Werbung

Muss ich bei einem flächendeckenden Stromausfall arbeiten? Das sagt eine Arbeitsrechtlerin

Ein Gast liest bei Kerzenlicht eine Zeitung in einer Bar in Buenos Aires, weil in Argentinien einen Tag lang der Strom ausfiel. Einen derart massiven Blackout gab es in Deutschland noch nicht. - Copyright: picture alliance/Mario De Fina
Ein Gast liest bei Kerzenlicht eine Zeitung in einer Bar in Buenos Aires, weil in Argentinien einen Tag lang der Strom ausfiel. Einen derart massiven Blackout gab es in Deutschland noch nicht. - Copyright: picture alliance/Mario De Fina

In ganz Deutschland weiß bisher kaum jemand, wie es wäre, wenn für länger als einen Tag der Strom wegbliebe. Doch die Bundesregierung und die zuständigen Katastrophenschutzbehörden bereiten die Bevölkerung aufgrund der aktuellen Energiekrise auf mögliche Blackout-Szenarien vor. Die ersten Gedanken dazu drehen sich erst einmal darum, was bei einer langen Zeit ohne Strom in der eigenen Wohnung passiert und wie man sein Leben am besten organisiert. Aber muss man eigentlich zur Arbeit gehen, wenn Bahnen nicht mehr fahren, aber der Computer-Akku im Homeoffice zur Neige geht?

Alicia von Rosenberg - Copyright: Nela König
Alicia von Rosenberg - Copyright: Nela König

Wir haben dazu mit Alicia von Rosenberg, Rechtsanwältin für Arbeitsrecht in Berlin, gesprochen. Sie sagt: „Wenn ein Arbeitnehmer wegen eines flächendeckenden Stromausfalls nicht arbeiten kann, nennt man das Betriebsstörung. Das Gesetz sieht in einem solchen Fall vor, dass der Arbeitnehmer von seiner Leistungspflicht befreit wird, das heißt also nicht arbeiten muss.“

Man kann sich also in aller Ruhe zunächst mit dem eigenen Notvorrat und Vorsichtsmaßnahmen beschäftigen und muss nicht ins Büro oder an die Werkbank. Doch wer nicht arbeitet, erhält auch keinen Lohn.

Werde ich für Stromausfalltage bezahlt?

Die Berliner Rechtsanwältin sieht in diesem Fall eine Ausnahme von dem Grundsatz, wer nichts leistet, wird nicht bezahlt: „Wenn entweder der Arbeitgeber die Betriebsstörung zu vertreten hat oder der Arbeitgeber das Risiko, seinen Betrieb betreiben zu können, trägt.“ Das heißt also, wenn auch euer Betrieb vom Blackout betroffen ist und ihr folglich nicht einmal vor Ort arbeiten könntet, wenn ihr pünktlich erschienen seid.

Dieser Fall sei bei einem Stromausfall gegeben, sagt Alicia von Rosenberg. Folglich trägt der Arbeitgeber das sogenannte „Risiko der Unmöglichkeit der Arbeitsleistung“ bei im Betrieb liegenden Gründen, wenn also Geräte defekt sind oder es Störungen gibt. Eure Firma ist aber auch dann verantwortlich, wenn ihr nicht arbeiten könnt aus Gründen sogenannter „höherer Gewalt“ wie Naturkatastrophen, extreme Witterungsverhältnisse oder Unglücke. „Der Arbeitgeber bleibt zur Lohnfortzahlung verpflichtet“, sagt die Anwältin für Arbeitsrecht.

Anders als in dem Fall, wenn Busse und Bahnen streiken und ihr trotzdem pünktlich zu Arbeit erscheinen müsst, gilt ein landesweiter Blackout als höhere Gewalt. Bleibt nur noch die Frage, wie ihr an euer Gehalt kommt, denn bei einem Stromausfall funktionieren auch die Bankautomaten nicht mehr.