Kommentar: Megan Rapinoe ist gegen Sexismus - solange er Frauen betrifft

Ben Barthmann
freier Sportjournalist

Megan Rapinoe hat sich bei der FIFA-Gala The Best für den niederländischen Verteidiger Virgil van Dijk ausgesprochen. Ihre Begründung aber war alles andere als in Ordnung - ganz besonders für die US-Amerikanerin.

Megan Rapinoe wurde bei der FIFA-Wahl in Mailand zur besten Fußballerin der Welt gekürt. (Bild: Getty Images)

Ein Kommentar von Ben Barthmann.

“Ich finde Virgil. Einfach dafür, wie süß er ist”, begründete Rapinoe ihre Wahl für den Verteidiger vom FC Liverpool. Man stelle sich die gleiche Situation mit vertauschten Rollen vor. Van Dijk: “Ich finde Megan. Einfach dafür, wie süß sie ist.”

Klingt falsch, sexistisch, unangebracht? Ist es auch. Fußballer sollten bei den Awards der FIFA nach sportlichem Können ausgesucht werden und natürlich nicht nach ihrem Aussehen.

Einen Aufschrei gibt es aber nur, wenn Frauen nach Aussehen beurteilt werden. Wenn es Männer trifft, interessiert das in der Regel niemanden.

Männer erleben in Sexismus-Debatte einen doppelten Standard

Ist also ein riesiger Aufschrei angebracht? Eigentlich nicht. Es war ein Scherz, noch dazu verpackt in einem Kompliment. Aber anzunehmen, dass es in Ordnung wäre, einfach weil ein Mann das Ziel ist, geht so auch nicht.

Denn hier greift ein doppelter Standard: Was wäre, wenn dieser Satz über eine Frau gefallen wäre. An dieser Stelle darf daran erinnert werden, wie umfassend die Twerk-Aufforderung an Ada Hegerberg beim Ballon d’Or diskutiert wurde.

Geht es um Frauen, ist der “Sexismus!”-Ruf meist nicht weit entfernt. Männer haben die gleiche Behandlung im Zweifelsfall aber einfach hinzunehmen.

Gleichberechtigung muss in beide Richtungen funktionieren

Dass es zudem ausgerechnet Rapinoe war, der dieser Satz über die Lippen rutschte, mag an ihrer gelösten Stimmung gelegen haben. Tatsächlich sollte die US-Amerikanerin aber die Letzte sein, die derartiges von sich gibt.

Rapinoe ist bekannt für ihren Kampf gegen den Sexismus im Sport. Auch ihre Dankesrede in Mailand nutzte sie am Montagabend für ein Statement für mehr Gleichberechtigung im Sport - in jeder Art.

Gleichberechtigung sollte in diesem Fall allerdings bedeuten, dass der Respekt gegenüber Frauen im Sport erhöht wird. Nicht, dass der Respekt gegenüber den Männern zurückgeschraubt wird.

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