Kommentar: Trump inszeniert sich als lieber Onkel

Donald Trump geht gerne mit Rapper Kanye West auf Tuchfühlung (Bild: Ron Sachs/Consolidated News Pictures/Getty Images)

Der US-Präsident kritisiert mal wieder die Schweden – und erhofft sich dadurch Zuspruch bei Afroamerikanern und HipHop-Fans. Er hat es auch nötig.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Jedes Pendel schwenkt mal um, und so dachte sich Donald Trump, dass er nach den Wochen rassistischer Ergüsse gegen alle möglichen nicht-weißen Personengruppen auch mal was Nettes zu ihnen sagen müsse. Er tat das, indem er als Kollateralschaden ein ganzes Land disste – aber, Leute, es handelt sich um Trump, der kann womöglich nicht anders.

Zuerst nahm sich der US-Präsident seinen schwedischen Amtskollegen vor. Er sei "sehr enttäuscht" von Ministerpräsident Stefan Löfven wegen dessen Handlungsunfähigkeit, schrieb Trump auf Twitter. Nun, es kann ja nicht jeder so wirkmächtig sein wie Don. Dann stimmte er den Jammerton an. "Schweden hat unsere afroamerikanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten im Stich gelassen."

Und warum? Es geht um Rapper A$AP Rocky, der in Schweden inhaftiert ist, er wird der Körperverletzung angeklagt; Filmaufnahmen zeigen, wie er auf offener Straße einen Mann zusammenschlug. Nun ist der Musiker recht bekannt, und er hat bekannte Freunde. Die klopften bei Trump an, denn der Herr im Weißen Haus geht gern eigene Wege. Also rief Trump in Stockholm an, die sollten das mal schnell regeln, bittschön. Die Hochachtung Trumps vor funktionierenden Rechtsystemen ist schließlich Legende.

Da die Schweden lieber ihr Rechtssystem behalten wollen, anstatt dem Grobian von der anderen Seite des Teichs einen Gefallen zu tun, taten sie ihm einen anderen: Nun inszeniert sich Trump als Fürsprecher der “afroamerikanischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten”, die er in seinem Tweet allein gelassen sieht. Er hat schon schlimmere Witze gemacht.

Wer Trump zum Buddy hat

Das Kalkül ist klar: Zum einen ist seine Intervention ein Paradebeispiel für Trumps Buddypolitik. Kim Kardashian und ihr Mann Kanye West sind seine Freunde und wollen was? Kriegen sie! Und zum anderen hofft Trump auf Zuspruch aus einem Lager, das ihn zunehmend verachtet: eben Afroamerikaner (der inhaftierte Rapper ist einer) und HipHop-Fans.

Afroamerikaner sind mehrheitlich keine Anhänger seiner Politik. Und unter Hiphoppern war Trump vor vielen Jahren als Geschäftsmann durchaus beliebt, er galt Junge mit dicker Hose, der es zu etwas gebracht hat, und große Klappen sind im Rap auch gern gesehen. Doch seitdem Trump in die Politik gegangen ist, hat sich das Verhältnis spürbar abgekühlt; Kanye West ist ein verspottetes Beispiel für die Ausnahme, welche die Regel bestätigt: Einen Rassisten wie Trump mag man halt nicht.

A$AP Rocky ist derzeit in Schweden inhaftiert (Bild: Andrew Chin/Getty Images)

Dabei hat Trumps Umgang im Fall des in Schweden inhaftierten Rappers typisch paternalistische Züge: Von oben herab will er dem armen Kerl mal auf die Beine helfen. Er ist der gute Onkel, der sich großzügig kümmert. Er entscheidet, wann er beispringt und wann nicht. Dieses System setzt auf Hierarchien - und hat bei Trumps Tradition.

Afroamerikaner wurden als Mietbewerber in den staatlich finanzierten Wohnungen der Trump-Familie systematisch abgewiesen, daher wurden Vater und Sohn schon 1973 vom Justizministerium verklagt. Oder die Affäre um die “Central Park Five” von 1989: Fünf afroamerikanische Jugendliche wurden angeklagt, eine weiße Joggerin in New York brutal vergewaltigt zu haben. Auf ganzseitigen Zeitungsinseraten forderte Donald Trump die Todesstrafe für die Gruppe. Zwar kam bald heraus, dass sie unschuldig waren, aber Trump blieb stur, Fehler einsehen ist nicht seine Stärke. Noch im Wahlkampf 2016 sagte er: “Sie sind schuldig. Das haben sie bei ihrem ersten Polizeiverhör auch zugegeben.”

Eine lange Liste

Es gibt zahllose Berichte von Angestellten im Trump-Imperium, die Trumps Rassismus dokumentieren. Trump sieht die Weißen oben und die Schwarzen unten, unverrückbar.

Trump war auch Lautsprecher der “Birther”-Tiraden, welche Barack Obama verunglimpften und an der nachgewiesenen Lüge festhielten, Obama sei nicht als amerikanischer Bürger geboren worden und sei Muslim (als wäre beides schlimm, aber man kann ja nicht jeden Unsinn kommentieren).

Afroamerikanische Aktivisten übrigens, die gegen Polizeigewalt protestierten, sind in den Augen Trumps Polizistenhasser. Und der afroamerikanische Football-Spieler Colin Kaepernick, der aus Protest gegen Polizeigewalt vor dem Sternenbanner nicht stehen wollte, galt Trump als “Hurensohn”.

Die Liste ließe sich lange weiterschreiben. Für Angehörige kleinerer Gruppen in der amerikanischen Gesellschaft ist Trump ein besonders schlechter Präsident, sie müssen sich hintenanstellen.

Und noch ein Worte zum Rapper A$AP Rocky: Ich bin kein Jurist, hab Vertrauen in die schwedische Rechtsprechung und kann nach mehrmaligem Anschauen des Videomaterials, auch des von ihm selbst geteilten, keine bedrohliche Situation für ihn und seine Begleiter erkennen, die dann am Ende ordentlich feige auf einen nicht wirklich groß und gefährlich wirkenden Mann einprügeln. Alles weitere bespricht das Gericht.