Mann ärgert sich über "obszönen" Tampon-Tweet der britischen Regierung

Jennifer Caprarella
·Freie Autorin
·Lesedauer: 5 Min.

“Ist dieses obszöne Bild wirklich nötig?” wollte ein Brite auf Twitter wissen. Was mag es wohl sein, das ihm derart die Schamesröte ins Gesicht getrieben hat? Pornografische Inhalte etwa? Oder die Darstellung expliziter Gewalt? Nein, ein kleiner, harmloser Tampon - genauergesagt die Zeichnung eines solchen - war es, der das Gemüt des armen Mannes erhitzt hat.

Ist die Abbildung eines Tampons obszön? Ein Twitter-User findet das schon und erntet die dazu passenden Reaktionen (Symbolbild: Getty Images)
Ist die Abbildung eines Tampons obszön? Ein Twitter-User findet das schon und erntet die dazu passenden Reaktionen (Symbolbild: Getty Images)

Mit einem Tweet informierte die britische Regierung an Neujahr darüber, dass ab sofort keine Steuern mehr auf Tampons und Binden erhoben würden. Eine gute Sache, fand offenbar auch Journalist und Radiomoderator Adam Garrie, der sich jedoch an etwas anderem in dem Tweet störte: der Illustration eines sauberen, schneeweißen Tampons.

Nichts als “obzönen” “Unfug” im Kopf?

“Obszön” nannte er das Bild und erklärte auf ungläubige Nachfrage einer anderen Userin, warum: “Es gibt hier eine Andeutung von Körperflüssigkeiten, und diese bestimmte Wölbung im Bild ist arg anzüglich.” Gemeint war damit die kleine Tamponschnur, wie Garrie mit einer Markierung verdeutlichte. Denn, so führte er aus, “asymmetrische Darstellungen und Kurven in Zeichnungen, vor allem im Zusammenhang mit Körperfunktionen, die unterhalb der Gürtellinie stattfinden, lassen einen an Unfug denken.”

Schottland geht noch weiter: Dort gibt es Tampons und Binden umsonst

Twitter kennt keine Gnade

Wie zu erwarten war, ließen die empörten und spöttischen Reaktionen auf Twitter nicht lange auf sich warten. Obwohl Garrie vereinzelt darin Zustimmung fand, dass “es keinen Anlass für dieses Bild gab, wir wissen alle, wie ein Tampon aussieht”, machten die meisten sich gnadenlos über den Briten lustig.

Männer sind solche Kinder, wenn ihr es nicht einmal schafft, einen Tampon anzusehen. Und es ist nicht mal ein echter.

Jedes Mal, wenn ich diese Papierrollen sehen, denke ich an all die obszönen Orte, an denen dieses Papier benutzt wird... Es ist unheimlich.

Stellt euch mal vor, ein ausgewachsener Erwachsener zu werden und trotzdem derart aufgebracht über die Zeichnung eines Tampons zu sein.

Wenn Sie das schon obszön finden, warten Sie erst, bis Sie erfahren, wo die Dinger eingeführt werden.

Manche Userinnen schlugen auch ernstere Töne an und forderten den Briten auf, sensibler mit dem Thema umzugehen, da die Periode und die Produkte dafür immer noch mit Scham und Stigma behaftet sind.

Bitte lesen Sie über Menstruationsstigma nach, um verstehen, warum Ihre Ausdrucksweise unnötig und schädigend ist. Wenn Sie denken, Tampons seien obszön, deuten Sie an, dass die Menschen, die sie gebrauchen, auch etwas Obszönes an sich haben.

Andere Twitter-User boten hingegen Alternativen an, wie man das Thema bildlich untermalen könne. Die einen schlugen scherzhaft vor, den vorwitzigen Tampon mit anderen Bildern zu ersetzen, die Garrie sicherlich weniger anstößig finden würde.

Wäre es nicht obszön, wenn Adam Garrie das neue Gesicht der Kampagne zur Abschaffung der “Tamponsteuer” würde? Bitte teilt das bloß nicht!

Ein anderer zog sarkastisch seinen Hut vor dem “mutigen” Adam Garrie und unterstützte ihn darin, dessen Tweets über seine “Lieblingsthemen wie Tampons, Körperflüssigkeiten und Hinterteilen” zu verbreiten - mit den passenden Fotos dazu natürlich.

Adam Garrie hielt ungeachtet der vielen Reaktionen auf seinen Tweet an seinem Standpunkt fest. Dem Portal “Bored Panda” sagte er: “Wenn jemand Bilder von seinen Genitalien, Körperflüssigkeiten oder Ähnlichem veröffentlichen will, werde ich sein Recht darauf verteidigen. Aber wenn jemand mich durch Mobbing soweit bringen will, dass mir das auch gefallen soll, kann ich ruhig meinen oppositionellen Standpunkt dazu klarmachen”, sagte Garrie, der sich als “klassischen Liberalen” bezeichnet.

Perioden-Sex: "I May Destroy You" normalisiert eines der letzten Tabu-Themen in Sachen Sex

Im weiteren Interview ließ er sich ausführlich über die modernen Liberalen und “vulgäre Propaganda der Regierung” aus - konnte aber immer noch nicht erklären, inwiefern ein unbenutzter Tampon mit Bildern von Genitalien oder Körperflüssigkeiten gleichzusetzen ist.

Video: 3 Wege, um die Menstruation zu enttabuisieren