Lage nach Oprah-Interview eskaliert: Warum Harry, Meghan und die Royals gestoppt werden müssen

Jennifer Renk
·Lesedauer: 6 Min.

Mit ihrem Oprah-Interview haben Prinz Harry, 36, und Herzogin Meghan, 39, die Royals in England und ihre Mitarbeiter tief erschüttert. Es geht um verletzte Gefühle, zerstörte Hoffnungen und tiefe Enttäuschungen. All das sorgt für mächtig Probleme im Hause Windsor – und dabei steht mehr auf dem Spiel als die Beziehung zwischen einzelnen Familienmitgliedern.

Prinz William und Herzogin Catherine (vorne), Prinz Harry und Herzogin Meghan (hinten)
Prinz William und Herzogin Catherine (vorne), Prinz Harry und Herzogin Meghan (hinten)

"Ich weiß nicht, wie sie erwarten konnten, dass wir nach all dieser Zeit immer noch schweigen würden, wenn die Firma eine aktive Rolle darin spielt, Unwahrheiten über uns zu verbreiten", begründet Meghan ihre Seelenbeichte im US-Fernsehen und nimmt damit Bezug auf das oberste Kommunikationsgebot des Palastes: "Kein Kommentar!" Jeder, der es gewohnt ist, seine Meinung frei zu äußern und auch jeder, der es nicht ist, wird das Bedürfnis nachvollziehen können, seine Erlebnisse und Erfahrungen zu teilen. Doch das Ausmaß dessen, was der Zuschauer im Oprah-Interview erfährt, schockiert.

Prinz Harry und Herzogin Meghan prangern die Royals und den Palast an

Meghan und Harry werfen der Königsfamilie unter anderem Rassismus, unterlassene Hilfeleistung, Eifersucht und emotionale Kälte vor. Dass Prinz Harry in einem seltenen Moment versöhnliche Töne anschlägt und die Absicht äußert, sich seinem entfremdeten Vater Prinz Charles annähern zu wollen, geht dabei fast unter.

Queen Elizabeth, 94, entschied nach dem Interview, den Ton ihrer Antwort diplomatisch und liebevoll zu halten. "Harry, Meghan und Archie werden für immer geliebte Mitglieder der Familie bleiben", heißt es in einem offiziellen Statement vom 9. März. Außerdem stellt die Königin klar, die Angelegenheit privat regeln zu wollen. Genau diesen Wunsch haben Harry und Meghan jetzt empfindlich missachtet.OPRAH-Interview: Analyse Teil 1

Meghans Freundin Gayle King gibt Interna an die Öffentlichkeit

Während die Royals öffentlich schweigen, ergreift Gayle King, 66, das Wort. In der Show "CBS This Morning" erzählt die enge Freundin von Meghan, dass Harry erstmals am 14. März, eine Woche nach Ausstrahlung des Oprah-Interviews, mit seiner Familie gesprochen habe.

"Nun, ich habe sie tatsächlich angerufen, um zu fragen, wie sie sich fühlen und es ist wahr, Harry hat auch mit seinem Bruder und seinem Vater gesprochen. Man hat mir gesagt, dass diese Gespräche nicht produktiv waren. Aber sie sind froh, dass sie wenigstens ein Gespräch begonnen haben."

King betont, dass "niemand aus der königlichen Familie" sich mit Herzogin Meghan in Verbindung gesetzt habe und fordert: "Die Familie muss zugeben, dass es Probleme gibt. Das ist wirklich alles, was sie wollen. Sie wollen beide ein Gespräch." Dass sich die renommierte Moderatorin ohne die Erlaubnis Meghans äußert – völlig ausgeschlossen.

William und Harry vertrauen sich nicht mehr

Die Briten-Presse ist empört, dass die Sussexes Privatangelegenheiten von Mitgliedern der Königsfamilie vor der Welt ausbreiten. "Neues Drama um Harry und Meghan: Verratenes Vertrauen", titelt Großbritanniens größte Tageszeitung "Daily Mail" in großen Lettern auf ihrer Titelseite und zitiert einen Insider mit den Worten: "Keiner der Haushalte – die Königin, der Prinz von Wales und der Herzog und die Herzogin von Cambridge – wird einen Kommentar zu privaten Gesprächen abgeben."Eine deutliche Ansage an "Team Sussex".

Eine Quelle aus dem Umfeld Prinz William behauptet unterdessen: "Es gibt auf beiden Seiten einen Mangel an Vertrauen, was es sehr schwierig macht, vorwärts zu kommen. William ist jetzt besorgt, dass alles, was er seinem Bruder sagt, im amerikanische Fernsehen rausposaunt wird." Doch sind William und Charles so unschuldig, wie es ihre Befürworter annehmen?

Der Kampf Sussex versus Royals

Jeden Tag tauchen in der US- und Briten-Presse neue "royale Quellen", "Insider", "ehemalige Mitarbeiter" oder – auf der Seite von Harry und Meghan – namentlich genannte Freunde auf, die Öl ins Feuer gießen. Eine nicht zu verachtende Anzahl der Leaks hat sich im Nachhinein als Wahrheit herausgestellt. Es gilt das uncharmante Sprichwort: Eine Krähe allein hackt sich nicht die Augen aus. Hinter den Kulissen scheinen beide Parteien die Presse mit Informationen zu bedienen.

Wer hier gegen wen vorgeht, ist unterdessen undurchsichtig. "Ehemalige Mitarbeiter und die Sussexes sind wütend. In der Mitte steht der königliche Haushalt, der die Debatte beenden und die 'Institution' entlasten will, indem er die Sache zur Familienangelegenheit erklärt", schreibt beispielsweise Royal-Reporter Richard Palmer über die Situation nach dem Oprah-Interview.

Unbequemen Fragen an Prinz Harry und Herzogin Meghan

Im Fall Gayle King scheint es, als seien Prinz Charles und Prinz William die "unproduktiven" Verlierer der neuen Enthüllungen. Doch das täuscht. Wenn das Harry und Meghan eines klar gemacht haben, dann, dass sie die Weitergabe von Interna an die Presse strikt ablehnen und verurteilen. Gilt das nur für Informationen über sie selbst, nicht aber über andere? Warum ist das Paar daran interessiert, Prinz Charles und Prinz William nach dem Telefonat erneut in ein schlechtes Licht zu rücken? Es hat den faden Beigeschmack des Nachtretens.

Treten die Brüder in die unrühmlichen Fußstapfen von Charles und Diana?

Was passiert, wenn Familienfehden im Hause Windsor öffentlich ausgetragen werden, zeigen die 1980er und 1990er Jahre. Damals gingen der Prinz und die Prinzessin von Wales in einem solchen Ausmaß gegeneinander vor, dass Medien den "Krieg der Walses" ausriefen. Nur höchst selten wuschen Charles und Diana persönlich schmutzige Wäsche. Die goldene Kommunikationsregel des Palastes – "Beschwere dich nie, erkläre dich nie" – umgingen sie, in dem sie andere mit Informationen versorgten und als Sprachrohr benutzten. Während die Medien den Machtkampf gierig ausschlachteten, wurden die royalen Pflichten zur Nebensache. Das schadete der Monarchie, die im Auge der Öffentlichkeit ihren Glanz und ihre Vertrauenswürdigkeit verlor und mehr und mehr zur Seifenoper verkam.

Nun wiederholt sich die Geschichte: Die Termine der Royals nach dem Oprah-Interview stehen völlig im Schatten der Schlagzeilen. Das beste Beispiel ist der Auftritt von Prinz William am 11. März in einer Schule. Der eigentliche Zweck gerät zur Randnotiz, als ein Reporter den Herzog von Cambridge nach seiner Meinung zu den von Meghan und Harry geäußerten Rassismus-Vorwürfen befragt. "Wir sind sicher keine rassistische Familie", stellt William klar.

Liebe Sussexes, liebe Royals: Schluss mit den gegenseitigen Beschuldigungen!

Fest steht: Das Verhältnis zwischen den Sussexes und den Royals ist an einem neuem Tiefpunkt angelangt. Emotional ist zu verstehen, dass sich Harry und Meghan eine empathischere und umfangreichere Reaktion erhofft haben als das 60-Wort-Statement der Queen (angeblich war Prinz Charles bereit, ausführlich Stellung zu beziehen, scheiterte aber am Veto seiner Mutter). Protokollarisch hingegen weiß Prinz Harry ganz genau, dass seine Großmutter ihre Privatangelegenheiten niemals vor der Welt austragen wird. Fest steht: Mit Hilfe einer Außenstehenden wie Gayle King Druck auszuüben macht die festgefahrene Situation nur schlimmer.

Die Frage ist also, wer als Vermittler zwischen den Lagern agieren könnte. Sowohl die Sussexes als auch die Royals respektieren die Königin. Doch ob das ausreicht? Und die Queen mit fast 95 Jahren noch die Durchsetzungskraft hat, die tief gespaltenen Parteien zu versöhnen? Von britischen Medien wurde als Mediator auch Mark Dyer ins Spiel gebracht, ein Freund von Charles und Mentor von Harry und William aus Kindertagen. So oder so: Es ist höchste Zeit.

Wenn Harry, Meghan und de Royals so weitermachen wie bisher; wenn sie ihre Differenzen nicht endlich im Privaten klären und Verständnis und Empathie für den anderen aufbringen, dann gibt es bald nichts mehr zu kitten. Dann ist der Krieg "Sussex vs. Senior Royals" endgültig ausgerufen. Die Beteiligten sollten sich ernsthaft fragen, ob sie diesen hohen Preis zahlen wollen. Denn auf dem Spiel stehen nicht nur Einzelschicksale und familiäre Beziehungen, sondern der Erhalt und die Legitimation der Monarchie – einer Aufgabe, der Queen Elizabeth für nachfolgende Generationen von Windsors ihr Leben ihr gewidmet hat.

Verwendete Quelle: eigene Recherche