Melania Trump, Jill Biden und der Kampf um den Rosengarten

·Lesedauer: 4 Min.

Die Lage im Rosengarten des Weißen Hauses ist heikel.

Der Rosengarten im April 2008 (links) und im Mai 2021 (rechts). (Brooks Kraft/Corbis via Getty Images; via Twitter)
Der Rosengarten im April 2008 (links) und im Mai 2021 (rechts). (Brooks Kraft/Corbis via Getty Images; via Twitter)

Die ehemalige First Lady Melania Trump hat während der Amtszeit ihres Mannes ein umstrittenes Design für den beliebten Platz direkt vor dem Oval Office umgesetzt. Jetzt fordern manche ihre Nachfolgerin Jill Biden auf, diese Änderungen rückgängig zu machen und den Rosengarten wieder in die gefeierte Version zurückzuverwandeln, die 1961 von der Kennedy-Administration realisiert wurde.

Eine Petition, die Melania Trump vorwirft, sie habe den Rosengarten in „eine langweilige Hommage an sich selbst“ verwandelt, hat bereits 75.000 Unterschriften. „Ich möchte, dass unser weißes Haus wie Amerika aussieht, NICHT wie Russland!!!“, schrieb einer der Unterzeichnenden.

Melania Trump: Sie zeigte sich an der Seite von Donald Trump

Wegen der Petition werfen die Republikaner der Biden-Regierung vor, sie wolle schlichtweg alle Errungenschaften der Trump-Präsidentschaft auslöschen, egal ob es dabei um Blumen oder Impfungen geht.

Der Rosengarten im April 2008 (links) und im Mai 2021 (rechts). (Brooks Kraft/Corbis via Getty Images; via Twitter)
Ein Blick auf den umgestalteten Rosengarten, August 2020. (Susan Walsh/AP)

„Die Liberalen sind entschlossen, alles auszulöschen, was Präsident Trump aufgebaut hat“, hieß es kürzlich in einer Fundraising-E-Mail des National Republican Senatorial Committee. „Jetzt haben sie es auf das abgesehen, was Melania geschaffen hat!“

Melania entfernt die berühmten Vielblütigen Zieräpfel, die im Auftrag der ehemaligen First Lady Jackie Kennedy gepflanzt worden waren. Trumps gärtnerische Ästhetik war etwas gedämpfter, aber nicht außerhalb der Gartennorm. Dennoch zog sie Kritik auf sich, weil sie einen traditionsgebundenen Raum verändert hatte. Und was die Sache noch schlimmer machte: Sie tat dies zu einer Zeit, in der die Coronavirus-Pandemie wütete und die Nation Proteste wegen Rassenungerechtigkeit erlebte.

Donald Trump: Er begnadigte einen Truthahn

Die First Lady konnte es den Trendsettern der Hauptstadt nie recht machen, die sich über die Neugestaltung des Rosengartens aufregten. „Das ist einfach nur ein trauriges Viereck“, schrieb ein Kritiker. Auf Twitter ging es hoch her, wie so oft während der Regierungszeit von Trump. Es wurden Dinge über die Neugestaltung gesagt, die nicht wahr waren.

Tulpen im Rosengarten in voller Blüte, April 2013. (Brooks Kraft/Corbis via Getty Images)
Tulpen im Rosengarten in voller Blüte, April 2013. (Brooks Kraft/Corbis via Getty Images)

Manche verteidigten die First Lady aber auch: „Das ist nicht Melania Trump, die einen Plan auf die Rückseite einer Serviette zeichnet“, sagte die Gartenhistorikerin des Weißen Hauses, Marta McDowell, in einem Interview mit der Los Angeles Times. Ihre abschließende Einschätzung war deutlich gemäßigter als die der Anti-Trump-Kräfte, die die sozialen Medien dominierten. „Es sieht sehr ähnlich aus“, sagte McDowell.

Präsident Biden hat versucht, einen Großteil des Erbes seines Vorgängers bei einer Vielzahl von Themen rückgängig zu machen, von der Einwanderung bis zum Klimawandel. Trump-Anhänger beobachten das mit Bestürzung. „Amerika hat für eine Pause gestimmt, nicht für eine Revolution“, lautete die Überschrift einer Kolumne, die kürzlich im Wall Street Journal erschien. Darin ging es nicht um Gartenarbeit – aber es hätte gepasst.

Joe und Jill Biden: Kurioses Foto geht viral

Die Behauptung eines andauernden Streits um den Rosengarten wird durch die eigenen Absichten der First Lady etwas verkompliziert. „Es gibt keine Pläne“, sagte Bidens Sprecher Michael LaRosa gegenüber Yahoo News. Ein paar Minuten danach twitterte Jill Biden selbst ein Bild, das den Rosengarten in prächtigen Farben zeigte.

„Der Frühling ist hier am @WeißenHaus angekommen!“, schrieb sie zu dem Foto.

Aber Fakten lassen die Empörung, die in Washington zu jeder Jahreszeit hochkocht, selten abebben. Man könnte sagen, es ist ewige Ernte innerhalb des Beltway, also dem politischen Establishment in Washington D.C. Man kann also damit rechnen, dass die Gartenkriege so bald kein Ende nehmen werden.

Lange bevor sich die Progressiven über Melania Trumps Neugestaltung des Rosengartens empörten, waren die Konservativen über Michelle Obamas Gemüsegarten auf dem South Lawn empört und hielten die Praxis des Gärtnerns für „die Erfindung der liberalen Eliten“.

Der Rosengarten im April 2008 (links) und im Mai 2021 (rechts). (Brooks Kraft/Corbis via Getty Images; via Twitter)
Die First Lady Michelle Obama pflanzte im Küchengarten des weißen Hauses mit Grundschülern aus der Umgebung Kräuter, April 2009. (Brooks Kraft/Corbis via Getty Images)

Fast jede ästhetische Veränderung am Weißen Haus löst Empörung aus. Das musste auch der ehemalige Präsident Bill Clinton 1997 feststellen, als er einen Whirlpool installieren ließ. Der Whirlpool wurde zwar nicht im Rosengarten aufgestellt, aber einige regten sich trotzdem auf. „Der Whirlpool beweist, dass Clinton ein Möchtegern-Kalifornier ist“, sagte ein Journalist. Ein anderer nannte ihn „geschmacklos“.

Die wohl populärste Umgestaltung des Weißen Hauses war eine höchst temporäre: Präsident Andrew Jackson platzierte ein 635 Kilo schweres Käserad in der Eingangshalle. Es wurde vom amerikanischen Volk schnell verzehrt. Bis heute gibt es keine Pläne der Biden-Administration, ein Käserad im Weißen Haus aufzustellen.

Der Käselaib von Präsident Andrew Jackson. (Perley's Reminiscences/White House Historical Association)
Der Käselaib von Präsident Andrew Jackson. (Perley's Reminiscences/White House Historical Association)

Alexander Nazaryan

VIDEO: Melanie Trumps Abschiedsbotschaft als First Lady