Kommentar: Heute beginnt Markus Söders Märchenstunde

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 3 Min.
Wann kommt Markus Söder aus der Deckung? (Peter Kneffel/dpa)
Wann kommt Markus Söder aus der Deckung? (Peter Kneffel/dpa)

Wie wird Bayerns Ministerpräsident uns weismachen, dass er Kanzler kann und soll? Fest steht: Seine Mission startet jetzt.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Armin Laschet kann nichts für die deftigen Niederlagen der CDU bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Der Parteichef ist gerade hundert Tage im Amt, für die Kabale in der Union aus Maskenskandal und Aserbaidschan-Buddys zeichnen andere verantwortlich. Und doch steht Laschet, der auch Kanzlerkandidat der Union werden will, vor einem Problem: Er muss die Tage bis Pfingsten überstehen. Dann ist er durch.

Andersrum muss sein stärkster Wettbewerber jetzt handeln. Für Markus Söder öffnet sich nun das Zeitfenster, seine eigenen Ambitionen öffentlich zu machen, sich zum weißen Ritter aufzuschwingen und die angeschlagene Union zu retten. Oder so ähnlich. Bayerns Ministerpräsident hatte sich einmal für Fasching als Shrek verkleidet. Nun aber muss er in die Garderobe greifen und sich in dessen Widersacher Prinz Charming verwandeln.

Jetzt wird es schön

Denn Söder will Kanzler werden. Den angeblich schönsten Job, nämlich Herr aller Bayern, hat er ja nun schon eine Weile inne, und an Ehrgeiz mangelte es ihm nie. Bis jetzt hieß es für ihn abzuwarten, nicht als vorpreschender Heißsporn abgewatscht zu werden; hat Laschet als CDU-Parteichef doch im Grunde das Recht auf den ersten Griff nach der Kandidatur.

Nur wenn viele in der Partei überzeugt sind, dass Laschet es nicht bringt, dass die Krise zu groß und Söder auch – erst dann werden sie in München anklingeln.

Für solch einen Anruf braucht es zwei Dinge. Zum einen darf die CDU nicht allzu sehr in einen Abwärtstrend taumeln, denn für eine aussichtslose Zählkandidatur wird sich Söder nicht die Hände schmutzig machen. Doch so weit wird es mit der Union nach jetzigem Stand nicht kommen. Eine Chance, das Kanzleramt zu verteidigen, wird sie allemal haben.

Und zum anderen braucht Söder eine Erzählung, mit der er uns von sich überzeugt. Warum sollte er der wahre Prinz sein? Kann er sich tatsächlich als neue Alternative präsentieren, er, der vor über 27 Jahren Landtagsabgeordneter wurde?

Söder wird sich etwas einfallen lassen müssen. Er wird ein Programm zeigen, das Laschet bisher nicht hat. Er wird Grüne und FDP heftig umschmeicheln und die Geschichte unters Volk bringen, dass er das Beste und die Besten aus ihnen und der Union zusammenführen wird. Zuversicht und Hoffnung wird er ausstrahlen, Führungsstärke sowieso.

Einer muss es ja machen

All dies beginnt jetzt. Kommt Söder nun nicht aus der Deckung, wird Laschet Kanzlerkandidat. Und Söder benötigt eine gute Story. Er wird darauf achten müssen, dass er als Unionsaufrichter wahrgenommen wird. Leicht und schwierig zugleich wird ihm dabei, dass sich ein allgemeiner Überdruss mit der CDU derzeit breitmacht. Dies liegt weniger an korrupten Pandemiegewinnlern oder an Lobpreisungen eines Regimes aus zweifelhaften Gründen, sondern mehr daran, dass die CDU nun sehr lange „dran“ war, an der Macht. 

Am liebsten würden die Deutschen Angela Merkel weiterhin als Kanzlerin sehen, aber andererseits können viele sie nicht mehr sehen. Gegen diesen Trend anzukämpfen, kommt für Söder einem Ritt gegen Windmühlen gleich. Aber er ist ein hervorragender Märchenerzähler. Auf seine Stunde können wir gespannt sein.

Video: Söder warnt vor Mehrheiten jenseits der Union