wird die Wirkweisen schon verstanden haben. Sie erklärt in Deutschland eine Notsituation. Unaufgeregt bereitete Merkel uns alle darauf vor, dass sich womöglich eine Mehrheit aller Deutschen mit dem Virus infiziert. Dies zu verinnerlichen bedeutet nicht, gleich an den Tod zu denken. Vor allem geht es um die Sicherstellung einer guten medizinischen Versorgung – und dafür ist es unerlässlich, dass diese Ansteckungen sich etappenweise verbreiten, nicht auf einmal stattfinden, dass eben Krankenbetten wieder geräumt sind, wenn der nächste Fall hereinkommt.

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Merkel gab keine Heilsversprechen. "Wir werden das, was notwendig ist, tun", sagte sie, und das klingt nicht nach einer Verheißung, sondern nüchtern. Wahrscheinlich brauchen wir jetzt aber eine Nüchternheit. Merkel sprach auch von Solidarität, Vernunft und "unserem Herz füreinander", welches sie auf die Probe gestellt sieht. "Und ich wünsche mir, dass wir diese Probe auch bestehen."

Klar ist, dass Deutschland im Schatten der Corona-Pandemie nicht durchregiert, weil es das nicht kann. Wir sind föderal aufgestellt, und dies kann ein Nachteil sein. Man sieht ja gerade, wie zum Beispiel in Berlin sich die Landes- und Bezirksbehörden gegenseitig Verantwortungen zuschieben und lächerlich passiv agieren. Da müssen nun die Starken die Schwachen mitziehen, ohne dass Häme und Panik entstehen. Merkels Appelle an die Vernunft, an das persönliche Kalkül, wie der eigene Alltag angegangen werden kann – darin liegt eine unheimliche Stärke. Vielleicht ist dieses Bewusstsein sogar viel stärker als ihr Kontensicherheitsspruch von 2008.

Was nicht hilft

Es kann auch sein, dass sie länger Kanzlerin bleibt als geplant. Dass der CDU-Bundesparteitag im Frühling stattfinden wird, ist bisher äußerst unsicher. Dort soll eigentlich ein neuer Parteivorsitzender gewählt werden. Doch derzeit gerät das Land in einen Stillstand, in eine Phase, in der der Kopf auf der Schulter bleiben muss. Also übernimmt Merkel. Und sie bereitete darauf vor, dass weitere krasse Schritte in Bezug auf Schließungen kommen werden.

Und die AfD wird sich weiterhin an ihr abarbeiten. Zuerst keiften nicht wenige Funktionäre, wo Merkel denn sei. Als sie dann kam, wurde natürlich weiter gekeift, aber die Sprüche werden im Wind verhallen. Von der AfD kommt derzeit nur Alarmismus, die gewohnte Kritik ob der Kritik willen. Eine Lösung ist das nicht.

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