Müde Piloten: Gewerkschaften warnen vor Sicherheitsrisiken

Frankfurt/Brüssel (dpa) - Europäische Pilotenverbände warnen vor Sicherheitsrisiken durch übermüdete Flugzeugführer. Sie stützten sich bei ihrer Kritik auf eine Umfrage mit fast 7000 Teilnehmern, die vom europäischen Piloten-Dachverband ECA in Auftrag gegeben wurde.

Danach haben drei von vier befragten Piloten in einem Zeitraum von vier Wochen mindestens einen Sekundenschlaf im Cockpit erlebt. Darüber hinaus berichteten 73 Prozent der Teilnehmer, dass sie sich zwischen ihren Flugdiensten nicht ausreichend von der Müdigkeit erholen könnten.

Die Pilotinnen und Piloten leiden auch häufig unter ausgedehnten Flugzeiten, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus über den sogenannten Kommandantenentscheid verlängert werden können, wenn beispielsweise Umwege geflogen werden müssen.

Nahezu jeder fünfte Befragte gab an, in den vorangegangenen vier Wochen einen derartigen Entscheid getroffen zu haben. Mehr als 60 Prozent befürchteten Ärger mit ihrer Airline, wenn sie eine derartige Entscheidung verweigern und beispielsweise eine Zwischenlandung zum Crew-Tausch anordnen würden.

Probleme werden «nicht ausreichend ernst genommen»

Die deutsche Vereinigung Cockpit sieht bei den Airlines ernsthafte Unzulänglichkeiten beim Risikomanagement gegen Müdigkeit und Lücken bei der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden. «Sicherheitsrisiken durch Müdigkeit werden von vielen europäischen Fluggesellschaften nicht ausreichend ernst genommen», kritisiert VC-Sicherheitsexpertin Vivianne Rehaag.

Besonders häufig klagten Piloten aus Großbritannien, Malta, Spanien und Irland über ein unzureichendes Müdigkeitsmanagement bei ihren Airlines, berichtet die European Cockpit Association (ECA). Vergleichsweise gut wurde die Situation von Piloten aus der Schweiz, den Niederlanden und Österreich beurteilt.