Mode mit politischer Botschaft: Closed setzt Zeichen gegen Mexiko-Mauer

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Das deutsche Modelabel Closed setzt in seiner aktuellen US-Kampagne ein Zeichen gegen den Mauerbau in Mexiko – und ist damit nicht die einzige Fashion-Marke, die ihre Bekanntheit für politisches Bewusstsein einsetzt.

Das Label Closed setzt in seiner aktuellen Kampagne in New York ein Zeichen gegen Abschottung. (Bild: Instagram / Sportswear International)

„Lasst es euch von uns Deutschen sagen: Eine Mauer ist niemals die Antwort“, heißt es übersetzt auf der Plakatreihe, die in New York fotografiert wurde. Daneben ein Model im für die Marke typischen Denim-Look, darunter die Botschaft: „Closed. Jetzt in den USA erhältlich.“ Mit seiner Botschaft erinnert das deutsche Label, das 1978 gegründet wurde, zum einen an die Berliner Mauer, deren Grenzübergänge vor fast 30 Jahren wieder geöffnet wurden, zum anderen bezieht es sich auf den von US-Präsident Trump geplanten Mauerbau zwischen den USA und Mexiko, der von vielen Amerikanern abgelehnt wird.

Gegen Ausländerhass - für mehr Toleranz

Politische Statements sind nicht neu in der Mode, auch wenn sie aktuell vermehrt in den Marketingkampagnen stattzufinden scheinen. Die Inhalte sind dabei ganz unterschiedlich: Von klaren Appellen gegen Ausländerhass oder Anti-Terror-Gesetze bis hin zu Aufrufen für mehr Toleranz und Diversität nutzen viele Fashion-Labels ihre Bekanntheit, um politische Botschaften zu streuen – und dabei ganz nebenbei ein bisschen Aufmerksamkeit und positive Aura für die eigene Marke abzustauben.

Das italienische Label Benetton gilt als Erfinder dieses kontroversen Mixes aus Fashion-Anzeige und politischer Botschaft, wobei die aktuelle Kampagne vergleichsweise „brav“ daherkommt: Gezeigt wird in unterschiedlichen Motiven ein Kleidungsstück an zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts, Standes, kulturellen Hintergrunds und so weiter. Das Motto: „United in Diversity“ – vereint in Diversität.

Benetton kann auf eine lange Geschichte weit kontroverserer Fashion-Politik-Kampagnen zurückblicken – genannt sei etwa die Schockerwerbung von 2000, die unter dem Motto „Look Death in the Face“ Insassen aus dem Todestrakt zeigte, oder die viel positiver assoziierte „Unhate“-Kampagne von 2011, die in Form überdimensionaler Stellwände und Plakaten vor allem in den Innenstädten für Gesprächsstoff sorgte:

Die "Unhate"-Kampagne von Benetton sorgte in Großstädten weltweit für Aufsehen. (Bild: Getty Images)

Auch auf den Laufstegen hat sich Politik als Thema fest etabliert. Gefühlt ist das politische Engagement seit der Wahl von US-Präsident Trump größer oder zumindest lauter geworden, immer mehr Designer demonstrieren ihr politisches Bewusstsein. Auf den Catwalks der Modeschauen wird mutig Flagge gezeigt – für Diversität, gegen Ausländerhass, für Frauenrechte:

Die deutsch-iranische Designerin Leyla Piedayesh protestierte mit einem Demo-Schild bei der Fashion Show ihres Labels „Lala Berlin“ während der Copenhagen Fashion Week 2017.

Dabei muss es nicht immer plakativ zugehen – bei der Präsentation seiner ersten Kollektion für Calvin Klein, die kurz nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten stattfand, verarbeitete Designer Raf Simons seine politische Botschaft in Form des Soundtracks (z.B.„This is not America“ von David Bowie) und zentraler Elemente des amerikanischen Handwerks, das er in seine Entwürfe mit einfließen ließ (von Steppdecken bis Workwear-Denim). Schöner kann man die USA und ihre Werte nicht ehren – und gleichzeitig die aktuelle Politik kritisieren.

Was Benetton für die Fashion-Kampagnen, ist Vivienne Westwood für den Laufsteg: Die mittlerweile 78-jährige Engländerin demonstriert seit Anbeginn ihrer Karriere auf ihre ganz eigene Weise gegen Missstände in der Welt. Sie protestierte mit einer eigenen Shirt-Kollektion gegen das geplante Anti-Terror-Gesetz von 2005...

Vivienne Westwood demonstriert auf ihre Weise gegen das Anti-Terror-Gesetz. (Bild: Getty Images)

...ließ ihre Models in der Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2013 zur Climate Revolution aufrufen...

Ein Model mit "Climate Revolution"-Shirt auf dem Laufsteg. (Bild: Getty Images)

... und demonstrierte 2016 auf der Fashion Week in Mailand gegen die Festnahme von Julian Assange:

Auch die Festnahme von Julian Assange ließ Westwood nicht unkommentiert. (Bild: Getty Images)

Westwood gilt als eine der Vorreiterinnen des Statement-Pieces-Trends, dem viele Designer folgten: So schickte etwa Prabal Gurung seine Models mit feministischen Motto-Shirts ins Finale seiner Herbst/Winter-Show 2017 in New York:

Feministische Motto-Shirts haben wir in den letzten Jahren auf vielen Laufstegen gesehen. (Bild: Getty Images)

Ashish verpackte gleich mehrere Botschaften auf einem Shirt:

Politik ist in so vielen Bereichen und Disziplinen der Mode aufzufinden – und wer sich heute über politische Statements aus der Fashion-Industrie wundert, hat von Mode wenig verstanden. Zum einen waren Mode und Politik schon immer eng verbunden - Mode an sich galt bereits als politisches Statement, in Form eines Palästinensertuchs, des roten Che-Guevara-Shirts, aber auch in Form von Springerstiefeln oder gelb-rot-grünen Rasta-Bändern.

Zum anderen stammen viele Kreative aus vormals oder noch immer diskriminierten Bereichen und nutzen nun ihre Stimme, um für mehr Weltoffenheit, Toleranz und Diversität zu kämpfen. Mode zeigt, wer wir sind – natürlich hat sie damit auch eine politische Dimension. Zu lange stand diese Dimension im Hintergrund. Dass immer mehr Fashion Brands wie Closed ihre politische Stimme nutzen, ist ein Signal wider die Politikverdrossenheit und für ein neues politisches Verantwortungsbewusstsein, das dringend notwendig war.

Die aktuelle Closed-Kampagne, die ein Zeichen gegen Trumps Mauerbau zu Mexiko setzen will, wurde bislang übrigens nur in New York gesichtet. Vielleicht entscheiden sich die Macher ja zu einer landesweiten Kampagne – die Unterstützung vieler Amerikaner ist ihnen wohl sicher.