Julia Dalia über ihren Glauben: „Ich frage Gott eigentlich bei allem um Rat“

Carina Parke

Julia Dalia ist eine erfolgreiche Social Media-Persönlichkeit, Bloggerin, Model – und überzeugte Christin! Sie geht regelmäßig in die Kirche, betet zu Jesus, beteuert aber gleichzeitig, nicht religiös zu sein. Viel mehr lebt die Wahl-Berlinerin eine moderne Form des Glaubens. Ein Gespräch über Gott, das Ausbrechen von Traditionen und die eigene Identitätsfindung.

Julia, du bist selbst gläubig, gehst als junger Mensch regelmäßig in die Kirche. Denkst du trotzdem, dass es heutzutage schwieriger geworden ist, an etwas zu glauben?
Glaube wird sehr viel mit Religion assoziiert. Und Religion hat Hass, Verletzung und Kriege hervorgerufen. Deswegen wollen viele Menschen nicht mehr glauben. Aber das ist eine Verwechslung von Religion und Glaube. Religion steht für Gesetze und Regeln, letzterer ist etwas sehr persönliches. Glaube ist Kommunikation mit einem liebenden Gott: „Heart to Heart“. Wenn Leute sagen, sie glauben nicht an Gott, dann schlage ich vor, sich mal das Universum anzuschauen. Dieses funktioniert aufgrund von einer Systematik, die wir nicht begreifen, aber es funktioniert. Man kann sich auf jeden Fall mal Gedanken darüber machen.

Hast du das Gefühl, dass in der Gesellschaft suggeriert wird, dass der Glaube nicht mehr cool ist?
Was nicht cool ist, sind die Traditionen. Nehmen wir ein Beispiel: Wenn man in eine traditionelle katholische Kirche geht, werden die alten Kirchenlieder gesungen. Ich glaube, dass das Gemeinden vor unserer Zeit etwas gegeben hat. Das war deren Art und Weise, Gott zu lobpreisen. Das kam aus dem Herzen und die konnten sich damit identifizieren. Aber für unsere Generation ist das verstaubt. Wir möchten vielleicht lieber lautere Musik machen. Ich denke, dass jede Generation für sich Wege findet, wie man Gott nah kommt und mit ihm kommuniziert.

Inwiefern spielt Glaube in deinem Alltag eine Rolle?
Es ist eine Beziehung. Die schönste Beziehung. Dementsprechend führe ich sie jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde, und trete mit Gott ins Gespräch. Ich frage Gott eigentlich bei allem um Rat.

Was sagen Leute aus deinem Umfeld, die vielleicht gar nicht religiös sind?
Also als Erstes: Ich bin überhaupt nicht religiös. Meiner Meinung nach ist Religion der Feind von Gott. Religion ist „man made“, das haben sich die Menschen ausgedacht. Glaube ist das, was Gott meint und die persönliche Beziehung, die ich schon betont hatte. In meinem Umfeld entstehen immer richtig gute Gespräche. Die Menschen sind interessiert und fragen mich viel. Von meinen engsten Freundinnen ist schon jede mal in die Kirche mitgekommen und hat sich das angeschaut. Zwei haben sich auch entschieden, ihr Leben Jesus zu geben. Das ist für mich das Schönste, was passieren kann.

Du besuchst jeden Sonntag Berlin Connect, was ja eine sehr besondere Kirche ist…
Genau, das ist eine sehr junge Kirche. Ich denke, wir sind zu über 50 Prozent zwischen 20 und 35. In der Kirche sind viele Kreative: Fotografen, Graphikdesigner, Models, Blogger, Besitzer von veganen Cafés. Das sind wunderbare und sehr inspirierende Menschen mit schönen Herzen. Deswegen gehe ich gerne dahin. Dort habe ich meine Beziehung zu Jesus neu entdeckt.

Was ist der Unterschied zu anderen Kirchen?
Wie hier Kirche gelebt wird, ist sehr modern. Bei Berlin Connect liegt die Betonung darauf, dass man eine persönliche Beziehung zu Jesus hat, dass man Fehler machen darf und Gott dich trotzdem liebt. Außerdem sind wir wie gesagt sehr jung und das spiegelt sich in der Musik und in vielen anderen Strukturen wieder. Jedes Mal, wenn ich jemand neues mitbringe sagt die Person: „Wow, so hab ich mir das nicht vorgestellt.“ Ich kann Gott hier sehr gut nahe kommen. Außerdem geht es am Sonntag auch viel um den Montag, also um den Alltag. Wie kann man als Christ in einer Stadt wie Berlin Glaube leben? Man lernt wie man seinen Glauben in der Woche, am Arbeitsplatz und in zwischenmenschlichen Beziehungen leben kann.

Ist ein Kinosaal in der Kulturbrauerei nicht ein ungewöhnlicher Ort für eine Kirche?
Die Kirche ist ein Ort im Herzen und die Menschen, die sie ausmachen. Ich kann irgendwo in der Walachei stehen und trotzdem die Kirche in mir tragen.

Was hast du bei Berlin Connect gelernt?
Ich habe gelernt, mich von religiösen Regeln freizumachen und die Beziehung zu Jesus zu leben. Oftmals zwingt man sich Regeln selbst auf, aber wenn man mit Gott geht, ist man vollkommen frei. Deswegen habe ich mich auch taufen lassen – es war für mich wie eine Neuentdeckung des Christentums. Und ichhabe gelernt, zu vertrauen. Gott zu vertrauen.

Du hast dich 2015 im Erwachsenenalter taufen lassen. Was hat das verändert?
Es war der schönste Tag in meinem Leben. Man sagt, wenn man getauft wird, wird man ein neuer Mensch. Das konnte ich einfach fühlen. Kurz bevor ich unter Wasser getaucht wurde, ist der Himmel aufgebrochen und die Sonne kam raus. Als ich aufgetaucht bin, habe ich sofort gemerkt, dass so viel von dem alten Leben einfach unten geblieben ist. In der Kirche hatten sie mir den Tipp gegeben, Dinge die mich belasten, auf einen Zettel zu schreiben und mit einem Stein in ein Säckchen zu packen. Wenn man untergetaucht wird, lässt man das los. Das habe ich gemacht. Es gab zwei Dinge in meinem Leben, die wie eine Krähe auf meiner Schulter saßen – die waren danach komplett weg. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann fühle ich diese Schuld und Dunkelheit nicht mehr.

Als Model zeigt man sich jaoft auch freizügig. Inwiefern lässt sich das mit dem Glauben vereinbaren oder spielt das überhaupt eine Rolle?
Nacktheit als Mittel hat schonimmer funktioniert. „Sex sells!“ Wenn man mit Nacktheit auf etwas aufmerksam machen will, muss einem bewusst sein, dass es eben ein Mittel ist. Man kann diesen Weg wählen, um sich Gehör zu verschaffen. Ich spreche jetzt nicht vom Bikinibild am Strand. Es geht ja auch um die Art und Weise, wie und in welchem Kontext man die Nacktheit präsentiert. Ich spreche vom Alltag und da denke ich, dass man auch in einer gut sitzenden Jeans und einem Shirt darauf aufmerksam machen kann, dass man sich in seinem Körperwohl fühlt. Ich möchte ein stetes Selbstbewusstsein vermitteln. Und stets ist der Alltag. Im Alltag sieht man die Menschen meist angezogen, oder? Deswegen versuche ich, mein Selbstbewusstsein und Wohlfühlen eher zu vermitteln, indem ich angezogen bin.

Aber es ist nicht so, dass Nacktheit nicht auf einen Nenner mit dem Glauben kommt?
Ich habe die Einstellung, dass ich „Sex sells“ nicht als Mittel nutze, um Aufmerksamkeit zu generieren. Und diese hat definitiv etwas mit meinem Glauben zu tun. Ich definiere mich über meinem Glauben und kenne meine Wertigkeit, sowie meine Identität und möchte nicht objektiviert werden. Ich bin ein Kind Gottes – deswegen definiere ich mich nicht über meinen Körper. Aber ich verurteile niemanden, der das macht.

Dein Appell für den Glauben?
Man sollte ganz ehrlich mit sich sein und sich ohne Druck fragen, worauf man seine Identität baut. Ob es auf Beziehungen, den Job oder den Kontostand ist. „Wer bin ich?“ Und man sollte etwas finden, das nachhaltig ist. Denn alles ist vergänglich, alles kann weg brechen und dann durchlebt man plötzlich eine Identitätskrise. Das muss man sich mal klar machen. Ich habe etwas Unvergängliches gefunden.

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