Wir müssen aufhören, uns zu entschuldigen

Sie haben vermutlich noch nie darauf geachtet, aber wir entschuldigen uns den lieben langen Tag lang. So oft, dass das Wort im Grunde seine ganze Bedeutsamkeit verloren hat. Was mit dem Wort "Sorry", bzw. "Entschuldigung", passiert, untersucht die amerikanische Psychologin Harriet Lerner schon seit zwanzig Jahren.

Achten Sie mal darauf. "Entschuldigung, ich habe den Bus verpasst", "Entschuldigung, ich muss heute länger arbeiten", "Entschuldigung, dass ich so spät auf deine Nachricht antworte, ich war beschäftigt". 

Laut Lerner gibt es vier Gründe, warum wir uns so oft entschuldigen:

1. Geringes Selbstbewusstsein
2. Das Bedürfnis, Kritik vorzubeugen
3. Der Wunsch, andere glücklich zu machen
4. Der Bedürfnis, seine eigenen Manieren unter Beweis zu stellen

Harriet ist davon überzeugt, dass wir die Nutzung des Wortes "Entschuldigung" auf ein Minimum reduzieren und es nur verwenden sollten, wenn wir es wirklich meinen. Sie rät auch, die Entschuldigung kurz zu halten. Sie brauchen nicht immer haarklein zu erklären, warum es Ihnen Leid tut. Nur "Entschuldigung" zu sagen reicht vollkommen aus. Wenn Sie sich entschuldigen, geht es nicht um Sie, also machen Sie es nicht noch schlimmer, indem Sie einen Monolog darüber halten, wie beschämt Sie sind, damit lassen Sie sich (unbewusst) den anderen schuldig fühlen.

Laut der Psychologin ist beispielsweise der folgende Satz ein beliebtes Übel: "Entschuldigung, ich bin zu spät, aber du warst ja die letzten Tage auch nicht pünktlich." Mit dem zweiten Teil des Satzes zerstören Sie die gesamte Entschuldigung und verwandeln Sie in eine Anklage.

Ihr Interesse an der Philosophie der Entschuldigung ist geweckt? Harriet Lerner ist die Autorin des Buches "Versuch's mal mit Entschuldigung".

Quelle: AD