Kommentar: Jetzt wird es still

Jan Rübel
·Reporter
·Lesedauer: 2 Min.
Medizinisches Personal eines provisorischen Corona-Krankenhauses in Berlin bei einer Feuerwehrübung (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)
Medizinisches Personal eines provisorischen Corona-Krankenhauses in Berlin bei einer Feuerwehrübung (Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch)

Der Lockdown wird „hart“. Die Straßen entleeren sich. Gearbeitet, gelitten und gestorben wird still. Welch eine Bescherung.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Zu Weihnachten gibt es alle Jahre wieder die Appelle, nun zur Besinnung zu kommen. Ich glaube, die brauchen wir diesmal nicht. Es geschieht genug, um innezuhalten.

Auch die Stille hat viele Stimmen. Die gewohnten Bilder verdrängt Neues: Weniger los da draußen, Geschäfte geschlossen, Rückzug in die eigenen vier Wände – und bei den einen ist es wirklich still, bei den anderen dagegen wegen der Familie ganz laut. Es ist anders.

Wir erleben eine erzwungene Besinnung. Die massiven Infektionszahlen, die horrenden Todesmeldungen wegen Covid-19 lassen nichts anderes zu. Ist noch jemandem nach Polonaise, wie zuletzt im November in den Straßen Leipzigs? Oder vielleicht doch eher nach einem nachdenklichen Schluck hausgemachten Glühweins an der Küchenheizung?

Desinteressiertes Virus

Bei der Post arbeiten sie still und im Akkord. Die betriebliche Weihnachtsfeier ist auch ausgefallen, dafür türmen sich die Pakete. Bei den anderen Zustellern, zu geringeren Löhnen angestellt, arbeiten sie noch mehr. Pfleger und Ärzte in den Krankenhäusern eilen stumm von Bett zu Bett, es gibt nicht nur Corona, aber das auch: Intensivstationen in diesen Tagen ähneln einem Stau auf der Autobahn.

Covid-19 macht keinen Unterschied zwischen den Menschen. Das Virus interessiert nicht, ob jemand es leugnet, es als Grippe verharmlost oder sich vor ihm fürchtet, als habe der Beelzebub es geschickt. Es befällt sie alle, es ist meist Schicksal, und manchmal arg herausgefordert, dieses Schicksal.

Auch ermüdete Reaktionen gibt es. Ein Arzt erzählt auf einer Pressekonferenz, ein „bekannter Querdenker“ habe sich infiziert, man habe ihn intubieren müssen. Eigentlich gibt es für seinen Beruf die Schweigepflicht, aber eigentlich ist in diesen Tagen ein zuweilen komisches Wort geworden. Und dann tauchen Gerüchte um den Tod eines AfD-Lokalpolitikers auf, auch er ein kräftiger Leugner der Gefährlichkeit des Corona-Virus. Die Familie beruft sich auf ihr gutes Recht, über die Todesursache zu schweigen, Boulevardmedien indes hauten bereits raus, es sei Corona gewesen; die Stadträte seiner Heimatstadt haben Stillschweigen beschlossen. Warum soll man auch darüber reden? Der Tod bleibt privat.

Der Tunnel und das Licht

Interessant indes sind die Reaktionen von Seiten der „Querdenker“, die sich peinlich bemühen darauf hinzuweisen, dass es bei ihren Demonstrationen zu keinen „Spreader-Events“ gekommen sei – als ob damit die Meldung vom intubierten Querdenker oder der Tod des AfD-Politikers, der auch demonstrierte, damit aus der Welt wären. Es ist unerheblich, wo man sich ansteckt. Jedenfalls für sich und für das Virus. Das nimmt, was es kriegt.

Kommentar: Sag mal, Deutschland

Bleibt der Wille, durchzuhalten. Alles endet, auch diese Pandemie. Aus Weihnachten etwas Schönes zu machen, irgendwie. Sollte schon klappen, so besonnen, wie uns Corona mittlerweile gestimmt hat. Und stille Nacht ist eh.

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