Können Tiere lachen?

Johannes Giesler
Freier Autor
Kennst du den schon? Affen lachen viel und gern - es ist ein sozialer Kitt, um die Gruppenzugehörigkeit zu stärken. Foto: Symbolbild / gettyimages DLILLC / Corbis / VCG

Gackern wie ein Huhn, sich freuen wie ein Schneekönig oder wiehern wie ein Pferd – wieso bedienen sich eigentlich so viele Redewendungen an tierischen Lauten? Können Tiere wirklich lachen oder ist es dem Menschen allein vorenthalten, seiner Freude so Ausdruck zu verleihen?

Oftmals kommt es aus dem Nichts: Ein Witz, eine lustige Situation, ein schräger Moment genügt und wir lachen los. Laut, prustend, in uns hinein – jeder Mensch lacht anders und doch lachen wir alle. Was aber ist Lachen? „Wissenschaft.de“ schreibt, dass Lachen in allen „Kulturformen des Menschen ein wichtiges Ausdruckselement der emotionalen Kommunikation“ ist. Lachen zeichnet sich durch eine Kombination aus Körpersprache und Lautinformation aus, dazu gehören nach oben gezogene Mundwinkel, freigelegte Zähne, halbgeschlossene Augen und „stakkato-artige stimmhafte Laute“.

Zwei Arten des Lachens

Laut der US-amerikanischen Forschungseinrichtung „Smithsonian“ gibt es zwei unterschiedliche Gründe, die uns zum Lachen bringen: Da ist zunächst die „komplexe soziale Interaktion“, die eine gewisse Intelligenz und einen Sinn für Humor benötigt, um als lustig empfunden zu werden – wie ein Witz etwa. Zweitens lachen Menschen auch als Reaktion auf eine Stimulation – wenn wir beispielsweise gekitzelt werden.

Die Forschung ist sich nun relativ sicher, dass Tiere auf jeden Fall zu der zweiten Form des Lachens fähig sind. So schreiben die „Stuttgarter Nachrichten“, dass sich unsere evolutionsgeschichtlich nahen Verwandten, die Bonobos und Schimpansen, gegenseitig kitzeln und dabei „glucksende Laute ausstoßen“. Im Gespräch sagt der Karlsruher Biologe Mario Ludwig: „Bei allen Menschenaffenarten kann man mit einer Kitzelattacke ein fröhliches Lachen auslösen.“ Gorillas und Orang-Utans lachen zwar stiller – mit „stimmlosen Kicher- und Keckerlauten“ – und doch lachen sie.

Die Psychologin Marina Davila-Ross erklärt in der „BBC“, dass sich Affen beim Spielen gegenseitig kitzeln und lachen, um ihre sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe zu stärken. Lachende Affen gibt es zudem schon sehr lange – Davila-Ross‘ Forschung deutet darauf hin, dass Vertreter einer alten Affen-Spezies bereits vor 13 bis 16 Millionen Jahren gelacht haben. Im Laufe der Zeit habe Lachen zudem eine immer größere Rolle in der Kommunikation miteinander gespielt.

Freude über die gelöste Aufgabe

Doch nicht nur Affen sind dazu in der Lage. „Wenn wir Lachen als Ausdruck von Lust und Lebensfreude interpretieren, gibt es mit Sicherheit Tiere, die zu dieser Gefühlsregung in der Lage sind“, sagt Biologe Ludwig weiter in der Stuttgarter Zeitung. Demnach stießen auch Ratten, wenn man sie kitzelt, hohe Pfeiftöne aus. Die liegen allerdings außerhalb des menschlichen Hörbereichs. Dennoch: Experimente haben gezeigt, dass Ratten den kitzelnden Menschen hinterherlaufen – was darauf hindeutet, dass es die Nager als angenehm empfinden.

Der „lachende Büffel“, wie der Spitzname für das „amerikanische Bison“ lautet, neigt ebenfalls zu Freudenlauten, wenn er zum Spaß über zugefrorene Eisflächen schlittert. Das bekannte Delfin-Schnattern interpretieren Forscher ebenfalls als Freude – da es die klugen Säugetiere ausstoßen, wenn sie gefüttert werden. Der „Bayerische Rundfunk“ schreibt zudem, dass Delfine ebenfalls lachen, wenn sie eine ihnen gestellte Aufgabe gelöst haben.

Lachen im engeren Sinn ist also dem Menschen und seinen sehr nahen Verwandten vorenthalten. Wer Lachen allerdings als einen einfachen Ausdruck der Freude versteht – dann lachen auch Tiere oft und gern.