MIS-C: Seltene Folgeerkrankung von Covid-19 bei Jugendlichen

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.

In einer aktuellen Studie haben Forschende der US-Seuchenschutzbehörde einen Zusammenhang zwischen dem multisystemischen Entzündungssyndrom und einer Covid-19-Infektion bei Jugendlichen hergestellt.

Kinder und Jugendliche erkranken selten schwer an Covid-19. Allerdings gibt es einen Zusammenhang mit dem sehr gefährlichen multiinflammatorischen Syndrom. Foto: Symbolbild / gettyimages / Images By Tang Ming Tung
Kinder und Jugendliche erkranken selten schwer an Covid-19. Allerdings gibt es einen Zusammenhang mit dem sehr gefährlichen multiinflammatorischen Syndrom. Foto: Symbolbild / gettyimages / Images By Tang Ming Tung

Bislang weisen Kinder, die an Covid-19 erkranken, meist kaum oder gar keine Symptome auf. In den seltensten Fällen bricht die Lungenkrankheit schwerwiegend aus. Dennoch sollte die Viruserkrankung nicht auf die leichte Schulter genommen werden, wie eine aktuelle Studie der US-Seuchenschutzbehörde CDC zeigt.

Zwei bis fünf Wochen nach einer Coronavirus-Infektion

Covid-19 könnte demnach mit einem anderen, wenn auch selten auftretenden, gesundheitsgefährdenden Zustand in Zusammenhang stehen: dem multisystemischen Entzündungssyndrom („Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“), kurz MIS-C. Darunter werden Erkrankungen zusammengefasst, die bei Jugendlichen und Kindern Wochen nach einer Infektion schwere Entzündungen an mehreren Organen gleichzeitig hervorrufen.

Unter der Leitung des Epidemiologen Ermias Belay wurde dazu nun die bislang größte Querschnitt-Analyse im Journal Jama Pediatrics veröffentlicht. Darin untersuchen die Forschenden insgesamt 1.733 Patient*innen, die zwischen März 2020 und Januar 2021 an MIS-C erkrankt, in einem US-Krankenhaus behandelt und währenddessen nicht älter als 20 Jahre alt waren.

Die Studie zeigt: Zwei bis fünf Wochen nach ansteigenden Covid-19 Infektionswellen erkrankten auch signifikant mehr junge Patient*innen an MIS-C. Sowohl zeitlich auch als regional konnte ein Zusammenhang hergestellt werden.

Seltenes Syndrom, häufig schwerer Verlauf

Die Forschenden vermuten, dass dieses zeitliche Muster dadurch entsteht, dass die Immunsysteme der Kinder und Jugendlichen verzögert auf eine Covid-19-Infektion reagieren – ihre Immunantwort dann aber übermäßig ausfällt. 

Dadurch werden nicht nur die Coronaviren angegriffen, sondern auch körpereigenes Gewebe. Dadurch entstehen an mehreren Organen gleichzeitig Entzündungen. Dazu passt, das schreibt die Ärztezeitung, dass zwei bis fünf Wochen nach einer Infektion die Antikörperproduktion des Immunsystems in der Regel ihr Maximum erreicht.

Die in der Studie untersuchten Kinder und Jugendlichen wiesen vor allem Hautausschläge, Fieber, Entzündungen im Magen-Darmbereich und in den Atemwegen, aber auch Fehlfunktionen im Herz-Kreislauf-System auf. 60 Prozent hatten im Laufe der Erkrankung einen sehr niedrigen Blutdruck, beinahe 40 Prozent erlitten einen Schock. Ein Großteil der Patient*innen musste intensivmedizinisch behandelt werden. Das sehr seltene MIS-C verläuft somit häufig sehr schwer, von den untersuchten Patient*innen starben 24.

Kaum Covid-19-Symptome, schwere MIS-C-Symptome

Was den Forschenden ebenfalls aufgefallen ist: Die MIS-C-Patient*innen wiesen zuvor keine oder lediglich leichte Covid-19-Symptome auf. 

Die Süddeutsche Zeitung stellt zudem die Frage, ob es sich bei Covid-19 und MIS-C überhaupt um zwei unterschiedliche Erkrankungen handelt oder ob MIS-C stattdessen als lebensbedrohliche Verlaufsform der SARS-CoV-2-Infektion gesehen werden sollte.

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