Kreuzfahrten und Natur: Die unkalkulierbaren Umweltschäden einer boomenden Industrie

Kreuzfahrten sind ein boomender Zweig der Tourismusindustrie. Von Jahr zu Jahr befahren immer größere und mehr Schiffe die Ozeane dieser Welt. Anbieter locken dabei mit ausgefallenen Angeboten an Bord und mit Reisen zu immer exotischeren Orten. Doch die Branche hat auch eine Schattenseite. Leider sind die Ozeanriesen eine nicht zu verachtende Gefahr für die Umwelt und könnten auf lange Sicht die Paradiese zerstören, zu denen sie im Moment noch unterwegs sind. Das Problem ist so gravierend, dass manche Anbieter inzwischen alles daran setzen, die negativen Auswirkungen ihrer Schiffe zu reduzieren. 

Warum gewinnen Kreuzfahrten zunehmend an Popularität? Der Grund sind die günstigen Angebote vieler Anbieter, durch eine stetig steigende Anzahl an Schiffen. Außerdem begeistern sich immer mehr Menschen für diese besondere Form des Urlaubs.  Statistiken gehen davon aus, dass die Branche im Jahr 2020 circa 28,5 Millionen Menschen über die Meere befördern wird. Viele dieser Passagiere fühlen sich von Luxus und einem Hauch Abenteuer einer Kreuzfahrt angezogen, sind sich aber nicht im Klaren darüber, dass diese Form des Urlaubs durchaus ihre Schattenseiten hat.

Überall auf der Welt warnen Wissenschaftler vor einem schnellen Voranschreiten des Klimawandels. Doch oft wird dieser nur mit fossilen Brennstoffen und der Verschmutzung durch die Industrie in Verbindung gebracht. Kreuzfahrtschiffe werden von den meisten Menschen nicht als eine Bedrohung für das Klima wahrgenommen.

Doch Berichten zufolge stoßen einzelne Schiffe pro Tag so viele Abgase aus, wie eine Millionen Autos. Die große Menge der Abgase entsteht durch das Schweröl, das in Schiffsmotoren verbrannt wird.  Ein Schiff verbrennt rund 150 Tonnen Schweröl am Tag. Die dabei ausgestoßenen Abgase verschmutzen die Luft in einem kaum vergleichbaren Ausmaß. Die Abgase enthalten Schwefeldioxid und Stickoxide. Diese chemischen Verbindungen sind unter anderem für die Bildung von saurem Regen verantwortlich, der den Säuregehalt von Wasser ansteigen lässt und das Leben in den Weltmeeren bedroht. 

Doch die Ozeanriesen stoßen nicht nur gefährliche Abgase aus. Auch Abwasser wird direkt ins Meer abgelassen. Einer Studie der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde zufolge produziert ein Kreuzfahrtschiff mit 3.000 Passagieren innerhalb einer Woche 794.850 Liter Abwasser, 3.785 Liter Grauwasser, 95.000 Liter öl- und kraftstoffhaltiges Bilgenwasser, 568 Liter Sonderabfälle und acht Tonnen Hausmüll. Dieselbe Studie kam zu dem Ergebnis, dass Kreuzfahrtschiffe für 77 % der Verschmutzung durch den weltweiten Schiffsverkehr verantwortlich sind. Eine andere Studie der NGO Friends of the Earth, die sich zum Ziel gesetzt hat, auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen, schätzt, dass bei Kreuzfahrten jedes Jahr circa 4,54 Milliarden Liter Abwässer in die Weltmeere gepumpt werden.

Bilgenwasser ist Abwasser, das sich im Schiffsrumpf sammelt. Es entsteht durch eintretendes Wasser oder Kondensation, insbesondere von der Klimaanlage. Oft enthält Bilgenwasser Öl und Kraftstoffe. Eigentlich sind Schiffe dazu verpflichtet, dieses verschmutzte Wasser im Hafen zu entsorgen. Daran halten sie sich aber nicht immer. Der Guardian berichtete, dass das Unternehmen Princess Cruises im Jahr 2016 zu einer Geldstrafe von 40 Millionen Dollar verurteilt wurde, weil Schiffe der Reederei Bilgenwasser im Meer entsorgten. Das Unternehmen ist aber nicht die einzige Reederei, die diese Praktik betreibt, um Geld zu sparen.

Ballastwasser, das in großen Tanks im Schiffsrumpf mitgeführt wird, um die Stabilität auf See zu gewährleisten, stellt eine weitere große Gefahr für die Umwelt dar. Die Schiffe nehmen in der Regel Ballastwasser kurz vor der Abfahrt im Hafen auf. Bei der Ankunft im nächsten Hafen wird das Wasser wieder abgepumpt. So werden invasive Pflanzen- und Tierarten sowie Viren und Bakterien von einem Ort zum nächsten befördert. Diese Schädlinge bedrohen oft die einheimische Tier- und Pflanzenwelt. 

Damit hört es aber noch nicht auf. Durch menschliche Fäkalien gelangen Krankheitserreger und Bakterien wie Kolibakterien, Hepatitiserreger und Salmonellen in das Meerwasser. Diese werden wiederum von Fischen und Meereslebewesen aufgenommen und gelangen in die menschliche Nahrung. Außerdem führen die großen Mengen an Abwasser zu einer Eutrophierung der Meere – einer Anreicherung von Nährstoffen, da die Abwässer große Mengen an Phosphor und Stickstoff enthalten. Diese Nährstoffe bedingen ein erhöhtes Algenwachstum, was wiederum dem Wasser Sauerstoff entzieht. Dadurch sterben andere Meerestiere, die in dem betroffenen Gebiet leben.

Leider gibt es bisher kaum internationale Standards für die Abfallentsorgung auf Kreuzfahrtschiffen. Sobald die Schiffe einige Kilometer von der Küste entfernt sind, dürfen Abwässer und Abfälle ohne Aufbereitung entsorgt werden. Die Meeresströmungen verteilen diese im Ozean und sorgen dafür, dass der Müll wieder die Küste erreicht. Und selbst Schiffe, die über ein Abwassersystem verfügen, erfüllen nur ein Mindestmaß an Anforderungen. Das aufbereitete Wasser ist oft kaum weniger schädlich als nicht aufbereitetes Abwasser. Die US-amerikanische Umweltschutzbehörde berichtete im Jahr 2009: „Abwassersysteme des Typs II sind nicht geeignet, um die Standards der Behörde im Bezug auf Abwässer zu erfüllen. Sie reichen deshalb nicht aus, um die US-amerikanischen Küstengewässer zu schützen.“

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Die großen Umweltschäden, die Kreuzfahrtschiffe verursachen, sind mittlerweile zumindest manchen Unternehmen nicht mehr egal. Derzeit werden verschiedene Möglichkeiten getestet, um die negativen Auswirkungen zu reduzieren. 

Ein kleiner Teil der Abgase kann eingespart werden, solange Schiffe sich im Hafen befinden. Hierzu muss das Schiff mit dem Stromnetz verbunden werden, um es mit Energie zu versorgen. Allerdings fehlt es in den meisten Häfen an der nötigen Infrastruktur. Die Reedereien müssten selbst in den Ausbau der Stromnetze investieren und sich dabei mit den Häfen zusammentun.

Einige Schiffe verfügen inzwischen über Solarpanels, mit denen ein Teil des Energiebedarfs gedeckt werden soll. Dadurch können Treibstoffverbrauch und Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden.  Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Biokraftstoffen, um den Abgasausstoß zu verringern. Außerdem werden so die negativen Folgen von austretenden Kraftstoffen auf hoher See reduziert. Spezielle Dual-Fuel-Motoren erlauben die Einhaltung von strikten Umweltstandards. Diese Motoren stoßen weniger CO2 aus und produzieren sauberere Abgase als gewöhnliche Schiffsdiesel.

Ein Kreuzfahrtschiff kann bis zu sieben Tonnen Abfall am Tag produzieren. Die Menge kann aber reduziert werden, wenn auf recycelbare Materialien geachtet und der Müll erst im Hafen fachgerecht entsorgt wird. Neuere Abwassersysteme können Bilgenwasser, Ballastwasser und andere Abwässer reinigen. So lassen sich umweltschädliche Keime und Bestandteile eliminieren. Inzwischen sind einige Reedereien dazu übergegangen, hoch entwickelte Abwassersysteme zu verwenden und Wasser erst im Hafen zu entsorgen.

Zum Glück hat bei vielen Anbietern inzwischen ein solches Umdenken eingesetzt. Viele Reedereien sind sich der Umweltbelastung durch Kreuzfahrtschiffe bewusst und rüsten ihre Flotte um. Trotzdem sollte bei jeder Buchung darauf geachtet werden, welche Standards die Schiffe erfüllen.