Mit der Hundert-Dollar-Säge durch Trumps Grenzmauer

Erst im September hatte U.S.-Präsident Donald Trump seine Grenzmauer in Kalifornien besucht. (Bild: REUTERS/Tom Brenner)

Die von Donald Trump viel gelobte Grenzmauer scheint längst nicht so sicher zu sein, wie angenommen. Immer wieder gelingt es Schmugglerbanden, die Hürde zu überwinden. Dabei sägen sie sich zum Teil einfach durch das Bollwerk der Trumpschen Außenpolitik.

Die Mauer an der Grenze zu Mexiko ist eines von Trumps wichtigsten Prestigeprojekten. Schließlich gehörte das Vorhaben, die Grenze zu sichern und eine Mauer zu bauen zu seinen zentralen Wahlversprechen. “Build the wall” wurde zu einem der Slogans, die immer wieder auf Trumps Wahlkampfveranstaltungen gerufen werden. Trump verglich sein Lieblingsprojekt sogar mit einem “Rolls Royce” und “nahezu unüberwindbar”. Bislang hat der Ausbau der bereits existierenden Grenzzäune die U.S.-Steuerzahler etwa zehn Milliarden Dollar gekostet.

Mit Stichsäge und Strickleiter

Doch jetzt kommt heraus: Manchmal reichen einfache Elektrowerkzeuge, die es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt, um Löcher in die Metallbarrieren zu schneiden, die groß genug für Schmuggelware oder sogar Menschen sind. Die Stichsägen, die dabei benutzt werden, kosten gerade einmal um die 100 US-Dollar. Die Metallpoller des Zauns können mit den richtigen Sägeblättern in wenigen Minuten durchtrennt werden, durch ihre Länge lassen sie sich dann leicht zur Seite biegen um genug Platz für einen Erwachsenen zu schaffen, berichteten U.S.Beamte anonym der “Washington Post”. Auch selbstgebastelte Leitern reichen den Banden oft, um die Mauer zu überwinden. Mit Stahlträgern verstärkte Leitern werden an die Mauer angelehnt, oben dann Strickleitern zum Abstieg auf der U.S.-amerikanischen Seite genutzt. Das U.S.-Army Corps of Engineers, zuständig für den Bau der Grenzbefestigung verweigerte genauere Angaben gegenüber der Zeitung.

Die organisierte Kriminalität verfügt in Mexiko über fast unbegrenzte finanzielle Ressourcen, um auf die aufgestockten Grenzkontrollen zu reagieren. Die U.S.-Regierung hat sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, wieviele dieser Vorfälle und Lücken es bereits gab, dennoch bestehen die zuständigen Behörden darauf, dass das neue Zaunsystem deutlich sicherer sei, als zuvor. Zudem seien die einzelnen Poller, die zwischen fünf und neun Metern hoch sind, in dem neuen System relativ einfach zu ersetzen. Dennoch scheint die Grenze bei weitem nicht so sicher zu sein, wie Trump es gerne an seine Anhänger vermittelt. Unter dem Hashtag #trumpwall machen sich nun die Twitter-User über die angeblich so undurchdringliche Mauer lustig.


In der Gegend um San Diego, einem der Hotspots für die Schmuggler, haben die Grenzschützer mehrfach in den Zaun geschnittene Breschen entdeckt, die von den Gangs geschickt wieder zurecht gebogen wurden. So können wie teilweise unentdeckt mehrfach genutzt werden. Manchmal kaschieren die Schmuggler die Bruchstellen sogar mit Spachtelmasse und Farbe, so dass die Entdeckung noch schwieriger ist.

Ronald Vitiello, der die U.S. Border Patrol bis zu seiner Entlassung im April geleitet hatte, sprach mit der “Washington Post” über die Schwächen der Grenze. “Die Kartelle werden weiterhin erfinderisch sein. Sie wenden sich nicht plötzlich von San Diego ab, nur weil die Mauer besser wird.” Vitiello gab zu, dass sie Stahlpoller-Variante nicht die beste Lösung war. Es sei aber die am besten entwickelte gewesen, die man sich habe leisten können.

Trump wurde kürzlich bei einem Pressetermin selbst nach der Sicherheit seiner Mauer befragt, gab aber an, noch nichts von irgendwelchen Durchbrüchen gehört zu haben. “Wir haben eine sehr starke Mauer. Aber egal wie stark etwas ist, man kann durch alles schneiden. Einer der Gründe, warum wir es auf diese Art gemacht haben, ist dass man es leicht reparieren kann. Man ersetzt einfach das Stück.”

Von seinem Wahlversprechen, Mexiko für den Bau bezahlen zu lassen, spricht im Weißen Haus längst niemand mehr. Momentan wird auf über 200 Kilometern Grenzstrecke am Ausbau der Mauer gearbeitet, weitere 300 Kilometer werden vorbereitet und sollen bis zum Ende des kommenden Jahres fertiggestellt werden.