Kommentar: Donald Trumps coole Nummer mit Grönland

Grönland ist schön. Nur fehlt ihm ein Trump-Tower. Arme Grönländer! (Bild: Getty Images)

Der US-Präsident spielt mit dem Kauf von Ländern und mit Regierungen. Er hat alle Bälle in der Luft. Solch einen artistischen Clown hat die Politwelt schon lange nicht mehr gesehen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Es ist an der Zeit Donald Trump Respekt zu zollen. Tatsächlich gelingt es ihm fast alle reagieren zu lassen – und zwar auf das, was er so treibt. Im Kartenspiel nennt man das Vorhand. Jetzt hat er eine besonders abgezockte Runde hingelegt.

Eigentlich sollte Trump in zwei Wochen Dänemark besuchen. Solche Staatstrips sind logistisch ein riesiger Aufwand, ganze Heerscharen von US-Bediensteten planen und organisieren sowas. Doch nun sagte Trump lapidar ab, per Twitter. Der Grund: Weil die dänische Ministerpräsidentin nicht mit ihm über einen Verkauf Grönlands reden wolle. Das würde ihm nun Zeit ersparen.

Trump handelte mal wieder und zwang andere zur Reaktion, in eine passive Rolle. Ein banaler wie genialer Schachzug.

Denn natürlich hat eine Staatsvisite nichts mit Kaufabsichten zu tun. Argumente aber zählen nicht im Trumpschen Universum, es zählt nur die Aktion.

Politik ist halt auch ein Business, gell?

Dem Weißen Haus kritisch gegenüber stehende Medien hatten in der vergangenen Woche als erste über Grönlandabsichten von Trump berichtet. Solch ein Ansinnen gab es in der Geschichte schon früher: Grönland gehört zu Dänemark, ist riesig groß, die wegen des Klimawandels schmelzenden Eismassen verdecken wertvolle Rohstoffe und könnten neue Verkehrswege freigeben. Auch ist das Land nah an Russland und erlangt dadurch strategische Bedeutung. Mehrere US-Präsidenten verfolgten, mehr oder weniger locker, die Idee einer Grönlandnahme.

Trumps engerer Zirkel nahm die aktuelle Berichterstattung auf und ließ streuen, der Präsident sei tatsächlich interessiert. Der ließ dann selbst mitteilen: "Im Grunde wäre es ein großes Immobiliengeschäft." Damit kennt er sich aus. Und ganz bewusst demonstriert Trump, dass er Politik als Geschäft versteht. Und Amerika ist sein Kunde. Arme Bürger.

Die Grönländer und die Dänen indes sehen sich weniger als Handlanger und taten die Überlegungen Trumps, die plötzlich in der vergangenen Woche auftauchten, als Schnapsidee ab.

Trump liebt Trotz. Nun konnte er ihn zeigen. Es den Dänen zeigen. Er kommt nicht. Peng.

Diese Grönland-Story ist ein echtes Herzblatt. Und es lenkt wunderbar ab von wahren Themen, Herausforderungen und Problemen, die Amerika ja auch hat. Trump aber diktiert die Agenda, er bestimmt die Themen öffentlicher Diskurse. Und nimmt damit langfristig den oppositionellen Demokraten in den USA den Wind aus den Segeln, weil sie so keine eigenen Themen setzen.

Donald allein zu Haus, Teil 1

Um diese Strategie zu verstehen, muss man vielleicht auf die ersten Stunden nach seiner gewonnenen Präsidentenwahl im November 2016 schauen. Es ist bekannt, dass Trump geschockt darauf reagierte. Nicht wirklich hatte er damit gerechnet. Seine ersten Entscheidungen gerieten zögerlich, er zog sich oft zurück, blieb allein, zappte sich durchs Fernsehen. Er reagierte und war passiv. Recht schnell beschloss er dann dies zu ändern. Wieder in die Vorhand zu kommen, egal wie. Und seitdem beglückt er die Welt mit seinem Schwachsinn. Aber liegt stets vorn.

Nur ein kurzes Schlaglicht auf die aktuellen Nebelkerzen, die Trump ständig wirft: Neben den Dänen, die heute ihr Fett abkriegen, sind es jüdische Amerikaner, die in den Augen Trumps die Frechheit besitzen die Demokratische Partei wählen zu wollen. Es ging um die Kritik von Demokraten und jüdischen Organisationen an der Entscheidung der israelischen Regierung, zwei Kongressabgeordneten der Demokraten die Einreise zu verweigern. "Was ist aus der demokratischen Partei geworden? Was ist aus ihnen geworden, wenn sie diese beiden Personen verteidigen und damit über den Staat Israel stellen?", klagt Trump nun an, sowie: "Und ich denke, dass alle jüdischen Personen, die für einen Demokraten stimmen, ich denke, dass zeigt entweder eine totale Wissenslücke oder große Illoyalität."

Hm. Wem gegenüber eigentlich Illoyalität? Gegenüber Trump? Oder der israelischen Regierung? Letztere wurde von Trump ebenfalls in die Rolle des Reagierenden gedrängt, denn nur weil Trump das Kabinett in Israel unter Druck setzte, die beiden Politikerinnen nicht einreisen zu lassen, entschied es entsprechend. Er hält einfach alle Bälle in der Luft.

Es gibt einen Tweet vom vergangenen Freitag, der kurz und knapp erklärt, wie und warum Trump so vorgeht. Er umreißt die Philosophie à la Trump: „Americans can do anything, go anywhere, and outperform anyone. Nobody can beat us. Nothing can stop us because winning is what Americans do."

Ich wage diese drei Sätze gar nicht ins Deutsche zu übersetzen. Es klänge zu komisch. Was immer wir davon verstehen, es ist unmissverständlich: eine eigene Pauschalsündenfreisprechung und Drohung an den Rest der Welt zugleich. Alles klar.