Kommentar: Trump macht auf Thanos – er faselt über eine Auslöschung Afghanistans

Bei einem Pressetermin mit Pakistans Premier Imran Khan ließ Trump seinen Vernichtungsfantasien freien Lauf (Bild: Reuters/Jonathan Ernst)

Der US-Präsident rühmt sich gern. Nun spricht er von seiner Fähigkeit, mal eben kurz 10 Millionen Menschen zu töten, binnen zehn Tagen. Will er natürlich nicht. Vielen lieben Dank, Mr. President.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Der Zeitpunkt ist längst vorüber, an dem man sich an den Kopf fasste und fragte: Hat er das wirklich gesagt? Denn Donald Trump gelingen tatsächlich Superlative zwischen Dummheit und Bosheit, jede Woche neu. Es ist sein System. Er will uns alle an die Wand labern. Irgendwann lassen wir ihn gewähren, weil wir einfach nicht mehr können.

Wollen Sie das neueste Bonmot von ihm lesen? Muss nicht sein, das Leben ist schon hart genug, und ein Trump am Morgen vertreibt gewiss keine Sorgen. Sie machen weiter? Okay, am vergangenen Montag empfing der Präsident im Weißen Haus zuerst einen Staatsmann und dann die Presse – das ist eine toxische Mischung, die Trump zu Hochform auflaufen lässt. Er sprach über Afghanistan.

„Wenn wir einen Krieg in Afghanistan führen und gewinnen wollten, könnte ich diesen Krieg in einer Woche gewinnen. Ich möchte nur nicht zehn Millionen Menschen töten.“

Da zeigte einer seine Muskeln. Doch wie kam Trump darauf? Gerade stecken die USA, mal wieder, in Friedensgesprächen mit den radikalislamischen Taliban, weil irgendwann auch der letzte Depp merken wird, dass eine Lösung am Hindukusch kaum gegen eine leider so mächtige Gruppierung wie die Taliban möglich ist. Doch was amerikanische Politik praktisch macht und was der Präsident so redet, das sind oft zwei verschiedene Paar Schuhe.

Ein guter Arzt wäre Trump nicht

Zurück zum Muskelspiel. Denn Trump illustrierte durchaus, was er unter „gewinnen“ versteht, nämlich eine Lösung gemäß des alten Witzes „Operation gelungen, Patient tot“, nur dass es diesmal um eine Anzahl von Menschen ginge, die unfassbar ist: „Ich habe Pläne zu Afghanistan, wenn ich also diesen Krieg gewinnen wollte, würde Afghanistan vom Gesicht der Erde gewischt. Es wäre vorbei, buchstäblich in zehn Tagen. Und ich will das nicht tun. Ich will diesen Weg nicht gehen.“

Macht es Sinn, über die Psyche dieses Menschen zu mutmaßen? Dass Trump sich tödlicher Macht rühmt? Dass er Lob dafür erwartet, nicht als der größte Massenmörder der Geschichte einzugehen? Und glaubt er in seinem Deal-Gefasel, er würde damit einen einzigen der Taliban nur halbwegs beeindrucken und einen Deut in Richtung einer vom Weißen Haus gewünschten Politik rücken? Nein, das macht alles keinen Sinn.

Der langjährige US-Einsatz in Afghanistan ist nicht nur Trump ein Dorn im Auge (Bild: Reuters/Parwiz)

Wovon Trump spricht, ohne es beim Namen zu nennen, ist der „Gebrauch“ von Atomwaffen, er redet von der nuklearen Auslöschung eines Landes, mit Millionen von Zivilisten, allesamt nicht schuldig wegen irgendetwas. Trump war lediglich Trump. Kein Berater aus dem Pentagon wird ihm geraten haben: Geh da raus und wedele mit einer fetten Rakete. Trump wird, bei den kurzen Briefings, die er erlaubt und in der Lage ist anzuhören, von theoretischen Plänen gehört haben, die das US-Militär für jeden erdenklichen Fall in der Schublade hat; neben dem einer Attacke von Marsianern liegt der eines nuklearen „Erstschlags“ am Hindukusch.

Trump fabuliert also wie Thanos in der Avengers-Filmserie von Marvel, der mal eben zwecks besseren Klimas die Bevölkerung des Universums um die Hälfte reduziert.

Rechts reden, links laufen

Trump nimmt das Schlimmste in den Mund, um dann umschmeichelt werden zu wollen, wenn er dieses Schlimmste nicht wahr werden lässt. Nebenbei vergiften seine Wörter weiterhin die Erde. Er redet über einen Massenmord an Menschen eines Landes, mit deren Regierung er verbündet und gar befreundet ist. An diesem Beispiel ist klar zu erkennen, was Trump unter Freundschaft versteht.

Hintergründig mag es ihm darum gehen, die US-Soldaten, die seit vielen, vielen Jahren in Afghanistan stationiert sind, abzuziehen. Er findet deren Präsenz dort nervtötend, aufwändig, wenig effektiv und potenziell störend. Mit all dem hat er auch recht. Afghanistan hat das internationale militärische Engagement nicht gutgetan, trotz aller Lügen auch hier in Deutschland, die man sich in die Tasche erzählt. Militärische Lösungen hat es in Afghanistan bisher nie gegeben, und Kriege gab es dort eine Menge, da war der seit 2001 nur das letzte Glied in einer engen Kette. Gelernt wurde daraus nicht.

Daher ist Trump zu unterstützen, wenn er weniger das Militär und mehr die Politik dort machen lassen will. Doch dieses vordergründige Thanos-Gehabe ist eine weitere Fußnote seiner abgründigen Präsidentschaft.