Krokodilsküsse in Costa Rica: Riskante Show für Touristen

Juan Cerdas und sein schuppiger Kusspartner. (REUTERS/Juan Carlos Ulate )

Es ist sicher nicht die einfachste Art, Geld zu verdienen. Fremdenführer Juan Cerdas traut sich zur Belustigung von Touristen ganz nah an die Bewohner des Tarcoles-Flusses in Costa Rica heran.

Der Fluss Tarcoles schlängelt sich über 111 Kilometer durch die Vulkanhänge der Cordillera Central im Süden Costa Rica. Das schlammbraune Gewässer ist aber vor allem deshalb berühmt, weil es eine der dichtesten Krokodilbevölkerungen weltweit aufweist. Das lockt zahlreiche Touristen zum “Crocodile Watching” an, so auch in der Provinz Puntarenas, wo Juan Cerdas als Krokodil-Guide arbeitet.

Per Bootstour können auch die Besucher aus der ganzen Welt den Krokodilen ziemlich nah kommen. Wer es lieber sicher mag, bleibt auf der inzwischen als “Puente de cocodrilo” - “Krokodilsbrücke” bekannten Brücke über den Tarcoles. Direkt unterhalb der Brücke trauen sich Männer aus dem nahegelegenen Dorf ans Ufer, um den Touristen für ein bisschen Trinkgeld ein Schauspiel mit den Tieren darzubieten - in dem Ort gibt es wenige alternative Verdienstmöglichkeiten.

Zu diesen Waghalsigen gehört auch Juan Cerdas. Zwar sagt Cerdas, es sei eines seiner Hobbys, die Tiere aus dem Wasser zu locken und ihnen zum schaurigen Vergnügen der Touristen einen Kuss zu geben. Zugleich ist es aber auch die einzige Möglichkeit für den 27-jährigen, seinen Unterhalt zu verdienen.

Mit Fleischködern lockt Cerdas die Tiere ans Ufer unter der "Krokodilbrücke". (REUTERS/Juan Carlos Ulate)

Freunde brachten ihm die Technik für die Krokodilschau bei: Mit Fleischködern lockt Cerdas die Krokodile ans Ufer, wo sie ihm das Futter aus den Händen schnappen. Dann geht er noch einen Schritt weiter, um ein möglichst spektakuläres Schauspiel zu bieten, und kommt den großen Raubtieren bei seinen Küssen gefährlich nahe. Dem Fernsehsender ntv sagte Cerdas: “Das Krokodil ist in seinem Revier, das ist nicht wie in einem Gehege, wo man ein bisschen Fleisch hinwirft.”

Die Begegnungen seien zwar zum Teil ganz schön furchteinflößend doch: “Die Tiere sind längst nicht so aggressiv, wie uns immer erzählt wird,” findet Cerdas, der auch als Fremdenführer arbeitet. Das Füttern der Krokodile ist in Costa Rica allerdings eigentlich illegal, da es das Jagdverhalten der Tiere verändert und so Einfluss auf das Ökosystem des Flusses nehmen könnte.

Wissenschaftlich heißen hier ansässigen Spitzkrokodile “Crocodylus Acutus” und kommen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent vor. Von Florida bis Venezuela kann man den Tieren begegnen, zumeist in salzhaltigen Küstengewässern. Die größten Exemplare können über sechs Meter lang werden und knapp eine Tonne wiegen. Angriffe auf Menschen sind ziemlich selten, vor allem aus Mexiko wurden in den vergangenen Jahren hin und wieder teils tödliche Zwischenfälle vermeldet.

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