Lebensabend im Ausland genießen! Doch was ist mit der Steuer?

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Viele deutsche Ruheständler wollen ihren Lebensabend lieber im Ausland verbringen. Steuern auf ihre Renten und Pensionen müssen sie dennoch weiter zahlen – oft haben deutsche Finanzämter weiter Anspruch darauf. Wir zeigen, wie die Steuerlage in den beliebtesten Zielländern deutscher Senioren aussieht.

Viele deutsche Rentner und Pensionäre wollen ihren Lebensabend lieber im sonnigen Ausland verbringen. (Bild: Getty Images)

Immer mehr Rentner verlagern ihren Wohnort ins Ausland – aus den unterschiedlichsten Gründen. Im vergangenen Jahr haben 240.000 deutsche Senioren ihre gesetzliche Rente im Ausland erhalten. Das sind 4.000 mehr als im Jahr zuvor. Doch egal, in welche Gefilde es die Ruheständler zieht – laut Stiftung Warentest sind sie derzeit in 150 Ländern weltweit verteilt –, ihrer Steuerpflicht müssen sie dennoch nachkommen. In vielen Fällen haben deutsche Finanzämter weiter Ansprüche auf die Steuern der Alterseinkünfte.

Ob und wie viel Geld im Ausland lebende Rentner an den deutschen Fiskus abführen müssen, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Etwa davon ob der Ruheständler befristet oder dauerhaft im Ausland lebt, ob es sich um eine gesetzliche Rente oder eine Pension handelt, oder ob Deutschland mit dem neuen Heimatland des Rentenbeziehers ein Steuerabkommen beschlossen hat. Letzteres, das so genannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), regelt nämlich, ob die Senioren Steuern in Deutschland oder im Wohnsitzstaat zahlen.

Der Zweck der mit rund 100 Ländern vereinbarten DBA ist, bei "konkurrierenden Steueransprüchen zwischen verschiedenen Staaten das Besteuerungsrecht nur einem der beteiligten Staaten zuzuweisen, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden", wie es seitens des Bundesfinanzministeriums heißt. Mit den Abkommen soll also vermieden werden, dass die Senioren sowohl in Deutschland als auch in ihrer neuen Heimat besteuert werden. Konkret heißt das, dass sich die Finanzämter des zweiten Landes ihre Ansprüche fahren lassen, wenn die Behörden des ersten Landes die Ruheständler bereits besteuert haben, oder sie rechnen bereits gezahlte Steuern an.

Bild: Getty Images

Wie sieht es nun mit den beliebtesten Zielländern deutscher Ruheständler aus? Wie und wie hoch werden Rentner und Pensionäre besteuert, die ihren dauerhaften Wohnort etwa in die Schweiz, nach Österreich, in die USA, nach Spanien und nach Frankreich verlagern? Mit anderen Worten: Gibt es mit den gesuchtesten Ländern vieler deutscher Senioren eine DBA und wenn ja, wie sieht deren jeweilige Regelungen aus?

Schweiz

In kein anderes Land zieht es die deutschen Rentner und Pensionäre mehr als in die Schweiz. Laut Stiftung Warentest leben derzeit 26.390 Auslandsrentner in unserem Nachbarland. Mit der Schweiz hat Deutschland eine DBA vereinbart. Die regelt, dass Rentner dort besteuert werden. Lediglich im Wegzugsjahr und die folgenden fünf Jahre kann Deutschland die Ausgewanderten besteuern – wobei die Schweizer Steuern angerechnet werden. Anders sieht es bei den Beamtenpensionen aus, die bleiben in Deutschland steuerpflichtig.

Österreich

Die Renten und Pensionen der 25.050 in Österreich lebenden Senioren werden in Deutschland besteuert. Rentner ohne Wohnsitz in Deutschland sind nur beschränkt steuerpflichtig. Das heißt, ihnen steht kein Steuerfreibetrag zur Verfügung.

USA

Über den Atlantik gen USA hat es 24.000 deutsche Ruheständler gezogen. Mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat Deutschland keine DBA vereinbart. Von der gesetzlichen Rente können deutsche Finanzämter keine Steuern einziehen. Dagegen bleiben die Pensionen in Deutschland steuerpflichtig.

Spanien

Ähnlich verhält es sich mit den 21.380 Senioren, die in Spanien ihren Lebensabend verbringen. Die Pensionäre unter ihnen zahlen Steuern in die Kassen deutscher Finanzämter ein. Die Rentner werden in Spanien besteuert. Wer die gesetzliche Rente ab 2015 zum ersten Mal bezieht, der muss die Steuern auch nach Deutschland abführen. Bis 2029 bleibt diese Steuerbelastung allerdings auf fünf Prozent begrenzt.

Frankreich

In Frankreich leben 17.7000 deutsche Pensionäre. Seit 2016 sind die Bezieher der gesetzlichen Rente in ihrer neuen Heimat steuerpflichtig. Von den Pensionen will Deutschland einen Teil zurück haben.