Lagarde: EZB wohl bis Ende September raus aus Negativzinsen

(Bloomberg) -- Die Europäische Zentralbank wird wahrscheinlich im Juli mit der Anhebung der Zinsen beginnen und Ende September den Minusbereich verlassen, sagte Präsidentin Christine Lagarde.

“Ich erwarte, dass die Nettokäufe im Rahmen des APP sehr früh im dritten Quartal enden”, sagte sie am Montag in einem Blogbeitrag. “Dies würde uns bei unserer Sitzung im Juli eine Zinserhöhung ermöglichen, die unseren Leitlinien entspricht. Basierend auf dem aktuellen Ausblick dürften wir in der Lage sein, bis zum Ende des dritten Quartals aus den Negativzinsen auszusteigen.”

Mit einer Inflationsrate auf dem beinahe vierfachen Niveau des EZB-Ziels von 2% hat sich im EZB-Rat eine Dynamik für eine baldige Anhebung des Einlagensatzes entwickelt. Das derzeitige Niveau von minus 0,5% dürfte im Juli erhöht werden, wobei Lagardes Kommentar auf zwei Schritte von jeweils 25 Basispunkten im Juli und September hindeutet.

Während der niederländische Zentralbankchef und Falke im Rat Klaas Knot in der vergangenen Woche die Möglichkeit einer Zinserhöhung um einen halben Punkt erwähnte, hat Lagarde wiederholt erklärt, dass die Normalisierung der Geldpolitik schrittweise erfolgen wird, und hat diesen Standpunkt am Montag erneut bekräftigt.

“Dies bedeutet, dass es sinnvoll ist, Schritt für Schritt vorzugehen und die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Inflationsaussichten zu beobachten, wenn die Zinsen steigen”, sagte sie.

Nach ihren Äußerungen stieg der Euro gegenüber dem Dollar und legte bis zu 1,1% auf 1,0682 zu. Zehnjährige Bundesanleihen büßten frühere Gewinne ein, die Rendite stieg um 5 Basispunkte auf 0,99%.

Was Bloomberg Economics sagt:

“Lagarde geht den ungewöhnlichen Schritt, vorab eine Zinserhöhung im Juli und eine zweite im September anzukündigen. Dies beseitigt die letzten Zweifel an den nächsten Schritten der EZB und macht eine Anhebung um 50 Basispunkte im Juli unwahrscheinlich.”

-- David Powell, Senior Economist für die Eurozone. Für seinen gesamten Kommentar hier klicken

Der Einmarsch Russlands in der Ukraine hat die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben, die Unsicherheit über die Aussichten erhöht und das Vertrauen der Unternehmen und Haushalte erschüttert. Dies hat zu einer schwierigen Situation für die Ratsmitglieder geführt, da alle Maßnahmen zur Eindämmung der Inflation auch die Gefahr bergen, die Konjunktur zu bremsen.

Eine Anhebung des Einlagensatzes um 50 Basispunkte bis September würde die Zentralbank immer noch hinter anderen Zentralbanken wie der Federal Reserve und der Bank of England zurücklassen, die bereits die Zinsen erhöht haben, um die Inflation einzudämmen. Dies hat in den letzten Monaten auch auf dem Euro gelastet, was die Herausforderung für den EZB-Rat noch vergrößert, da die Währungsschwäche die Importe verteuert.

Lagarde sagte, die EZB werde auch in der Lage sein, “neue Instrumente zu entwickeln und einzusetzen”, um sicherzustellen, dass die Geldpolitik ordnungsgemäß in den Euroraum übertragen wird. Die erste Zinserhöhung seit mehr als einem Jahrzehnt hat die Besorgnis über eine mögliche Fragmentierung der Anleihemärkte in den 19 Mitgliedstaaten des Währungsblocks verstärkt.

Überschrift des Artikels im Original:

Lagarde Says ECB Likely to Exit Negative Rates by End-September

(Neu: Kommentar von Bloomberg Economics, Vergleich zur Fed ab dem 6. Absatz)

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