Lego entschuldigt sich nach Sexismus-Vorwurf

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Im Netz tobte ein Sturm der Entrüstung auf einen Cartoon im “Lego Friends Magazine”, der signalisierte, dass Frauen in der Wissenschaft nichts zu suchen haben. Jetzt reagierte das Unternehmen.

Frauen in den gleichen Jobs wie Männer? Bei diesem Thema setzte sich Lego nun in die Nesseln (Symbolbild: Getty Images)

Der Cartoon war definitiv nicht das, was Frauenrechtler und eigentlich alle, denen Gleichberechtigung am Herzen liegt, als modern und fortschrittlich bezeichnen würden: In der Geschichte, die in Ausgabe 66 des englischsprachigen “Lego Friends Magazine“ erschien, will sich eine Gruppe von Mädchen in ein Meeting von Wissenschaftlern einschleichen. “Aber wir können nicht einfach so reingehen. Eine Gruppe Mädchen unter Forschern – das springt sofort ins Auge“, sagt eines der Mädchen.

Als ob das nicht schon genug an Rückschrittlichkeit wäre, lassen die Autoren ein anderes Mädchen antworten: “Wir verkleiden uns einfach als Bäckerinnen und geben Muffins aus. Niemand wird misstrauisch werden!“

Misstrauisch wurde in der Geschichte anschließend offenbar tatsächlich niemand, und für die Mädchen war schon ein Highlight, dass sie sich Outfits schneidern und beim Backen singen dürften – doch bei den Lesern (oder zumindest deren Eltern) kamen solche Aussagen gar nicht gut an: “Meine beiden Kinder lieben Lego, aber das bringt mich dazu, in die entgegengesetzte Richtung zu laufen. Bekommt eure Zeitschriften in den Griff, das ist peinlich für eure Marke“, reagierte etwa eine Mutter auf Twitter und löste damit einen Sturm der Entrüstung im Netz aus. Reaktionen wie diese waren keine Einzelheit: “Wow, das ist schrecklich! Weg damit, Lego. Das ist NICHT die Botschaft, die meiner Tochter vermittelt werden soll. Oder meinem Sohn!“ schrieb eine andere Twitter-Userin.

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In einem offiziellen Statement, das auch auf Twitter erschien, reagierte das Unternehmen nun auf die Vorwürfe: “Vielen Dank, dass du das hervorgehoben hast. Wir glauben, dass Lego Play für jedermann ist und unsere Magazine sollten dies widerspiegeln. Diesmal haben wir das Ziel verfehlt und es tut uns leid. Wir werden daraus lernen und es in Zukunft besser machen“, heißt es in einem Post vom offiziellen Account der Lego Group.

Medien wie etwa das britische Portal “Independent.co.uk“ zitieren das Statement ausführlicher: “Mit der Geschichte wollten wir zeigen, dass Mädchen viele verschiedene Interessen und Leidenschaften haben, einschließlich der Wissenschaft, aber wir wissen, dass einige der Aussagen, die wir verwendeten, diesmal das Ziel verfehlt haben, und wir entschuldigen uns.“

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Lego ist nicht das erste Mal wegen seiner Darstellung von weiblichen Figuren in Kritik geraten. Bereits Anfang des Jahres hatte ein Vater den Brief seiner vierjährigen Tochter publik gemacht, die im Lego City Magazine fast vergeblich nach Frauen gesucht hatte. Von 29 Figuren im Heft sei nur eine weiblich – und diese tauche nur auf, um einem Mann beizupflichten. Im Brief schrieb das Mädchen: “Hallo Leute vom Lego Magazine, könnt ihr bitte mehr Mädchen in eurem Magazin zeigen?“

Immerhin reagierte Lego auch auf diese Beschwerde prompt – mit einem Tweet und einem anschließenden Brief in Papierformat, in dem es unter anderem hieß: “Wir haben deinen fantastischen Ratschlag zu Herzen genommen und werden wirklich hart daran arbeiten, um mehr Mädchen in die kommenden Ausgaben zu bringen.“ Offenbar ist diese Aufgabe für die Comic-Autoren zeitaufwändiger als gedacht – der auf April datierte Brief ist schon ein gutes halbes Jahr vor Erscheinen des aktuellen Lego Friends Magazine entstanden.

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