Lebensmittelunverträglichkeiten: Wie sie entstehen & was gegen Beschwerden hilft

Insa Grüning

Rund 25 Prozent der Deutschen sollen laut einer frisch veröffentlichten Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden. Wahrscheinlich liegt die Dunkelziffer sogar noch viel höher, denn wie wir der Studie ebenfalls entnehmen können, holt sich tatsächlich nur ein Bruchteil der Betroffenen ärztliche Hilfe und weiß infolge dessen wahrscheinlich nicht einmal, ob und wenn ja, um welche Unverträglichkeit es sich handelt. Offenbar plagen sich Frauen zudem weitaus häufiger mit Lebensmittelintoleranzen rum als Männer, allerdings kümmern sie sich nur genau so selten um eine fachliche Abklärung. Aber dafür sind Frauen eher dazu bereit, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten, damit die Beschwerden sich verringern.

Doch wie kommt es eigentlich, dass gefühlt immer mehr Menschen auf Milchzucker, Gluten oder bestimmte Lebensmittelzusätze reagieren? Warum entwickeln manche Menschen Intoleranzen und andere nicht? Welche Symptome treten häufig auf und vor allem: Was hilft gegen die teils heftigen Beschwerden?

Bevor man beginnt, sich mit der Materie zu beschäftigen, sollte man sich einige Dinge bewusst machen: Grundsätzlich unterscheiden Ärzt*innen nämlich zwischen Lebensmittelunverträglichkeiten und Lebensmittelallergien. Bei einer Allergie spielt vor allem das körpereigene Immunsystem eine wichtige Rolle. Wenn ein bestimmtes Nahrungsmittel von deinem Körper fälschlicherweise als „schädlich“ wahrgenommen wird, dann bildet er sogenannte Antikörper, die zu teils heftigen Reaktionen führen können.

Bei einer Lebensmittelunverträglichkeit hingegen ist der Körper nur eingeschränkt und manchmal auch gar nicht in der Lage, einen bestimmten Stoff, der sich wiederum in bestimmten Nahrungsmitteln befindet, zu verdauen. Und um genau diese Unverträglichkeiten und Intoleranzen bei Lebensmitteln soll es in diesem Artikel gehen. Aber noch einmal von vorn:

Welche Lebensmittelintoleranzen & Symptome treten am häufigsten auf?

Laktoseintoleranz

Wer nach dem Verzehr von Milchprodukten, und dazu gehören auch Käse oder Schokolade, unangenehme Begleiterscheinungen bemerkt, der sollte sich auf eine Milchzuckerunverträglichkeit testen lassen. Das Problem: Etwa 15 Prozent der Deutschen fehlt das Enzym Laktase, welches dafür verantwortlich ist, dass den Milchzucker im Darm spalten kann. Besteht ein Mangel dieser Enzyme, kann dementsprechend weniger Laktose verarbeitet werden. Der Zucker wird dann erst im Dickdarm zerlegt, was zu Blähungen oder Durchfall führen kann. Besonders viel Laktose steckt in Milch, Quark und Sahne, Hartkäse meistens nicht betroffen. Die gute Nachricht: Mittlerweile sind laktosefreie Produkte in fast jedem Supermarktsortiment zu finden.

Fructoseintoleranz

Fructose befindet sich vor allem in Obst, das uns ja gerade wegen seiner Süße so gut mundet. Wenn wir in eine Banane oder in einen Pfirsich beißen, gelangt der Zucker über die normalen Verdauungswege in den Darm. Mit Hilfe eines Transporteiweiß' wird der Zucker von dort aus in die Blutbahnen gepumpt. Nun ist es so, dass diese Eiweiße aber nicht unbegrenzt viel Zucker transportieren können, weshalb wir Fructose nur in Maßen zu uns nehmen sollten. Menschen, bei denen das Transmittersystem nicht einwandfrei funktioniert, reagieren manchmal schon bei sehr geringen Mengen an Fruchtsüße mit Blähungen, Durchfall oder heftigen Bauchschmerzen. Wenn bei dir eine Fructoseunverträglichkeit diagnostiziert wurde, heißt das aber nicht, dass du deshalb komplett auf Obst verzichten musst. Aber Lebensmittel mit besonders hohem Fruchtzuckergehalt wie Trockenfrüchte, Äpfel oder Fruchtsäfte solltest du vielleicht besser vermeiden oder in Maßen zu dir nehmen.

Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz stellt sich die Lage etwas komplizierter da, weil Ärzt*innen und Forscher*innen sich nicht einig sind, ob es sie wirklich gibt. Denn man ist sich unsicher, ob Histamin ein körpereigener Botenstoff ist oder durch die Aufnahme von Lebensmitteln in den Körper gelangt. Da viele Betroffene aber auch auf Nahrungsmittel reagiert haben, die selbst kein Histamin enthalten, geht man davon aus, dass sie zumindest dessen Freisetzung begünstigen. Derzeit am wahrscheinlichsten scheint die Annahme, dass ein oder mehrere Enzyme verantwortlich dafür sind, dass manche Menschen Histamin nur langsam oder schwer abbauen können. Das Spektrum der Symptome einer Histaminreaktion reicht von Magen-Darm-Problemen über Herzrasen bis hin zu Kopfschmerzen und Migräne. Den Stoff Histamin findet ihr in zum Beispiel in verschiedenen Käsesorten wie Parmesan oder Emmentaler, Salami, Sauerkraut oder auch Rotwein und in bestimmten Fischkonserven. Da sich eine Histaminunverträglichkeit nur schwer nachweisen lässt, solltet ihr bei einem Verdacht unbedingt einen Arzt, eine Ärztin oder Ernährungsspezialist*in aufsuchen und zusammen herausfinden, mit welchen Lebensmitteln Probleme bestehen.

Glutenunverträglichkeit

Eine Glutenintoleranzheißt im Fachjargon auch Zöliakie. Die Zöliakie ist ein Sonderfall, denn ist nicht klar, ob es sich eigentlich um eine Allergie oder eine Unverträglichkeit im klassischen Sinne handelt. Betroffene leiden zumeist an unangenehmen Entzündungen der Darmschleimhaut, die durch das Klebeeiweiß Gluten, das sich in vielen Getreideprodukten wie Weizen und Roggen befindet, ausgelöst wird. Der Körper kategorisiert das Gluten als Feind ein, sodass die Entzündung als eine Immunreaktion gedeutet werden kann. Symptomatisch für Glutenunverträglichkeiten sind Blähungen, Durchfall und Verstopfungen, aber auch Juckreiz und Schuppenflechte. Wer eine Diagnose erhalten hat, sollte danach konsequent auf Gluten verzichten. Zum Glück gibt es auch hier mittlerweile Ernährungshersteller, die sich auf die Produktion von glutenfreien Produkten spezialisiert haben.

Wie und warum Lebensmittelunverträglichkeiten entstehen:

Entgegen der häufigen Annahme, sind Lebensmittelunverträglichkeiten nicht angeboren oder einfach so da. Sie entwickeln sich meist langsam und schleichend über einen sehr langen Zeitraum hinweg. Gründe kann es dafür viele geben. Im Laufe der Zeit haben sich aber einige Faktoren herauskristallisiert, die man heute für die Entwicklung von Intoleranzen verantwortlich macht. Dazu gehört zu zum Beispiel der steigende Verzehr von Fertignahrungsmitteln. Die Tiefkühlpizza oder Mikrowellenlasagne landet wahrscheinlich bei jede*m von uns ab und an mal im Einkaufskorb, obwohl uns (hoffentlich) bewusst ist, dass sie unnatürliche Zutaten enthalten. Das Problem: Geben wir dem schnellen und bequemen Genuss zu oft nach, wird unser Körper die vielen Zusatzstoffe irgendwann nur noch schlecht oder gar nicht mehr verwerten können.

Aber auch vermeintlich gesunde (weil als frisch und vitaminreich geltende) Nahrungsmittel können das Risiko einer Intoleranz steigern. Denn das handelsübliche Obst und Gemüse wird bekanntlich chemisch behandelt, damit es länger haltbar ist. Nehmen wir diese Stoffe regelmäßig und über einen langen Zeitraum immer wieder auf, kann der Körper irgendwann möglicherweise mit einer Lebensmittelunverträglichkeit darauf antworten. Daneben gibt es aber auch noch viele andere Ursachen. Enorme körperliche Anstrengungen, hartnäckige Viren-Infektionen oder psychischer Stress können ebenfalls Auslöser für eine Lebensmittelintoleranz sein.

Was sollte ich bei anhaltenden Beschwerden tun?

Hegst du den Verdacht, eine Unverträglichkeit auf ein oder mehrere Nahrungsmittel entwickelt zu haben, solltest du umgehend einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Diese können sich untersuchen und gegebenfalls schnellstmöglich an den*die richtige*n Internist*in oder Gastroenterolog*in überweisen. Dort wird in der Regel zunächst ein Test durchgeführt, der abklärt, ob es sich um eine Allergie oder eine Intoleranz handelt und natürlich auch, um welche. Die Tests sehen je nach Unverträglichkeit anders aus. Sollte das Ergebnis positiv ausfallen, geht es nun darum, die bestmögliche Lösung zu finden, damit die Beschwerden in Zukunft möglichst ganz verschwinden.

Wenn eine Lebensmittelunverträglichkeit diagnostiziert wurde, wird im ersten Schritt meistens versucht, alle Nahrungsmittel und Lebensmittelgruppen zu finden gegen die eine Intoleranz besteht. Je mehr Details bekannt sind, desto besser können Zusammenhänge untersucht, verstanden und Gegenmaßnahmen gefunden werden. Danach folgt in der Regel eine Reduktion oder sogar komplette Vermeidung des jeweiligen Stoffes oder Nahrungsmittels, damit die Symptome gelindert werden. Für Betroffene heißt das oft: Ernährungsanpassung. Das ist zunächst eine große Umgewöhnung und nicht immer ganz einfach. Ernährungsexpert*innen stehen beratend zur Seite, wenn ein besser verträglicher Ersatz für lebenswichtige Nährstoffe, die man nicht mehr essen darf, gefunden werden muss. Ist die Unverträglichkeit stark ausgeprägt oder hilft auch eine Ernährungsumstellung nicht, dann besteht die Möglichkeit dem Körper fehlende Enzyme oder Vitamine durch Ergänzungsmittel zuzuführen. Sie unterstützen die Verdauung und reduzieren die Beschwerden ebenfalls.

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