Lidl-Mutter Schwarz testet KI-Lösungen von Aleph Alpha – und bündelt IT- und Digital-Geschäft in neuer Sparte

Alte Doppelspitze der neuen IT- und Digitalsparte: Die Schwarz-Vorstände Christian Müller (li.) und Rolf Schumann (re.) werden die Co-CEOs von Digits. - Copyright: Schwarz-Gruppe
Alte Doppelspitze der neuen IT- und Digitalsparte: Die Schwarz-Vorstände Christian Müller (li.) und Rolf Schumann (re.) werden die Co-CEOs von Digits. - Copyright: Schwarz-Gruppe

Rund 575.000 Mitarbeiter hat die Schwarz-Gruppe weltweit – 7.500 von ihnen haben innerhalb des Konzerns nun eine neue Heimat. Denn wie der Mutterkonzern der Lebensmittelhändler Lidl und Kaufland am Donnerstag mitteilte, strukturiert der Konzern intern um und bündelt seine IT- und Digital-Expertise nun öffentlichkeitswirksam in einer neuen Sparte: Schwarz Digits.

Es ist der logische nächste Schritt in der Entwicklung des Neckarsulmer Händlers zum Technologiekonzern. „Die Idee, dass wir eine eigene Sparte brauchen, kam mit dem Erfolg von Stackit und XM Cyber“, erklärte Rolf Schumann, ehemaliger Digitalchef von Schwarz und nun Co-CEO von Digits. Externe Kunden seien überrascht gewesen, dass die Schwarz-Gruppe neben dem Lebensmitteleinzelhandel auch IT- und Digitallösungen bietet. „Da war klar, dass wir auch für IT und Digital ein Gesicht nach außen brauchen.“

Schwarz Digits tritt damit als fünfte Sparte sichtbar ins Portfolio des Konzerns – neben Lidl, Kaufland, den Abfall- und Recyclingdienstleister Prezero und den Eigenmarkenhersteller Schwarz Produktion.

Schwarz Digits bündelt gesamte IT- und Digitalexpertise – inlusive Cloud und Cybersicherheit

Mit Stackit hatte die Schwarz-Gruppe 2019 ein eigenes Cloud-Projekt gestartet, 2021 kaufte sie die israelische Cybersicherheits-Firma XM Cyber hinzu. Beide Dienste bot das Unternehmen nach der erfolgreichen Eigennutzung auch externen Firmen an. Zielgruppe sind vor allem Mittelständler und Behörden, für die Datenschutz und Souveränität wichtig sind. Aber auch der Hamburger Hafen oder die US-Börsenbetreiber Nasdaq zählen zu den Kunden von XM Cyber. „Wir sind bei unseren Cloud- und Cybersicherheitsdiensten mittlerweile auf einen Standard gekommen, den es in Europa so nicht ein zweites Mal gibt“, gibt sich Schumann überzeugt.

Diese Expertise will die Gruppe nun in Digits bündeln, besser am Markt platzieren und auch die Skalierbarkeit der Services erhöhen. Neben Stackit und XM Cyber bündelt Schwarz auch seine internen Digitaldienstleistungen unter Digits. Sprich: IT- und Digitaldienste, Kaufland und Lidl E-Commerce, Retail Media sowie die Digitalagentur Mmake.

Für Schwarz-Gruppe ungewöhnliche Doppelspitze

Neue alte Chefs sind weiterhin das eingespielte Tech-Duo Rolf Schumann und Christian Müller – eine für die Schwarz-Gruppe ungewöhnliche Doppelspitze. „Die Entscheidung war schnell getroffen: Wir haben klar getrennte Aufgabenbereiche, funktionieren in der Strategiebildung wunderbar als Duo“, schwärmt Schumann von der Zusammenarbeit. „Wenn wir eine Meinungsverschiedenheit haben, setzen wir uns in einen Raum und kommen mit einer dritten, besseren Meinung wieder heraus.“

Schwarz Digits soll allerdings auch „optimale Bedingungen“ nicht nur für digitale Innovation schaffen, sondern auch „für Investitionen in zukunftsträchtige junge Unternehmen“. Vor allem soll es dabei um die „Schlüsseltechnologien Cloud, Cyber Sicherheit und Künstliche Intelligenz“ gehen, heißt es in der Pressemitteilung.

Chat GPT intern verboten, getestet wird Aleph Alpha – Müller verwies auf mögliche Kooperation

Zuletzt hatte die gemeinnützige Dieter Schwarz Stiftung, die sich aus Ausschüttungen von Lidl und Kaufland speist, in diesem Bereich von sich reden gemacht: Deren „Innovation Park Artificial Intelligence“ in Heilbronn, kurz Ipai, verkündete im August eine Kooperation mit der deutschen KI-Hoffnung Aleph Alpha. Laut dem „Handelsblatt“ steckt die Stiftung insgesamt zwei Milliarden Euro in den Forschungspark. In die Partnerschaft mit Alepha Alpha sollen demnach mehr als 300 Millionen Euro fließen, will die Zeitung erfahren haben.

Auch bei den Unternehmen der Schwarz-Gruppe ist man auf der Suche nach KI-Lösungen. Allerdings hat das Unternehmen vom Platzhirsch OpenAI abgesehen: „Wie viele andere Unternehmen auch haben wir die Nutzung von ChatGPT intern verboten“, hatte Christian Müller Business Insider auf dem ECR-Handelskongress in Frankfurt erklärt. „Weil nicht nachvollziehbar ist, wie die Daten verarbeitet werden.“

Das auf Transparenz und Datenschutz bedachte Aleph Alpha scheint da schon eher ein Kandidat zu sein: „Wir hosten Aleph Alpha für uns intern schon auf Stackit“, also der hauseigenen Cloud, erklärte Müller beim ECR-Kongress auf einem Panel – und deutete bei dem Vortrag weitere Ankündigungen zum Thema und mögliche Kooperationen an. Auch bisher war der Weg der Schwarz-Gruppe stets, Lösungen erst intern zu testen und in einem zweiten Schritt externen Kunden anzubieten.

Auf Nachfrage wollte sich Müller im Gespräch zu Digits allerdings nicht festlegen: „Wir erproben intern verschiedene KI-Lösungen – unter anderem auch die von Aleph Alpha“, sagte er Business Insider. "Bedingung ist dafür immer, dass sie über unsere eigene Cloud-Struktur laufen. Dass wir also eine wirklich souveräne Technologie anbieten können.“