Libanon: Student entschuldigt Abwesenheit mit Umsturzversuch

Vor allem junge Menschen protestieren gegen die Regierung des Libanon (Bild: Reuters/Ali Hashisho)

Seit einer Woche gehen im Libanon Hunderttausende auf die Straße, um gegen Korruption und Misswirtschaft ihrer Regierung zu demonstrieren. Viele von ihnen sind jung, ihre Protestaktionen fallen durch Kreativität und Humor auf.

Klar, dass da andere Dinge manchmal hinten anstehen müssen, wie etwa die Uni. Manche Studierende melden sich immerhin höflich ab. So teilte der Ökonom Jad Chabaan von der American University of Beirut ein Entschuldigungsschreiben, das ein Kollege erhalten habe und in dem es heißt: “Ich entschuldige mich dafür, dass ich Sie darüber informieren muss, dass ich morgen nicht zur Vorlesung kommen werde. Ich versuche, die lausige Regierung zu stürzen.”

Ein anderer Kollege, Philosophie-Professor, Mahmoud Rasmi bekam gleich eine Entschuldigung im Namen der ganzen Klasse: “Trotz der Mitteilung der AUB, dass der Unterricht morgen wieder aufgenommen werden soll, wurde ich dazu gedrängt, Ihnen mitzuteilen, dass die Klasse nicht erscheinen wird, um ein Zeichen der Einheit und Solidarität mit dem Kampf unseres Landes gegen die Korruption zu setzen. Ich habe die Zustimmung der Mehrheit der Klasse, wir danken für Ihr Verständnis.”

Der Philosoph zeigte sich in der Tat verständnisvoll: “Hume würde sagen, ich habe es ja gesagt”, schrieb er in seiner Antwort. Doch da richtige Philosophie auch praktisch sein müsse, bot er an, in der Stadt eine Stunde über Hume und “schwarze Schwäne” - unerwartete Ereignisse im von Hume entwickelten Induktionsproblem - abzuhalten.

Tatsächlich werden mittlerweile Vorlesungen der AUB im “Ei” abgehalten, einer bekannten Bauruine in Beirut, die derzeit von Demonstranten besetzt ist.

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