Märchen rund ums Thema Fruchtbarkeit – wir entlarven sie für dich

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Märchen rund ums Thema Fruchtbarkeit – wir entlarven sie für dich

Falls du eines Tages Kinder haben möchtest (aber jetzt noch nicht bereit dafür bist), verspürst du höchstwahrscheinlich bereits eine immer größer werdende Abneigung dem Wort „Fruchtbarkeit“ gegenüber. Je älter du wirst, desto häufiger taucht es nämlich überall auf – von gezielten Google-Anzeigen bis hin zu Kommentaren innerhalb deiner Familie und deines Freundeskreises. Wenn du Ende 20 bist, werden Unterhaltungen rund um deine Gebärmutter auf einmal zu einem öffentlichen Gesprächsthema – ganz egal, ob du es willst oder nicht. Das Problem ist, dass die Information, die es zu Fruchtbarkeit gibt, oft bloß für Verwirrung sorgt. Familienmitglieder geben dir dieselben Ratschläge, die ihnen Ärzt:innen im Jahr 1978 erteilten. Das Internet, das eigentlich Licht ins Dunkel bringen soll, überhäuft uns mit Halbwahrheiten und Märchen in Hinblick auf unsere Gesundheit.In Sachen Fruchtbarkeit bringen verwirrende Ratschläge Frauen dazu, sich unnötige Sorgen zu machen. Informationen aus verschiedenen Quellen widersprechen einander häufig. Aus diesem Grund zerbrechen sich viele Frauen den Kopf um ihre eigene Fruchtbarkeit. Besorgt ziehen deshalb einige von ihnen in Erwägung, ihre Eizellen einzufrieren.Wenn du also noch nicht dazu bereit bist, Mutter zu werden, solltest du dir dann jetzt schon Gedanken über deine Fruchtbarkeit machen? Oder hast du noch Zeit?Im Folgenden haben wir einige der unaufgeforderten (und oft nervigen) Kommentare zusammengetragen, die sich junge Frauen zum Thema Fruchtbarkeit nicht selten anhören müssen. Um dich zu beruhigen, haben wir Expert:innen gefragt, wie viel davon wahr ist und wie viel davon mit Vorsicht zu genießen ist. Klick dich durch, um mehr zu erfahren.Echt jetzt? Meinst du etwa jetzt? Lass uns das Ganze mal etwas genauer unter die Lupe nehmen…„Wenn du deine Eizellen im jungen Alter einfrieren lässt – idealerweise bis 36 Jahre –, hast du den Vorteil, dass sie dann noch von ausreichender Qualität sind und ihre Anzahl genügt, um später die größtmögliche Chance auf ein Kind zu haben. Das kommt vor allem jenen Frauen zugute, die Schwierigkeiten dabei haben, auf natürlichem Wege schwanger zu werden“, erklärt Dr. Larisa Corda, eine Fruchtbarkeitsberaterin und Ambassador für den Fruchtbarkeitstracker myLotus, mit dem Frauen ihre Fruchtbarkeitswerte zu Hause verfolgen können.Gleichzeitig erklärt sie, dass diese Prozedur – die nicht nur kostspielig ist, sondern auch medizinische Risiken mit sich bringt – aber unnötig sein kann, wenn eine Frau noch sehr jung ist. „Jede Frau und jede Situation ist anders. Wenn du mit dem Gedanken spielst, deine Eizellen einfrieren zu lassen, solltest du das Thema mit Fachleuten gründlich besprechen. Anstatt dich sofort einer solchen Behandlung zu unterziehen, solltest du zuerst einen Fruchtbarkeitstest durchführen lassen, um herauszufinden, wie lange du mit der Familienplanung warten kannst.“Bei einem solchen Test werden Ultraschallaufnahmen der Eierstöcke sowie Hormonuntersuchungen des Blutes durchgeführt. Die Expertin erklärt, dass dabei die Anzahl der Follikel in den Eierstöcken und auch der Anti-Müller-Hormon-Spiegel überprüft werden. „Dieses Hormon wird von den Follikeln in den Eierstöcken gebildet und spiegelt die Anzahl der dort vorhandenen Eizellen wider.“ Das, sagt sie, „kann einen ziemlich zuverlässigen Hinweis darauf geben, wie schnell deine persönliche biologische Uhr tickt. Das kann dir bei der Entscheidung helfen, wie und wann du Kinder bekommen möchtest.“Ein gut gemeintes „Kompliment“ von älteren Verwandten, über das man sich freuen soll und das laut Dr. Corda alles andere als zeitgemäß ist. „Das ist ein ziemlich veralteter Ausdruck, der in keinster Weise mehr angebracht ist!“Die Hebamme Emma Cronin ist der gleichen Meinung. „[Die Größe der Hüften] hat keinen Einfluss auf die Fähigkeit einer Frau, zu gebären“, sagt sie. „Die Hüftform variiert von Frau zu Frau. Die Position des Babys und der Ablauf der Wehen sind oft der eigentliche Indikator dafür, ob eine Frau das Baby vaginal zur Welt bringen kann.“In diesem Zusammenhang erklärt Dr. Corda: „Während der Schwangerschaft lockert sich der Knorpel zwischen den Beckenknochen, um so Platz für das heranwachsende Baby zu schaffen. Außerdem schieben sich während der Geburt die Schädelknochen des Babys leicht übereinander, was das Durchtreten des Köpfchens erleichtert.“ „Während des Geburtsvorgangs überprüfen Geburtshelfer:innen die Lage des Babys, wie Kontraktionen verlaufen, wie sehr sich der Gebärmutterhals erweitert etc.“ Diese Faktoren, betont sie, helfen dem medizinischen Team dabei, zu entscheiden, wie das Baby am besten entbunden werden soll – und nicht die Größe der Hüften.Sie hebt hervor, „dass die meisten Frauenkörper so gebaut sind, dass ein Baby darin heranwachsen und zur Welt gebracht werden kann – egal, welche Beckenform eine Schwangere auch haben mag.“Eine „ermutigende“ Aussage, die Frauen dazu bewegen soll, früh Mutter zu werden. Was hat es damit aber auf sich? „Deine Fruchtbarkeit nimmt mit dem Alter ab“, gibt Emma zu. „Ironischerweise ist bei älteren Frauen die Wahrscheinlichkeit aber höher, Mehrlinge zu gebären. Fruchtbarkeitsbehandlungen, bei denen mehrere befruchtete Eizellen verwendet werden, bei denen es eine Familiengeschichte mit Mehrlingsgeburten gibt, bei denen Frauen zwei Eizellen in einer Zyklusperiode freisetzen oder bei denen sich eine befruchtete Eizelle während der Entwicklungsphase in zwei teilt, können die Chancen erhöhen, Zwillinge zu bekommen.“„So etwas kategorisch zu sagen, ist unmöglich“, sagt Dr. Corda. „Manche Frauen werden bis in ihre späten 30ern und frühen 40ern hinein auf natürliche Weise schwanger. In keinem Alter gibt es eine Garantie dafür, dass man unbedingt genau die Anzahl an Kindern bekommt, die man sich wünscht.“ Sie sagt jedoch, dass eine gewisse Vorausplanung keine schlechte Idee sei. „Zieh unterschiedliche Optionen in Betracht, wenn du nicht zu früh anfangen willst und für die bestmöglichen Chancen in der Zukunft sorgen willst. Es ist immer am besten, solche Fragen mit Spezialist:innen zu besprechen, die dich unter Berücksichtigung deiner besonderen Umstände und deines Krankheitsbildes beraten können.“Laut Sex and the City, deinen Yogalehrer:innen, der Freundin einer Freundin… Ist Akupunktur aber tatsächlich förderlich für deine Fruchtbarkeit?Diese Behauptung scheint zuzutreffen. „Untersuchungen haben gezeigt, dass Akupunktur dabei helfen kann, die Fruchtbarkeit einer Frau zu verbessern. Das kann darauf zurückgeführt werden, dass sie den Blutfluss zu den Sexualorganen erhöht sowie das Stressniveau reduziert und den Spiegel endokriner Hormone ausgleicht“, sagt Emma.Dr. Corda teilt diese Begeisterung. „Immer mehr Studien zeigen, dass diese Behandlung Vorteile mit sich bringt und die Zeugungsrate verbessert. Natürlich können wir das nicht eindeutig beweisen, da es zu viele variable oder verwirrende Faktoren gibt, die hier eine Rolle spielen. Was aber außer Frage steht, ist, dass Akupunktur den Blutfluss zu den Beckenorganen wie der Gebärmutter und den Eierstöcken verbessert und auch einen Zustand der Ruhe herbeiführt, durch den der Stress- und Cortisolspiegel sinkt. All das kann sich positiv auf unsere Fruchtbarkeit auswirken.“Ein klassischer „hilfreicher“ und oft wiederholter Kommentar deiner Mutter, der dir jedes Familienessen verdirbt. Dr. Corda und Emma bestätigen, dass diese Behauptung nicht immer zutrifft.„Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich die Qualität sowohl der Eizellen als auch der Spermien. Das kann die Zeugung erschweren. Der Körper neigt zu einem natürlichen Selektionsprozess. Wenn mit der Entwicklung etwas nicht stimmt, werden befruchtete Eizellen im Normalfall ausgeschieden oder es kommt zu einer Fehlgeburt“, erklärt Emma. Neben dem Alter gibt es noch viele andere Faktoren – wie unsere Gene –, die es schwieriger machen können, schwanger zu werden.Dr. Corda erklärt, dass ein Risiko aus folgender Tatsache resultiert: Je älter du bist, wenn du Kinder bekommst, desto größer ist die Chance, dass du eine bereits bestehende Krankheit hast, die in der Schwangerschaft Probleme verursachen könnte – wie Schilddrüsenprobleme oder Bluthochdruck. Sie fügt hinzu, dass ein höheres Alter leider auch ein höheres geburtshilfliches Risiko für Dinge wie Präeklampsie und Diabetes mit sich bringt. „Allerdings ist jede Frau anders“, beruhigt sie uns. „Es ist zwar wichtig, über diese Risiken Bescheid zu wissen, es gibt aber viele Frauen in ihren späten 30ern und 40ern, deren Schwangerschaften problemlos verlaufen, weil sie von Anfang an fit und gesund sind. Wenn du schon in jungen Jahren in deine Gesundheit investierst und das auch weiterhin tust, hilft das enorm.“Gehört: überall. Sicherlich gibt es eine emotional weniger geladene Art, Frauen zu definieren, die in ihren 30ern Babys bekommen?„Ich persönlich würde diesen Begriff nie verwenden“, sagt Dr. Corda. „Er wurde bisher für Frauen über 35 verwendet, weil das ungefähr der Zeitpunkt ist, zu dem die Geburtenrate plötzlich beachtlich zurückgeht. Die aktuellen Zahlen und Untersuchungen zeigen aber, dass Frauen, die in ihren 40ern sind und Kinder bekommen, die am schnellsten wachsende Gruppe von Müttern ausmachen.“Sie fährt fort: „Wir erleben gerade eine bedeutende demografische Verschiebung mit. Verglichen mit noch sogar vor zehn Jahren ist eine deutliche Veränderung bemerkbar: Die Zahl der Frauen, die in ihren späten 30ern und 40ern Kinder bekommen, ist angestiegen und wird es voraussichtlich auch weiterhin tun. Das hat damit zu tun, dass sich das Leben der Frauen in den letzten Jahren sehr verändert hat und sie jetzt viel mehr Optionen haben. Eine Frau nach dem 35. Lebensjahr als ‚geriatrisch‘ zu bezeichnen, ist daher nicht nur beleidigend, sondern wirft auch ein schlechtes Licht auf uns als Gesellschaft.“ Wenn du mit über 35 schwanger wirst, ist es jedoch wahrscheinlich, dass du dich – unabhängig davon, ob du bereits Kinder hast oder nicht – mehr Scans oder Check-ups unterziehen musst, um feststellen zu können, ob es irgendwelche gesundheitlichen Bedenken oder Komplikationen haben, sagt Emma.Das ist etwas, das Frauen, die an PCOS leiden hie und da zu hören bekommen. Stimmt diese Behauptung?„Das ist ein absolutes Märchen und hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun!“ sagt Dr. Corda. „Es gibt viele Frauen mit polyzystischen Eierstöcken – bis zu eine von fünf Frauen ist betroffen – und viele werden auf natürliche Weise schwanger.“Natürlich gibt es auch potenzielle Probleme bei der Zeugung, die durch PCOS entstehen können. „Frauen mit diesem Syndrom haben für gewöhnlich unreife Eizellen, die oft mit Flüssigkeit gefüllt sind“, erklärt Emma. „Außerdem ist ihr Testosteronspiegel erhöht, was zu Verzögerungen bei der Reifung und Freisetzung der Eizelle sowie zu unregelmäßigen Menstruationszyklen führen kann.“Je gesünder du bei der Zeugung bist, desto besser, sagt Dr. Corda. „Bewegung, Ernährung und Stressabbau sind entscheidende Faktoren. Sie tragen dazu bei, das allgemeine Entzündungsniveau, das mit dieser Erkrankung verbunden ist, zu reduzieren und die Blutzuckerregulierung zu verbessern.“Was bedeutet also all das unterm Strich? Wenn du dir Sorgen um deine Fruchtbarkeit machst, kann es nicht schaden, einen Termin für einen Fruchtbarkeitstest zu vereinbaren. So weißt du, wie es um deine Chancen, schwanger zu werden, steht. Das ist außerdem ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um fundierte Entscheidungen treffen zu können, die deinen Wünschen entsprechen. Denn es geht hier schließlich um deinen Körper und nur du hast die Entscheidungsmacht über deine Familienplanung. Like what you see? How about some more R29 goodness, right here?8 praktische Menstruationskalender & Zyklus-AppsStudie: Softdrinks verringern die FruchtbarkeitIch war plötzlich schwanger – trotz „Pille danach“

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