Kommentar: Kovac stellt sich mit seinen Aussagen ins Abseits

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Niko Kovac hat vor der Partie des FC Bayern München gegen den VfL Bochum in der 2. Runde des DFB-Pokals mit einem merkwürdigen Vergleich abermals für Aufsehen gesorgt. Der Trainer will oft schlagfertig sein, stellt sich mit seinen Aussagen aber eher ins Abseits. Ein Kommentar.

Niko Kovac fällt mit unüberlegten Aussagen auf. (Bild: Getty Images)

“Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn man nur 100 schafft. Man muss das anpassen, was man hat”, sagte Kovac auf der Pressekonferenz zur Bochum-Partie. Das ist nicht unbedingt falsch. Nur bezog sich Kovac nicht auf Zweitligist Bochum, als er diese Sätze formulierte.

Vielmehr wurde Kovac zu einem Vergleich zwischen Liverpool und dem FC Bayern befragt. Seine Antwort: Der FCB könne aktuell gar nicht den gleichen Fußball spielen wie der Champions-League-Sieger, weil er dafür nicht die richtigen Spieler hätte.

Bei den eigenen Spielern, öffentliche Aussagen des Trainers erhalten in den meisten Mannschaften eine hohe Aufmerksamkeit, dürfte das für Verwunderung gesorgt haben. Der Trainer scheint dem eigenen Team nicht viel zuzutrauen - selbst wenn es sich nur um einen verbalen Ausrutscher handelte.

Kovac fiel erst kürzlich mit unüberlegter Aussage zu Müller auf

Das Problem: Kovac passieren derartige Ausrutscher immer wieder. Man denke etwa zurück an seine unüberlegte Aussage, die Thomas Müller die Rolle des Notnagels zuteilte. Oder an seine öffentliche Kritik an “individuellen Fehlern” in der Defensive.

Der Trainer muss sich öffentlich keinen Maulkorb verpassen und auch keine derart inhaltslosen Pressekonferenzen wie der traditionell sehr zurückhaltende Lucien Favre abhalten. Sehr wohl aber sollte Kovac sich der Wirkung und Tragweite seiner Worte besser bewusst sein.

Überspitzt gesagt steckt der FC Bayern seit dem Amtsantritt des Kroaten in der Krise. In Zeiten der Krise passen Unternehmen ihre Kommunikation an und so sollten es auch Bundesliga-Vereine, und damit auch die Trainer, die oft genug als Sprachrohr fungieren, ihren öffentlichen Auftritt anpassen.



Kovac muss besser auf seine Worte achten

Kovac scheint sich nicht bewusst zu sein, dass jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt wird. Seine Äußerungen werden genau beobachtet, weil der FC Bayern nicht nur Gegenstand großen öffentlichen Interesses, sondern natürlich auch das ausgesuchte Feindbild aller konkurrierenden Bundesligisten ist.

Unüberlegte Aussagen wie der Autobahnvergleich vom Montag sind nur neuer Zündstoff für die ohnehin schon nicht endenden Debatten um Spielstil, Ergebnisse und Zusammenhalt beim FC Bayern. Kovac sägt damit an seinem eigenen Stuhl - und dürfte auch in der Mannschaft nicht gut ankommen.

Gerade öffentlich ist es wichtig, dass Trainer und Spieler eine Einheit darstellen. Der FCB-Coach war zuletzt aber vermehrt damit aufgefallen, sich von der Mannschaft zu distanzieren. Das kann kein Vertrauen bringen. Was hätte der Trainer gedacht, hätte ein Spieler gesagt: “Man kann auf der Autobahn nicht 200 km/h fahren, wenn der Fahrer nicht Gas gibt”?

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