Wie du deine Locken blondierst, ohne ihnen zu schaden

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Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis ich mich von meinem Glätteisen trennte – und weitere zehn Monate, bis meine dunkelbraunen Locken endlich wieder gesund aussahen. Als ich also zu Beginn dieses Jahres mit der Idee spielte, komplett zu erblonden, waren sich meine engsten Freund:innen sicher, dass das meine bisher schlimmste Haarentscheidung sein würde. Nachdem ich aber schon jahrelang karamellfarbige Looks à la Solange, Zoë Kravitz und Jasmine Sanders bewundert hatte, recherchierte ich selbst ein wenig und stellte fest: Blonde Locken sind nicht nur was für Promis (obwohl sie zugegebenermaßen nicht gerade günstig sind!).

Früher wäre ich wohl alleine davon zusammengezuckt, „Blondierung“ und „Locken“ im selben Atemzug zu hören. Inzwischen weiß ich es aber besser: Lockiges Haar kann sehr wohl blondiert werden, ohne dabei komplett abzusterben! Laut der Coloristin Nicole Kahlani, die mein Haar in eine blonde Lockenpracht verwandelt hat (volle Transparenz: dank Bleach London kostete mich das Ganze keinen Cent), ist das einer der größten Locken-Mythen. Dank der weit verbreiteten Weisheit, eine Blondierung würde die Haare kaputt machen, vermeiden viele Lockenköpfe jegliches Bleichmittel wie die Pest.

„Viele glauben, Afro-Haare oder manche Lockenstrukturen ließen sich nicht blondieren. Dabei werden die oft leichter hell als [andere] Haartypen“, erklärt Kahlani. „Aber eben weil sie sich leichter aufhellen lassen, ist das Risiko einer Haarschädigung größer.“ Sie erzählt, dass viele Leute dabei den Fehler machen, das Haar übermäßig zu blondieren, wodurch die Locken brechen. Solange dein:e Colorist:in dabei aber einen weniger starken Wasserstoffperoxid einsetzt, das Haar nur langsam blondiert und du dich selbst einer ordentlichen Aftercare-Pflegeroutine verschreibst, kann deine Lockenstruktur den Prozess gesund überleben.

Ob du selbst darüber nachdenkst, bei dem Trend mitzumachen oder einfach neugierig bist, was sich mit deinen Locken so anstellen ließe – hier kommt nun alles, was du über die Blondierung von Locken wissen solltest.

Bitte nicht zu Hause nachmachen

„Versuch das nicht selbst“, rät Kahlani. „Such dir am besten einen Salon, der viele Kund:innen mit deinem Haartyp hat und in dem Stylist:innen arbeiten, die dir realistisch erklären können, wie das Ergebnis aussehen könnte und wie lange das dauern dürfte.“ Texturiertes Haar verlangt mehr Geduld und Fachwissen, um die Behandlung dementsprechend anzupassen. Kahlani verwendete für meine Locken Plex Bleach, das einer Mischung aus Bleiche und Olaplex ähnelt, den Haaren Extraschutz bietet, die Haarverbindungen repariert und extra für feines und lockiges Haar entwickelt wurde.

Damit du dir auch sicher sein kannst, dass du dich in die richtigen Hände begeben hast, kannst du im Voraus einen (meist kostenlosen) Beratungstermin buchen. Da sieht sich der:die Stylist:in deine Haartextur genauer an und macht gegebenenfalls einen Strähnentest, um sicherzustellen, dass deine Haare die Blondierung gut vertragen.

Finde heraus, ob sich dein Haar für die Blondierung eignet

Beim Bleichen von texturiertem Haar gilt vor allem eins: Feuchtigkeit, Feuchtigkeit, Feuchtigkeit. Die Blondierung ist einer der strapaziösesten chemischen Prozesse, die du dem Haar antun kannst. Um besser zu verstehen, was genau währenddessen passiert, habe ich die Trichologin Jennifer McCowan um eine Erklärung gebeten. „Wenn du das Haar bleichst, veränderst du die Haarverbindungen auf chemische Weise. Effektiv zerstörst du sie“, sagt sie. „Wenn das Bleichmittel ins Haar dringt, vernichtet es dort das Melanin – woraus deine Haarfarbe besteht.“

Dabei wird die Schutzschicht deines Haars abgebaut, wodurch es anfälliger für Schäden und Austrocknung wird. Laut McCowan lässt sich dieser Schaden aber begrenzen. „Die Sicherheit deiner Haare beginnt schon beim Anmischen der Farbe“, erklärt sie. „Wenn die Farbe nicht richtig gemischt wird, ergibt sich daraus der falsche pH-Wert. Das allein macht dann schon die Schuppenschicht des Haars kaputt.“

Laut dem Stylisten Ghergis Hagos ist genau deswegen der Ausgangszustand des Haares eines:einer Kund:in so wichtig für die Entscheidung, ob die Blondierung überhaupt durchgeführt werden soll. „[Beim Beratungsgespräch] muss festgestellt werden, ob das Haar bei guter Gesundheit ist – vor allem, wenn es um eine Blondierung von dunklerem Haar geht“, erklärt er. Wenn mein Haar zum Beispiel schon durch vorherige Färbungen geschädigt gewesen wäre, hätte das bei der Blondierung dazu führen können, dass es einfach abbricht.

Mein Haar war allerdings unbehandelt, weswegen für die erste Aufhellung nur eine Sitzung nötig war. Bei bereits gefärbten Haaren empfiehlt Kahlani, so viel der gefärbten Längen abzuschneiden wie möglich. Noch dazu warnt sie, dich in dem Fall darauf einzustellen, dass das resultierende Blond deutlich wärmer ausfallen dürfte. Vorbehandeltes Haar braucht meist ein paar Sessions, um dein Wunschblond zu erreichen, weil dein:e Stylist:in dazu erstmal die vorherigen Farbschichten aus dem Haar entfernen muss.

Lass! Dir! Zeit!

Mein erster Termin dauerte ganze sieben Stunden. Und sieben Wochen danach war eine weitere fünfstündige Session nötig, um meine Haare eisblond zu färben (und den Ansatz aufzuhellen). Durch ein niedrigprozentigeres Wasserstoffperoxid und einen langsameren Prozess werden die Haare geschützt, erklärt Kahlani. Weil das meist ein langer, intensiver Vorgang ist, empfiehlt sie, dich dem Blond für mindestens ein Jahr zu verpflichten.

Aber woran erkennt man denn eine schlechte Blondierung, fragst du dich? „Die abgebrochenen Strähnen merkst du meist ein paar Wochen danach. Dadurch wird oft die Lockenstruktur ruiniert“, erklärt Kahlani. „Es ist schwer, sich davon zu erholen, ohne zwischenzeitlich wirklich seltsam auszusehen.“

Aftercare ist entscheidend

Die Pflege ist hier das A und O. Nachdem der:die Stylist:in mit der professionellen Arbeit fertig ist, liegt es an dir, dein Haar zwischen den Terminen zu pflegen. „Feuchtigkeit steht dabei an höchster Stelle“, rät McCowan. „Sei mit der Feuchtigkeitspflege nach der Färbung ruhig großzügig, damit du sichergehen kannst, dass dein Haar auch überall genug absorbieren kann. Speziell für lockige Haare gibt es jede Menge Pflegeprodukte.“

Dabei solltest du außerdem Sulfate vermeiden und auf Wirkstoffe wie Sheabutter, Aloe Vera, Kokosnuss und pflegende Öle wie Argan-, Avocado- und Mandelöl setzen. Wasche dein Haar nur einmal pro Woche, mach regelmäßige Haarmasken und investiere in Accessoires wie Haargummis aus Stoff, Hauben, Tücher und/oder Kissenbezüge aus Seide oder Satin, um dein Haar vor Schäden zu schützen. „Sei zurückhaltend mit dem Fönen, style die Haare nicht zu heftig und wasche sie nicht zu oft. Am besten machst du alles nur noch halb so oft oder viel wie vor der Blondierung“, empfiehlt Kahlani.

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