5 Frauen erzählen, wie sie nach ihrer Entlassung wieder auf die Beine kamen

Jessica Morgan
·Lesedauer: 6 Min.

Eine Entlassung ist ohne Frage eines der stressigsten Erlebnisse, das dir im Laufe deiner Karriere widerfahren kann. Sie ist ein enormer Schlag, der für gewöhnlich dein Selbstvertrauen und deine finanzielle Situation erschüttert. Sie kann außerdem auch Hoffnungslosigkeit, Angst, Panik, Schock und Verleugnung hervorrufen. Leider werden viele von uns irgendwann im Zuge ihres Berufslebens freigesetzt. Angesichts der derzeit wütenden Pandemie und der wirtschaftlich schwierigen Lage, die in vielen Ländern weltweit herrscht, erscheint dieses Szenario aber wahrscheinlicher denn je.In einem solchen Moment kann es schwierig sein, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Ruf dir aber in Erinnerung, dass du keine Schuld dafür trägst. Das Unternehmen hatte vermutlich einfach keine andere Wahl, als deinen Arbeitsplatz zu streichen. Vielleicht bist du jetzt verletzt, enttäuscht oder sogar wütend. Außerdem gerätst du wahrscheinlich auch gerade in Panik, weil du nicht weißt, wie du die bevorstehende Miete bezahlen sollst. Kopf hoch, denn es gibt einen Lichtblick!Entlassen zu werden, kann eine Gelegenheit für Veränderung, Wachstum und Neuanfang darstellen. Es kann dein Augenmerk auf Möglichkeiten richten, die du sonst vielleicht nie in Betracht gezogen hättest, wenn du noch in deiner alten Position wärst: deine Pläne, etwas Geld nebenbei zu verdienen, die du schon so lange zurückgestellt hast? Ein Karrierewechsel? Warum nicht jetzt? Im Folgenden beschreiben fünf beeindruckende Frauen ihre Erfahrungen mit diesem Thema und erzählen, wie sie nach diesem einschneidenden Ereignis wieder auf die Beine gekommen sind…Vicky, 31Ich war gerade 30 geworden, als ich freigesetzt wurde, weil das Online-Magazin, das ich doch so liebte und für das ich bis dahin als stellvertretende Redakteurin gearbeitet hatte, aufgelöst werden sollte und seine Pforten für immer schließen würde. In einen Raum gerufen zu werden und zu erfahren, dass all das enden würde, war unglaublich traurig. Ich hatte es nicht kommen sehen. Es ist einfach, diese Dinge persönlich zu nehmen. Meiner Mutter aber gelang es, mich zu trösten. „Das ist bloß eine Business-Entscheidung“, sagte sie aufmunternd. Hinter meiner Freisetzung steckte ein geschäftlicher Beweggrund, der nichts mit mir als Person oder meiner Kompetenz zu tun hatte. Dieses Erlebnis fühlte sich wie eine schreckliche Trennung an. Nach zwei Wochen des Grübelns entschied ich mich, den Sprung zu wagen und von mir aus zu kündigen. Ich stand etwa einen Monat lang unter Schock, aber dann gelang es mir, mich wieder aufzurappeln und meine Karriere einen Schritt weiter voranzubringen. In vielerlei Hinsicht war das die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe, auch wenn sie sich zu der Zeit ganz schön furchterregend anfühlte. Anna*, 26Meine erste Freisetzung erschütterte mein Selbstvertrauen gewaltig. Ich dachte, etwas müsse mit mir nicht in Ordnung sein, um entlassen zu werden. Tatsächlich handelte es sich dabei aber um ein brancheninternes Problem. Diese Erfahrung war alles andere als einfach und ich machte mir Sorgen darüber, wie ich bloß meine Rechnungen bezahlen sollte. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich davor unglücklich gewesen war und für einen Hungerlohn gearbeitet hatte. Bei der Arbeit hatte ich mich emotional missbraucht gefühlt. Ständig hatte ich versucht, alles Negative zu verdrängen. Ich war entsetzt, weil ich den Job brauchte, um genug Geld für meine Miete aufbringen zu können. Meine Entlassung verschuf mir aber echte Klarheit.So war ich besser für meine nächsten zwei Erfahrungen mit Personalabbau gewappnet und konnte die Situation besser nachvollziehen, ohne das Geschehene persönlich zu nehmen. Entlassen zu werden, ist eine schreckliche Angelegenheit, die uns allen widerfahren kann. Zurückblickend kann ich aber sagen, dass sich diese einschneidenden Erlebnisse schließlich zum Besten kehrten. Judy, 34Ich hatte bereits über sechs Jahre lang für ein Start-up gearbeitet, als angefangen wurde, über eine Umstrukturierung und einen Personalabbau zu sprechen. Ich nahm meine Freisetzung hin, anstatt mich für meine Rolle aufs Neue zu bewerben. Ich litt damals unter schrecklichen Angstzuständen, da ich seit meinem Abschluss, also seit elf Jahren, nicht mehr arbeitslos gewesen war und das Gehalt gerade so für einen Monat reichte. Dieses Erlebnis war emotional und eine der stressigsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Ich konnte nicht schlafen und meine Familie machte sich Sorgen darüber, wie ich es schaffen würde, mich finanziell über Wasser zu halten. Zu dieser Zeit durchlebte ich einige der schlimmsten Angst- und Panikattacken meines Lebens. Ich wusste aber, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, da ich nicht mehr zufrieden mit meinem Job gewesen war. Ihn zu behalten, wäre wie in einer Beziehung zu bleiben, die nicht mehr zu retten ist. Außerdem bin ich so stolz auf alles, was ich in den letzten sechs Monaten getan und erreicht habe – all die freiberufliche Arbeit, die ich geleistet habe, meine Beiträge für einige der größten Medienunternehmen und Brands, die neuen Kontakte, die ich geknüpft habe, und wie viel ich seitdem neu dazugelernt habe.Meine Freisetzung hat mich gelehrt, mutiger zu sein. Sie zwang mich dazu, mich aus meiner Komfortzone herauszuwagen und hat mich in vielerlei Hinsicht auf die Probe gestellt. Dafür mache ich mir jetzt aber weniger Sorgen, wenn sich eine neue Gelegenheit bietet. Außerdem glaube ich, durch diese Erfahrung an Selbstvertrauen gewonnen zu haben. Hätte ich den Sprung nicht gewagt, hätte ich zwar mehr Stabilität erfahren, wäre aber unglücklich geblieben.Stephanie*, 28 Vor ein paar Jahren wurde ich freigesetzt. Es geschah an einem Freitagnachmittag und traf mich wie ein entgegenkommender Zug. Die Bedeutung der Worte „Wir müssen Sie leider entlassen“ sickert erst dann richtig ein, wenn man nachts allein in seinem Zimmer sitzt und versucht, den eigenen Lebenslauf umzuschreiben, während einem die Tränen übers Gesicht laufen. Durch dieses Erlebnis wurde mir klar, wie unzufrieden ich eigentlich mit meinem Job gewesen war. Damals war es mir nicht bewusst, aber er hatte sich stark auf meine geistige und körperliche Gesundheit ausgewirkt: Mit der Zeit war ich apathisch geworden, nichts interessierte mich mehr und ich fühlte mich gestresst. Das Leben geht aber weiter – zum Glück. Außerdem kommt und geht Arbeit. Aus solchen Erfahrungen kann man immer eine Lehre ziehen. Ich habe zum Beispiel erkannt, dass man egoistisch sein und sich selbst einen hohen Stellenwert einräumen muss.Glücklicherweise bin ich jetzt mit meinen Umständen zufrieden. Meinen Arbeitsplatz zu verlieren, war das Beste, was mir passiert ist. Es hat mich nämlich belastbarer gemacht und mich gelehrt, mich selbst voranzustellen und das zu verfolgen, was ich im Leben will. Fani, 26Mir wurde mitgeteilt, dass meine Rolle möglicherweise gestrichen werden müsste. Mir war aber schon zu diesem Zeitpunkt klar, was auf mich zukommen würde. Als ich das Büro also endgültig verließ, bekam ich feuchte Augen – nicht weil ich traurig war, sondern weil mir ein Stein vom Herzen fiel. Ich hatte diesen Job gehasst und verspürte eine enorme Erleichterung, als ich diese toxische Umgebung verlassen und tun konnte, was ich tatsächlich wollte. Ich hatte es geschafft: Ich hatte dieses Kapitel meines Lebens endlich hinter mir gelassen. Die Frage war jetzt: Wie würde es für mich weitergehen?Ich beschloss, mich selbstständig zu machen, was mir unglaublich viele Türen geöffnet hat. Seit meiner Freisetzung sind neun Monate vergangen und ich könnte nicht zufriedener mit meiner Entscheidung sein. Ich habe diesen Anstoß gebraucht. Außerdem konnte ich so meine Unsicherheiten überwinden und mein Selbstvertrauen wieder aufbauen. Diese Erfahrung stellt ohne Frage den Höhepunkt meiner Karriere dar und hat mich in die richtige Richtung geschubst. Natürlich fühle ich mich hie und da immer noch gestresst und mache mir Sorgen. Dafür kann ich aber wenigstens nach meinen eigenen Regeln spielen.*Namen wurde von der Redaktion geändert Like what you see? How about some more R29 goodness, right here?So bleibst du bei Vorstellungsgesprächen gelassen.Was in einen Lebenslauf gehört – & was bitte nichtBewerbungen schreiben während Corona: So klappt's